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Super Mario Odyssey Nintendo Switch Review Test

Review: Super Mario Odyssey

Super Mario Odyssey folgt einer ähnlichen Philosophie wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild, obwohl es sich um gänzlich verschiedene Spiele handelt. Natürlich wird das Pilzkönigreich nicht plötzlich zu einer riesigen Welt, die ohne Barrieren erkundet werden kann. Mario kämpft auch nicht gegen Bokblins und Ganon. Es ist vielmehr das Gefühl, dass die (trotzdem vorhandenen) Bahnen mehr Raum für einen eigenen Pfad bieten. In früheren Serienteilen etablierte Grenzen werden gesprengt, Charaktere zumindest marginal weiterentwickelt und scheinbar ganz nebenbei auch noch ein Kandidat für den Titel „Spiel des Jahres“ auf die Beine gestellt. So schön war eine Weltreise noch nie.

Hörtipp: Ausführliche Eindrücke erwarten euch auch im Review-Spezialpodcast zu Super Mario Odyssey

Super Mario Odyssey Nintendo Switch Review Test

Ein T-Rex mit Schnauzer

Man möchte meinen, dass Super Mario Odyssey besondere Momente wie das Steuern eines T-Rex für den späteren Spielverlauf aufsparen würde. Stattdessen stampft man schon weniger als eine Stunde nach dem Spielstart als Tyrannosaurus mit roter Kappe und charakteristischem Mario-Schnauzbart durch das Kaskadenland. Nintendo ziert sich nicht davor, Mechaniken und Ideen in schneller Abfolge einzusetzen. Dieser Mut (und vor allem der lange Atem, denn die Ideen gehen den Entwicklern bis zum Schluss nicht aus) führt zu herrlich abwechslungsreichen Königreichen, die Mario und sein neuer Gefährte Cappy auf ihrer Reise entdecken.

Cappy ist ein Geist in Form eines weißen Zylinders, kann aber die Form jeder erdenklichen anderen Kopfbedeckung annehmen. Also verwandelt er sich mühelos in Marios ikonische Kappe oder eine von Dutzenden Kopfbedeckungen, die man (inklusive dazu passendem Kostüm) auf der Reise sammelt. Trotz einiger weniger Aufgaben, die ein bestimmtes Kostüm erfordern, sind die Outfits zu einem großen Teil kosmetische Gimmicks, die oft an Marios bunte Vergangenheit erinnern. Viel wichtiger ist Cappys Vorzeige-Mechanik: das Capern.

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In der Haut meines Feindes

Durch die Caper-Fähigkeit werden aus einem spielbaren Charakter plötzlich an die 50. Beim Übernehmen eines Gegners, der dann auch Marios schicke Mütze und den charakteristischen Schnauzer trägt, wird aber nicht einfach eine andere Haut über Mario gezogen. Jede caperbare Figur hat komplett eigene Eigenschaften und Fähigkeiten. Ein Lavaklumpen erlaubt es, durch Zuckergusslava zu schwimmen, kann an Land aber nicht überleben. Hammerbrüder weisen ein ganz eigenes Sprungverhalten auf und werfen mit Bratpfannen. Als Frosch kann man unglaublich hoch springen, sich aber gegen Feinde nicht wehren.

Ganz abgesehen davon, dass es Spaß macht, Gumbas zu stapeln und mit ihren gummierten Sohlen über Eis zu watscheln ohne abzurutschen, sind gecaperte Charaktere oft zwingend nötig. Sei es um Hindernisse zu überwinden, Monde zu sammeln oder sogar Bosse zu besiegen. Doch auch unbelebte Objekte können übernommen werden. Kuchengabeln oder Poller dienen etwa dazu, sich in die Luft zu katapultieren, während man als gelb zuckender Ballen Elektrizität in Stromleitungen große Strecken überwinden kann.

