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Review: Pokémon Sonne & Mond

Alola!
Alola ist mehr als nur der Name der neuen Region in Pokémon Sonne und Pokémon Mond. Alola ist ein Gruß und ein Lebensgefühl zugleich. Es begrüßt neue und alte Spieler der Reihe mit einigen Neuerungen, ohne dabei die alten Fans vor den Kopf zu stoßen.

Update: Nach ungefähr 30 Stunden Spielzeit bleibt der erste Eindruck bestehen. Neue Elemente bringen frischen Wind in die Serie, ohne sie auf den Kopf zu stellen. Die Handlung stört manchmal den Spielfluss und kann nicht wirklich mit interessanten Charakteren aufwarten, dafür ermöglicht sie einige erinnerungswürdige Momente und tolle Zwischensequenzen, die es so noch nie in Pokémon gegeben hat. Der Schwierigkeitsgrad bleibt auf einem niedrigen Niveau mit Ausnahmen der Herrscher-Kämpfe, die zumindest ein klein wenig Strategie benötigen. Etwas mehr können die Entwicklern den Spielern aber schon zumuten. Wer sich nach größeren Herausforderungen sehnt, kann sich nach dem Durchspielen gegen stärkere Trainer beim sogenannten Kampfbaum messen. Online funktioniert seit dem Launch, das Tauschen und Kämpfen mit anderen Spielern funktioniert problemlos.

Alola ist bunt, warmherzig und mit seinen vier Inseln voller Bergen, Dschungeln und Gärten abwechslungsreich. Zu welcher Tageszeit ihr euch hauptsächlich durch Alola bewegt, entscheidet eure gekaufte Edition. Das Spiel läuft in Echtzeit ab, für Pokémon Mond wurde diese aber einfach 12 Stunden nach vorne gesetzt. Soll heißen, wenn draußen die Sonne scheint, herrscht in Pokémon Mond tiefe Nacht. Klingt erst mal sehr gewöhnungsbedürftig, nach kurzer Zeit fällt es aber kaum noch auf. Andere Unterschiede zwischen den Editionen sind in erster Linie die Pokémon. Wer seinen Pokédex komplett füllen möchte, muss sich also mit Spielern der jeweils anderen Edition lokal oder über das Internet verbinden, um zu tauschen.

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Als Neuankömmling in Alola werdet ihr schnell mit den Eigenheiten der neuen Region vertraut gemacht. Es gibt keine Arenen und Orden, keine Liga und keine Top Vier. Stattdessen begeben sich junge Trainer auf die sogenannte Inselwanderschaft. Hier gilt es Prüfungen zu bestehen, und die vier Inselkönige zu besiegen. Prüfungen laufen dabei ungefähr wie Arenen aus den früheren Teilen ab. In einem abgesteckten Bereich muss eine Herausforderung gemeistert werden, ein Wächter-Pokémon erscheint und der prüfende Captain muss besiegt werden. Die Art der Prüfung kann aber durchaus überraschen. Während einer Prüfung z.B. muss man in einem Quiz Soundeffekte im Spiel wiedererkennen. Wirklich schwierig sind diese Prüfungen nicht, doch lockern sie den altbekannten Rhythmus des Kämpfens und Sammelns auf, was dem Spiel gut tut. Fürs Bestehen der Prüfung gibt es keinen Orden mehr, sondern einen Z-Kristall. Diese erlauben das Trainieren von stärkeren Pokémon, dienen aber auch als Katalysator für die neuen Z-Attacken. Diese sind die stärksten Attacken des Spiels, die mit einem eigenen Tanz aktiviert und mit derart cineastischen Animationen präsentiert werden, dass sie auch aus einem Final Fantasy-Spiel stammen könnten. Z-Kristalle erinnern natürlich an die Mega-Evolutionen aus den vorherigen zwei Teilen, doch sind die Z-Attacken dynamischer. Jedes Pokémon kann einen Z-Kristall tragen und für jeden Typ von Attacke gibt es einen Kristall. Nach Bestehen der Elektro-Prüfung erhält man den Z-Kristall des Typs Elektro, mit dem sich eine Elektro-Attacke Pikachus in ein Blitz-Feuerwerk verwandelt. Eine Z-Attacke kann nur ein Mal pro Kampf eingesetzt werden. Mit jedem neuen Kristall füllt sich also das Repertoire an Z-Attacken, eine aufregende und gelungene Neuerung.

