HighlightNewsVideogame-ReviewVideogames

Review: Resident Evil 3

Mit dem Remake von Resident Evil 2 lieferte Capcom nicht nur eines der Highlights im letzten Jahr, sondern zeigte auch vor, wie man einen über 20 Jahre alten Horrorklassiker erfolgreich in die Gegenwart holt und einem ganzen Genre neues Leben einhaucht.

Als bekannt wurde, dass Capcom Resident Evil 3: Nemesis eine Neuauflage spendiert, war die Erwartung unter den Fans natürlich groß, auch wenn manche gehofft haben, dass Capcom vielleicht sogar Resident Evil: Code Veronica den Vorzug gibt. Denn Resident Evil 3 war schon zu seinem Release im Jahre 1999 umstritten. Während ein Teil der Fangemeinde das actionlastige Gameplay und die ständige Bedrohung durch Nemesis begrüßten, waren andere mit den Änderungen im Konzept weniger glücklich.

Der Horror nimmt seinen Lauf

Nach den unglaublichen Geschehnissen im Herrenhaus von Teil 1 breitet sich die Zombieseuche unaufhaltsam weiter aus. Jill Valentine, Mitglied der Raccoon City Police Department Spezialeinheit Stars, erwacht in ihrem Apartment. Der Ausbruch des T-Virus ist bereits in vollem Gange und die Stadt versinkt im Chaos. Als wäre das nicht schon genug, hetzt die Umbrella Corporation eine neue Biowaffe auf die noch verbliebenen Stars Mitglieder: Nemesis.

Nachdem Jill einem schrecklichen Tod durch den Mutantenkoloss Nemesis fürs Erste entkommen konnte, trifft sie auf die Mitglieder eines U.B.C.S. Platoons, deren Aufgabe es ist, Überlebende in Raccoon City zu finden und über das U-Bahn-Netz aus der Stadt zu schaffen. Hier treffen wir auch das erste Mal auf den Söldner Carlos, den zweiten spielbaren Charakter des Spiels. Doch anders als in Resident Evil 2 übernimmt der zweite Protagonist hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Hoffnung, die Ereignisse des Spiels in einem zweiten Durchlauf noch mal aus den Augen eines anderen Charakters erleben zu können, haben sich somit nicht erfüllt. Und hiermit kommen wir auch schon zum größten Kritikpunkt des Spiels.

Ein kurzer Trip

Resident Evil 3 ist ein kurzes Spiel. Im Schnitt sieht man nach rund sechs Stunden den Abspann. Obwohl schon das Original damals sehr kurz war, haben viele Fans gehofft, dass Capcom, nach der phänomenalen Neuinterpretation von RE2, mit dem Remake des dritten Teils noch einen draufsetzt und vor allem die Story respektive die Spielzeit erweitert. Man kann also durchaus sagen, dass Capcom in diesem Punkt enttäuscht hat. Der überwiegende Rest des Spiels hat uns jedoch begeistert.

Erschreckend schön

Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten. Resident Evil 3 sieht bombastisch aus. Noch nie hat Raccoon City dermaßen realistisch und lebendig ausgesehen. Messerscharfe Texturen, realistische Feuer- und Lichteffekte und eine unglaubliche Liebe zum Detail, die man sprichwörtlich an jeder Ecke findet. Änderungen gibt es auch bei den Locations des Spiels. Neben einer fantastisch aussehen Rundumerneuerungen, wurden manche Bereiche sogar erweitert, neue Abschnitte hinzugefügt und einige, wie der Abschnitte im Uhrturm, sogar gänzlich entfernt. Hier hätte Capcom auf jeden Fall mehr Spielzeit rausholen können.

Weitaus weniger lebendig, aber nicht minder beeindruckend ist der Großteil der untoten Bevölkerung, die uns im Lauf des Spiels nach dem Leben trachtet. Auch die Charaktere des Spiels, allen voran Jill, sehen fantastisch aus und übertreffen in puncto Detailgrad jene aus RE2. Realistisch wirkende Gesichtsanimationen und gelungenes Motion-Capturing begeistern auch in den Zwischensequenzen.

Neue und alte Verbündete

Natürlich gibt es auch einige alte Bekannte, aber auch neue und unerwartete Charaktere. Ein Wiedersehen feiert etwa Stars-Mitglied Brad Vickers, der im Original von RE2 als einer der ersten Zombies vor der Polizeistation umher stapfte, fehlte zwar im Remake von 2019, erhielt aber nun seinen Auftritt in RE3. Generell hat sich Capcom bemüht, einige neue Verbindungen zu den Ereignissen in RE2 herzustellen. So begebt ihr euch nicht mit Jill, sondern mit Carlos in das Raccoon City Police Department. Dank seines Maschinengewehrs spielen sich Carlos Abschnitte sogar noch einen Tick actionlastiger. Einige Dinge, die Carlos im Polizeirevier erlebt, hinterlassen sogar Spuren und haben Auswirkungen im Remake von RE2.