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Sonne, Mond und Sterne

Um Prinzessin Peach und Cappys Schwester Tiara vor Bowser zu retten, der diesmal eine Hochzeit mit der Herrscherin des Pilzkönigreichs plant, will ein Flugschiff mit dem treffenden Namen Odyssey mit Treibstoff (Monden) gefüttert werden. Monde folgen der Tradition der Sterne aus Super Mario 64 und der sonnenförmigen Insignien aus Super Mario Sunshine. Anders als in Super Mario 64 wird man aber nicht aus dem Level gekickt, wenn man einen Mond gesammelt hat, sondern kann die abwechslungsreichen Welten weiter erkunden. Hier offenbart sich eine weitere geistige Verbindung zu Breath of the Wild. Monde ähneln in ihrer Dichte den Krog-Samen, sind aber zu einem großen Teil schwerer zu verdienen.

Dabei müssen Parcours gemeistert, Feinde besiegt, Minispiele gemeistert oder einfach nur der richtige Fleck für eine beherzte Stampfattacke gefunden werden. Im jüngsten Zelda-Abenteuer wiederholten sich die Schemata der Krog-Rätsel sehr stark. Auch Super Mario Odyssey bedient sich wiederkehrender Muster, hat davon aber so viele und nutzt auch zahlreiche einzigartige Ideen, dass zu keinem Zeitpunkt das Gefühl aufkommt, das Spiel biete zu wenig Abwechslung. Auch Bedenken, dass die offenen Welten knifflige Jump-and-Run-Passagen verdrängen könnten, sind unberechtigt. Immer wieder bietet das Spiel abgetrennte Bereiche, die fantastisch designte Aufgaben bieten – von kinderleicht bis beinahe frustrierend schwer.

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Weltreise

Die Rettungsaktion führt Mario und Cappy quer über den Globus: In die relativ realistisch gehaltene und an New York erinnernde Stadt New Donk City, ins bunte und polygonal reduzierte Schlemmerland, auf eine tropische Insel inmitten eines giftigen Meeres, in ein mexikanisches Dorf mitten in der Wüste und in eine Waldlandschaft, die von Robotern in Schuss gehalten wird. Dabei wechseln sich größere und kleinere Gebiete ab. Zwischen großen Sandbox-Landschaften wie der Wüstenstadt Tostarena oder dem traumhaften Blubberstrand finden sich immer wieder kleinere Areale, die mehr an Level als Welten erinnern.

Sie sorgen (auch optisch) für Abwechslung. In einem Abschnitt könnte man meinen, Nintendo hätte sich von den Umgebungen in Bayonetta inspirieren lassen. Jede der neuen Mario-Welten bietet eine komplett eigene Währung, mit der Kostüme und Andenken gekauft werden können. Die bekannten gelben Münzen können ebenfalls zum Shopping eingesetzt werden und dienen als Ersatz für das Leben-System. Bei jedem Bildschirmtod werden einfach zehn Münzen vom Konto abgezogen.

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Steuerungsprobleme?

Die offenen Bereiche von Super Mario Odyssey können mit einer Vielzahl an Moves nach Monden durchkämmt werden. Manche davon sind alte Favoriten (Dreifachsprung), andere sind neu. Mario kann etwa wie Samus vorwärts rollen oder Cappy werfen und ihn als Plattform nutzen, die ihn in die Luft schleudert. Das Spiel ist zwar komplett mit einem klassischen Steuerungsschema bedienbar, dieses kann allerdings optional mit Bewegungsgesten erweitert werden.

Mit separierten Joy-Con funktioniert das ausgezeichnet und macht unglaublich Laune. Allerdings gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Manche Aktionen erfordern ein Schütteln des Controllers. Das klappt mit unabhängigen Joy-Con, aber wenn man den Pro Controller oder die Switch im Handheld-Modus schütteln muss, während man gleichzeitig auch Mario steuert, ist das einfach störend.