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Nicht nur die Z-Attacken sind cineastisch, das ganze Spiel versucht etwas mehr in Richtung RPG-Epos zu steuern, was aber nicht immer gelingt. Willkommen ist die Veränderung der Anatomie der Charaktere. Vorbei die Zeiten der “Chibi”-Proportionen, die Charaktere wie Schlümpfe mit gigantischen Köpfen aussehen ließen. Auch neue Kameraeinstellungen, -fahrten und Zwischensequenzen vermitteln das Gefühl eines Pokémon-Filmes recht ordentlich auf der alten Hardware des 3DS. Eine Synchronisation hat es aber immer noch nicht ins Spiel geschafft und die Grafik ist nun mal 3DS-Grafik. Die 3D-Modelle sehen gut aus, leiden aber an der verpixelten Auflösung des Handhelds. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich unter dem Pixelmatsch eine hervorragende Grafik versteckt, die wohl erst auf neuer Hardware richtig zum Vorschein kommen kann. Der neue cineastische Anspruch eckt aber auch an der Handlung und Charaktere an. Im Mittelpunkt steht das Geheimnis um ein kleines Pokémon in der Tasche des mysteriösen Mädchens Lilly, das euch auf der Inselwanderschaft begleitet. Bis zu dem Zeitpunkt, auf den dieser Bericht basiert, tritt die Handlung nach einem guten Start aber etwas auf die Stelle. Gute Ansätze gibt es aber genug. Die Charaktere sind allesamt bunt und auf ihre eigene Art und Weise charmant. Team Skull, die Bösewichte, strotzen nur so von Selbstbewusstsein und sind mit ihren ulkigen Bewegungen mitsamt eigener Musik immer ein Highlight. Durch die Prüfungen, die Wächter-Pokémon und die mysteriösen Ultrabestien erscheint die Handlung auch abwechslungsreicher, als in den Vorgängern.

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Abseits der Handlung und der neuen Region haben die Entwickler ein paar nervige Ungereimtheiten glattgebügelt. Mit PokéMobil gehören VMs wie Fliegen und Schwimmen der Vergangenheit an. Statt Pokémon diese Attacken aufzuzwingen, können nun einfach spezielle Pokémon über PokéMobill gerufen werden. Wer z. B. auf eine andere Insel oder eine andere Stadt fliegen möchte, kann einfach Glurak rufen und sofort hinfliegen. Man muss Glurak nicht erst fangen und die Attacke Fliegen beibringen. Mit Tauros lassen sich Felsen sprengen, mit Lapras Wasser überqueren und so weiter. Eine willkommene Verbesserung. Auch gibt es keine VMs mehr. Ein Schritt, der schon lange nötig war.
Neu ist auch der Pokédex. Diesmal steckt nämlich ein Pokémon im Gehäuse. Eine Karte auf dem unteren Bildschirm zeigt stets, wo man als Nächstes hin muss, sich zu verlaufen ist kaum möglich. Wirklich viel außer ein paar Items gibt es abseits der Hauptroute aber eh nicht zu entdecken. Der Pokédex ist in die vier Inseln aufgeteilt, was bei der Jagd nach allen Pokémon sehr hilft. Hier hilft auch die neue QR-Funktion. Mit dieser lassen sich noch nicht gefangene Pokémon speichern, was ihr Habitat auf der Karte markiert. Generell sind alle Menüs übersichtlich und durchdacht. Bei einem Rollenspiel wie Pokémon durchaus wichtig.
Mit dem Battle Royale treffen vier Trainer aufeinander, jeder gegen jeden. Welche neuen Strategien das ermöglicht, muss der Multiplayer zeigen.

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PokémonAmi heißt jetzt PokéPause. Wieder lassen sich Pokémon mittels Touchscreen streicheln und mit Bohnen füttern. Diese spielen auch im neuen Pokémon-Resort eine große Rolle. Hier baut man ein Resort für Pokémon auf, das aus mehreren Inseln besteht. Jede Insel dient hierbei einer anderen Aktivität. Auf der Beeren-Insel werden Beeren, die verschiedene Boni während eines Kampfes gewähren, angebaut. Auf der Abenteuer-Insel suchen die Pokémon nach Schätzen in einer Höhle. Die Wohlfühl-Insel ist die zentrale Insel, da diese Pokébohnen abwirft, mit denen sich  jede Aktivität bezahlen lassen. Der Clou hierbei nämlich: Es gibt Timer für die Aktivitäten. Die Pokémon auf der Abenteuer-Insel brauchen 24 reale Stunden, um mit einem Schatz wiederzukehren. Verwendet man allerdings seltene Bohnen als Motivationsmittel, finden sie den Schatz schneller. Das Ganze erreicht natürlich nicht die spielerische Tiefe einer Management-Simulation, und doch überrascht es, diese modernen Mechaniken aus Smartphone-Spielen in Pokémon zu sehen.
Die dritte Nebenaktivität im Bunde ist die Festival-Plaza. Hier gilt es ein eigenes Festival mithilfe von Gästen aufzubauen, die sowohl Lokal auch als Online einen Besuch abstatten können. Auch hier fühlt man sich stark an viele gängige Smartphone-Spiele erinnert. Es gilt, Punkte zu sammeln und neue Buden aufzubauen, um das Festival nach und nach zu vergrößern. Buden bringen seltene Items und auch globale Events mit anderen Spielern über das Internet versprechen besondere Preise. Klingt alles interessant, ohne Online-Funktion war das Testen aber natürlich nicht möglich.