Im direkten Vergleich zum Original wurde natürlich auch das Gameplay überarbeitet. Wie schon im Remake zu RE2 wurde die fixe Kameraeinstellung über Bord geworfen und durch die neue Verfolger-Perspektive ersetzt. Jill ist sogar etwas agiler als ihr Kollege Leon S. Kennedy und hat nun die Fähigkeit einer nahenden Zombie-Attacke oder, noch wichtiger, einem Hieb von Nemesis auszuweichen. Habt ihr den Ausfallschritt verinnerlicht, gelingt euch das im Anschluss sogar so gut, dass ihr den meisten Attacken ausweichen könnt und selbst die Kämpfe mit Nemesis kein Problem mehr darstellen.

Survival-Horror-Action-Feuerwerk

Die zombieverseuchte Stadt verbreitet einen Horror, der kaum noch etwas mit den subtilen Elementen der beiden Vorgängern zu tun hat. In Raccoon City herrscht das Chaos und ihr seid mittendrin. Im Prinzip hetzt man von einer brenzligen Situation in die Nächste, sieht sich ständig nach dem nächsten Untoten um oder horcht gebannt in die Dunkelheit. RE3 gleicht somit einer wahren Achterbahnfahrt des Grauens und jeder ruhige Moment wird dankbar ausgekostet.

Die zugrunde liegende RE-Formel findet sich auch in RE3 wieder. Nach wie vor gilt es, die Gegend zu durchsuchen, diverse Gegenstände einzusammeln und bei Bedarf zu verwenden. Gespeichert wird an den bekannten Schreibmaschinen, auch diesmal benötigt ihr die entsprechenden Farbbänder nur im höchsten Schwierigkeitsgrad. Das Inventar ist, zumindest zu Beginn, wieder recht knapp und mit der Munition muss man haushalten – allerdings weitaus weniger als in RE2. Hier hat Capcom das System offenbar etwas aufgelockert. In unserem Test gab es nie eine Situation, wo wir mit leeren Magazinen dastanden.

Das Grauen hat einen Namen

Auch das Nemesis-System wurde überarbeitet. Seine Auftritte sind nun weitaus berechenbarer als im Original, da sie jetzt viel stärker geskriptet sind. Gerade zu Beginn unseres Tests geriet Nemesis sogar fast in Vergessenheit, da er über einen längeren Zeitraum dem Geschehen fernblieb. Wenn Nemesis im Remake erscheint, dann meistens mit ordentlich Wumms. Seine Auftritte sind stets spektakulär und treiben euch garantiert den Angstschweiß auf die Stirn. Auch wenn Nemesis in puncto Unberechenbarkeit etwas hinter Mr. X aus RE2 zurückfällt, werdet ihr ihn dennoch verfluchen. Spätestens wenn er euch mit seinen Tentakeln zum wiederholten Mal die Beine wegzieht oder plötzlich mit einem großen Sprung vor euch landet. Die Bosskämpfe, die ihr gegen Nemesis bewältigen müsst, sind toll inszeniert und haben uns besonders gut gefallen. Denkt daran, hierfür Jills Ausfallschritt zu trainieren.

Resident Evil Resistance

Der Mercenary-Modus aus dem Original hat es nicht ins Spiel geschafft. Das beigepackte asymmetrische Multiplayerspiel Resident Evil: Resistance wird noch ausgiebig von uns getestet. Ein Review hierzu werden wir zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Unser Ersteindruck von Resident Evil: Resistance ist eher durchwachsen. Vor allem auftretende Lags und das Balancing zwischen dem Mastermind und den Überlebenden scheinen noch verbesserungswürdig.

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

Horror-Achterbahn

Ja, Resident Evil 3 ist ein kurzes Spiel. Und obwohl schon das Original ein eher kurzes Vergnügen war, hatte ich gehofft, dass Capcom dem Remake etwas mehr Spielzeit spendiert. Dennoch hatte ich großen Spaß - dank der phänomenalen Grafik, die durch Capcoms RE-Engine jene des Vorgängers nochmals übertrifft, dem stimmungsvollen und angsteinflößenden Sounddesign, der gelungenen Atmosphäre und der sehr großen Liebe zum Detail. Raccoon City und seine untoten Bewohner erstrahlen in neuem Glanz und die zahlreichen Eastereggs und Anspielungen machen aus dem Remake ein Muss für jeden Fan der Serie. Die Begegnungen mit Nemesis sind spektakulär und haarsträubend in Szene gesetzt und unterm Strich liefern die Entwickler ein technisch und atmosphärische eindrucksvolles, wenn auch kurzes Spielvergnügen ab, das vor allem ein Gefühl in mir hervorruft: die Lust auf mehr! Code Veronica kann kommen!

Genre: Survival-Horror
Entwickler: Capcom
System: PS4, Xbox One, PC
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 60 Euro

Jetzt bestellen und SHOCK2 direkt unterstützen!

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"