Super Mario Odyssey bietet auch einen lokalen, kooperativen Spielmodus. Ähnlich wie bei Super Mario Galaxy schlüpft ein Spieler die Rolle von Mario und der zweite steuert die Mütze Cappy. Besonders jüngere Spieler können als Cappy ins Geschehen eingreifen und mithelfen, während ein erfahrener Partner als Mario durch die bunten Welten führt. Dieses Feature ist aber nicht mehr als ein netter Bonus, denn bei anspruchsvolleren Aufgaben kommt man selbst als erfahrenes Team schnell an seine Grenzen.

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Fotosafari

Super Mario Odyssey gelingt der Spagat zwischen quietschbunter Nintendo-Grafik und realistischen Elementen. Röhren sind immer noch grün, die Farbe blättert an den Rändern aber leicht ab. In den Nebengassen von New Donk City liegen Müllsäcke und in der Kanalisation tummeln sich Ratten – nicht ekelhaft, aber atmosphärisch. Dazu kommen wunderbar gestaltet, fantasievolle Schauplätze wie eine Wüste mit in der Sonne glitzerndem Sand, ein Strand mit blubberndem Meer und ein frostiges Königreich, bei dem man aufgrund eines Schneesturms die Hand vor Augen kaum erkennen kann.

Diese Welten können dank des leicht bedienbaren Fotomodus entsprechend in Szene gesetzt werden. Diverse Filter ermöglichen leichte Unschärfe oder aber extravagantere Effekte wie Retro-Look oder Comic-Optik.

Die Auflösung im TV-Modus liegt bei ungefähr 900p und wird je nach Rechenlast variiert, während das Spiel im Handheld-Modus in 720p läuft –  jeweils mit fast perfekten 60 Bildern pro Sekunde. Unterschiede der beiden Modi zeigen sich vorwiegend in Details wie Schatten, weit entfernten Objekten und dem fehlenden Anti-Aliasing. Diese verkraftbaren Einschnitte stören das Spielvergnügen aber zu keiner Sekunde.

Super Mario Odyssey folgt einer ähnlichen Philosophie wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild, obwohl es sich um gänzlich verschiedene Spiele handelt. Natürlich wird das Pilzkönigreich nicht plötzlich zu einer riesigen Welt, die ohne Barrieren erkundet werden kann. Mario kämpft auch nicht gegen Bokblins und Ganon. Es ist vielmehr das Gefühl, dass die (trotzdem vorhandenen) Bahnen mehr Raum für einen eigenen Pfad bieten. In früheren Serienteilen etablierte Grenzen werden gesprengt, Charaktere zumindest marginal weiterentwickelt und scheinbar ganz nebenbei auch noch ein Kandidat für den Titel "Spiel des Jahres" auf die Beine gestellt. So schön war eine Weltreise noch…

Review Overview

Wertung - 10

10

Eine unvergessliche Reise

Summary : Super Mario Odyssey führt wie von Nintendo versprochen das 3D-Gameplay von Super Mario 64 in eine neue Generation. Die Jagd nach Monden fesselt weit über das Ende der Handlung hinaus und ermöglicht ein wunderbares Abenteuer, das an vielen Stellen auch an die reichhaltige Geschichte des Klempners erinnert. Der Nostalgietrip äußert sich in Retro-Kostümen, 8-Bit-2D-Abschnitten und zahlreichen Überraschungen, die das Herz erwärmen. Dazu wird die Mario-Formel an vielen Ecken und Enden weiter entwickelt. Sogar Prinzessin Peach hat ein wenig mehr zu tun, als sich nur von Bowser entführen zu lassen. Super Mario Odyssey ist eine unvergessliche Reise, die auch nach vielen Stunden noch zu überraschen weiß.

User Rating: 4.41 ( 6 votes)
Genre: Jump-and-Run
Entwickler: Nintendo
Erscheint: 27. Oktober
Preis: ca. 50 Euro
System: Nintendo Switch

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