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Review: Secret Empire #0 & #1

Was wäre, wenn sich Captain America auf die Seite von Hydra stellen würde? Jener Mann, der die guten alten amerikanischen Werte vertritt und sich dafür auch gegen die Regierung stellt als Anführer einer Nazi-Organisation. Marvels neuestes Comic-Event Secret Empire nimmt sich dieser Prämisse an, die bei anderen Verlagen wohl in einem Paralleluniversum spielen würde.

Es war einer der großen Aufreger im vergangenen Jahr: Steve Rogers entpuppte sich in der ersten Ausgabe der neuen Captain America-Serie von Autor Nick Spencer (auch für Secret Empire verantwortlich) als heimliches Mitglied von Hydra. Hat der Captain all seine Mitstreiter über die Jahre perfekt getäuscht? Nein. Steve Rogers ist ein Undercover-Agent für Hydra, seit ein kosmischer Würfel mit eigenem Bewusstsein namens Kobik seine Vergangenheit verändert hat. Seitdem platzierte der Captain Dominosteine, um eine Hydra-Revolution, eine Übernahme zu ermöglichen. Mit dem Start von Secret Empire ist es soweit. Bisher hat Hydra-Cap im Geheimen gehandelt, doch mit dem Start des Events und insbesondere der Ausgabe #0 setzt er seinen Plan in die Tat um. Das zum Verständnis nicht erforderliche, aber trotzdem empfehlenswerte Heft, demonstriert einen ausgeklügelten Plan, für den Cap die jahrelange Vertrautheit mit den anderen Helden gegen sie verwendet und sie mit Präzision vom Schachbrett entfernt.

Nick Spencer springt mit Ausgabe #1 mehrere Monate in die Zukunft und zeigt die neuen, von Hydra beherrschten USA, aus den Augen eines normalen Jungen namens Rayshaun, dessen Alltag von Angst und Propanganda geprägt ist. Auch Captain America wird weiter entwickelt. Steve unterscheidet sich erschreckend wenig von seinem früheren Selbst. Er ist ein Mann, der davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Spencer balanciert großes Superhelden-Spektakel, intime Momente und Charakterentwicklung beinahe perfekt und wird von Steve McNiven unterstützt, der bereits viel Erfahrung mit Event-Comics hat, immerhin arbeitete er zusammen mit Autor Mark Millar an Civil War. McNiven sowie seine Kollegen Daniel Acuna und Rod Reis im Ausgabe #0 meistern sowohl die Charaktermomente als auch die großen Actionszenen mit der visuellen Brillanz, die man von einem Event-Comic erwartet.

Meinung
Es ist leicht, von Marvel-Events ermüdet zu sein. In den letzten Jahren hat der Verlag den Bogen konstant überspannt und unaufhörlich neue Crossover veröffentlicht. Secret Wars, Civil War 2, Spider-Man: Die Klon-Verschwörung, Inhumans vs. X-Men, Monsters Unleashed und mehr blieben hinter ihrem Potential zurück. Secret Empire ist laut Marvel für die nähere Zukunft das letzte große Event. Und es scheint so, als hätte man diesmal wirklich etwas zu sagen. Abgesehen von großen Superhelden-Kämpfen zeigt der Auftakt zu Nick Spencers großer Story jede Menge kleine, menschliche Momente und befasst sich mit der Frage, wie sich der Faschismus durch Angst und Panik vor einer äußeren Bedrohung in eine Demokratie einschleichen kann. Sollte die Geschichte konsequent weitererzählt werden, könnte Secret Empire das beste Marvel-Event seit Jahren werden.

Info
Seiten: je 48
Preis: je ca. 5 Dollar
Autor: Nick Spencer
Zeichner: Daniel Acuna und Rod Reis (Ausgabe #0), Steve McNiven (Ausgabe #1)
Verlag: Marvel

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