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Bei all den Neuerungen fallen gerade die alten Elemente besonders deutlich auf. Pokémon-Spiele ähneln sich im Kern seit der ersten Generation mit Rot, Blau und Grün. Dieser typische Rhythmus aus Kämpfen, Fangen, Orden holen, Kämpfen, Fangen ist auch hier wieder deutlich zu spüren, auch wenn er gekonnt mit neuen Einlagen, wie eingestreute Handlung oder den Prüfungen, unterbrochen wird. Dieser Rhythmus ist immer noch der Schlüssel zur Frage, ob einem Pokémon gefällt oder nicht. Grinden wie in vielen anderen Rollenspielen ist überhaupt nicht notwendig und schwer ist das Spiel ohnehin nicht, doch findet Pokémon andere Mittel und Wege, um zu frustrieren. Zufallskämpfe sind altmodisch und mittlerweile kaum noch in Spielen vertreten, zum Glück. Bei Pokémon muss man aber immer noch hoffen, zufällig auf das gewünschte Taschenmonster im hohen Gras zu treten. Das in die Jahre gekommene Kampfsystem ist immer noch starr und überladen mit Beeren, Items wie X-Tempo und X-Angriff, vielen verschiedenen Pokémon-Typen und einer Liste an Wechselwirkungen, die mittlerweile weitaus komplizierter sind als Feuer schlägt Gras, Gras schlägt Wasser und Wasser schlägt Feuer. Immerhin bietet das Menü hierfür Hilfestellung und so wird es recht schnell klar, welche Attacke gegen welches Pokémon besonders effektiv ist. Auch das eigentliche Fangen kann aber zur Geduldsprobe werden. Ebenfalls neu ist nämlich die Fähigkeit der wilden Pokémon, Mitstreiter zu rufen. Das ist beim ersten Mal recht aufregend, kann aber schnell zu Frust führen. Sind mehr als ein wildes Pokémon auf dem Schlachtfeld, lässt sich nämlich kein Pokéball mehr werfen. Das mag vielleicht in der Welt der Pokémon aus irgendeinem Grund Sinn ergeben, den Spielspaß fördert es aber nicht gerade. Auch beim Anblick der gefühlt zwei Dutzend Pokébälle wie Netzbälle, Tauchbälle, Timerbälle, Finsterbälle, Luxusbälle und viele andere Bälle muss man sich die Frage stellen, ob Pokémon es nicht übertreibt und sich vielleicht auf die eigenen Wurzeln mit einem Reboot besinnen sollte. Allerdings darf man auch nicht außer Acht lassen, dass eine große Fangemeinde gerade diese Spieltiefe so sehr schätzt und eine Vereinfachung der professionellen Pokémon-Community wohl eher schaden als helfen könnte.

Alola! Alola ist mehr als nur der Name der neuen Region in Pokémon Sonne und Pokémon Mond. Alola ist ein Gruß und ein Lebensgefühl zugleich. Es begrüßt neue und alte Spieler der Reihe mit einigen Neuerungen, ohne dabei die alten Fans vor den Kopf zu stoßen. Update: Nach ungefähr 30 Stunden Spielzeit bleibt der erste Eindruck bestehen. Neue Elemente bringen frischen Wind in die Serie, ohne sie auf den Kopf zu stellen. Die Handlung stört manchmal den Spielfluss und kann nicht wirklich mit interessanten Charakteren aufwarten, dafür ermöglicht sie einige erinnerungswürdige Momente und tolle Zwischensequenzen, die es so noch nie…

Review Overview

Wertung - 8

8

Summary : Pokémon Sonne und Mond versuchen wirklich viel Neues, ohne dabei den Kern der Serie zu verändern. Der motivierende Sammelwahn setzt auch hier nach den ersten Fängen ein und die neue cineastische Präsentation macht das Abenteuer in der Alola-Region mehr denn je zum spielbaren Pokémon-Film. Arenen und Orden werden mit den besseren Prüfungen und Z-Kristallen ersetzt, die mehr Dynamik in die Handlung und das Kampfsystem bringen. Die neuen Pokémon sind kreativ und die Alola-Formen fangen die farbenfrohe Stimmung Alolas gut ein. Bei all den Neuerungen, ist der Kern aber immer noch gleich geblieben. Wie damals vor 20 Jahren. Das ist durchaus kritikwürdig und es ist schade, dass ein Pokémon-Spiel mit einem großen Willen zu Veränderung sich immer noch davor scheut, den Kern des Spiels zu modernisieren. Vielleicht ist es aber genau das, was viele, besonders in der heutigen Zeit, mit Pokémon suchen. Eine wohltuende Reise in eine einfachere Vergangenheit, im neuen Antlitz.

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Genre: Rollenspiel
System:
 N3DS
Entwickler: Game Freak
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 50 Euro

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