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Review: Ori and the Blind Forest: Definitive Edition

Als große Indie-Darling 2015 gefeiert, ist Ori and the Bild Forest nun auch als Definitive Edition mit zusätzlichen Inhalten für Xbox One und PC erhältlich. Zu diesem Anlass haben wir unser Review vom März 2015 mit Eindrücken aus der Neuveröffentlichung ergänzt.

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Bezaubernder Einstieg
Das fängt schon mit der Geschichte an. Werden in anderen Games Prinzessinnen entführt, Dörfer niedergebrannt oder einfach mal die ganze Welt bedroht, ohne euch jedoch wirklich diese Bedrohung fühlen zu lassen, so versteht es Ori and the Bild Forest geschickt, in einem zum großen Teil spielbaren Intro euch nicht nur den Hintergrund des Spiels näher zu bringen, sondern auch emotional richtig zu packen. Einen ähnlichen Effekt kennt man eigentlich nur von Animationsfilmen aus dem Hause Disney oder dem japanischen Studio Ghibli. Nach den dramatischen Ereignissen, die aus dem einstigen Findelkind praktisch zum zweiten Mal eine Waise machen, macht sich das kleine Lichtwesen Ori auf, um den im Sterben liegenden Wald von Nibel zu retten. Nur wenn die mächtigen Baumgeister wieder zu alter Stärke finden, besteht Hoffnung.

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Metroidvania
Genretypisch verliert ihr am Anfang alles und startet in das Abenteuer, in dessen Verlauf ihr immer neue Kräfte und Fähigkeiten erhalten werdet. So lernt ihr schon in den ersten Spielstunden eine Attacke und den Doppelsprung, die das Leben als Lichtwesen sehr erleichtern. Zusätzlich gibt es drei Skillbäume, die passive Boni wie mehr Schaden oder weniger Energieverbrauch bei Spezialattacken gewähren. Hier könnt ihr selbst bestimmen, in welche Fertigkeiten ihr eure eingesammelten Energiepunkte investiert. Auch sind alle Auswahlmöglichkeiten von Anfang an sichtbar, damit der klugen Vorausplanung nichts im Wege steht. Die nach und nach erlernten neuen Fähigkeiten erlauben es euch, auch in bereits bereisten Gebieten neue Pfade zu beschreiten und Geheimräume zu entdecken.

Herausforderungen
Die Boni und Fähigkeiten sind auch dringend nötig, denn Ori and the Blind Forest verlangt euch viel ab. Statt einem langsamen und auf die Geschichte fokussierten Spiel erwartet euch ein Metroidvania-Abenteuer, das präzises Timing und Durchhaltevermögen erfordert. Das geht so weit, dass manche Passagen nur nach dem Trial-and-Error-Prinzip schaffbar sind, was manche Spieler frustrieren könnte. Darüber hinaus fühlt sich aber jeder der zahlreichen Tode, die ihr ohne Zweifel sterben werdet, fair an. Niemals hat man das Gefühl, dass der Bildschirmtod die Schuld des Spiels ist. Dafür verantwortlich sind die perfekt ausbalancierten Plattforming-Rätsel, die ohne die ebenfalls perfekte pixelgenaue Steuerung nicht funktionieren würden. Statt Bossmonstern gibt es immer wieder besonders schwierige und stressige Plattforming-Sequenzen, bei denen jeder falsche Tritt oder Sprung zum Tod führt. Raffiniert gelöst wurde auch das Speichersystem, so könnt ihr praktisch immer und überall speichern und so manchen Frustmoment entschärfen. Allerdings geht dies nur, wenn ihr genug Lichtenergie besitzt. Diese wird auch für besondere Attacken benötigt und ist nur begrenzt verfügbar. Die strategische Nutzung ist also absolut zu empfehlen, wobei regelmäßiges Speichern auf jeden Fall gut für euren Blutdruck ist.

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Bildschön
Wenn ihr einmal nicht von Gegnern oder Fallen durch die Gegend gehetzt werdet, könnt ihr euch in den malerischen Landschaften des Spiels verlieren. Die Spielwelt kann ohne Ladezeiten durchquert werden und ist nicht wie bei manchen 2D-Spielen üblich aus fertigen, sich wiederholenden Elementen zusammenbebaut, sondern komplett per Hand gestaltet. Die Levelgrenzen wirken nicht wie von einem Spieldesigner platziert, sondern tatsächlich wie die natürliche Umgebung innerhalb eines Waldes mit umgestürzten Baumstämmen, Felsen und mehr. Dazu kommen ein durch zahlreiche Hintergrundebenen großartig gelungener Tiefeneindruck und die herausragende Charakteranimation. Ori and the Blind Forest läuft dazu noch mit einer Auflösung von 1080p bei 60fps, was das Spielerlebnis gleichzeitig scharf und flüssig macht. Leider kommt es bei der Xbox One-Version vereinzelt zu leichten Einbrüchen der Framerate, was das großartige Gesamtbild jedoch kaum stört.

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Tolle Klänge
Mindestens genauso beeindruckend wie die Grafik ist auch die Soundkulisse des Spiels. Dabei harmoniert die phänomenale und atmosphärische Musik mit den knackigen Soundeffekten und dem Erzähler, der wichtige neue Abschnitte oder Ereignisse in einer untertitelten Fantasiesprache kommentiert. Komponist Gareth Coker arbeitete am orchestralen Soundtrack des Spiels in den renommierten Nashville Music Recording Studios und mit der Sängerin Aeralie Brighton – das Ergebnis ist ein immens wichtiger Bestandteil für das Gesamterlebnis.

Die „Definitive Edition“
Die ein Jahr nach dem Grundspiel veröffentlichte Definitive Edition enthält sowohl neue Inhalte als auch sinnvolle Features, mit denen sich die Erkundung des Waldes von Nibel komfortabler gestaltet. War man in der Originalfassung nach dem Finale „ausgesperrt“ und konnte nicht mehr zurück, um die verbleibenden Geheimnisse zu erkunden, wurde nun volle Backtracking-Unterstützung implementiert. Zudem gibt es nun auch Schnellreisepunkte und neue Schwierigkeitsgrade: „Leicht“ und „Ein Leben“. Besonders interessant sind zwei neue Umgebungen, in denen die Vergangenheit der Mutterfigur Naru erkundet werden kann, und die Fähigkeiten Sprint und Lichtstrahl. Diese Inhalte sind schon früh im Spiel verfügbar und gestalten einen erneuten Durchgang abwechslungsreicher.

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Review Overview

Wertung - 9.5

9.5

Ein Meisterwerk!

Ori and the Blind Forest ist eine Offenbarung. Die Steuerung ist perfekt, der Schwierigkeitsgrad fordernd aber nicht unfair, die Musik atmosphärisch, die Story großartig erzählt und die Optik so ziemlich das Beste, was man in den letzten Jahren im 2D-Segment gesehen hat. Es mangelt beinahe an Superlativen, um die herausragende Qualität des Spiels zu beschreiben. Was hier ein vergleichsweise winziges Entwicklerteam geschaffen hat, kann sich problemlos mit Spielen messen, die von Studios mit Hunderten Mitarbeitern aus dem AAA-Sektor abgeliefert werden.

Genre: Metroidvania, Plattformer, Jump ’n Run
Entwickler: Moon Studios
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 20 Euro
System: Xbox One, PC

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