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Life is Strange: Before the Storm

Review: Life is Strange: Before the Storm Episode 1: Awake

Als ich die finale Entscheidung im fünften Teil von Dontnod Entertainments Episoden-Adventure Life is Strange fällen musste, zögerte ich. Ich wusste sofort, wie das Urteil lauten würde, brachte es aber mehrere Minuten lang nicht übers Herz, das Ende mit einem Tastendruck zu besiegeln. Zu sehr waren mir die Bewohner von Arcadia Bay ans Herz gewachsen. Insbesondere natürlich die mit Zeitreisekräften ausgestattete Max Caulfied und ihre rebellische Freundin Chloe Price. Alle Entscheidungen, Beziehungen und Dialogoptionen führten mich zu diesem gleichzeitig schönen, traurigen und ergreifenden Moment. Doch gerade weil ich die erste Staffel so sehr ins Herz geschlossen habe, will ich keine Fortsetzung, die diese finale Entscheidung schmälern könnte.

Während Dontnod an einer zweiten Staffel mit einer neuen Handlung und frischen Charakteren arbeitet, schiebt Publisher Square Enix eine dreiteilige Prequel-Staffel mit dem Titel Life is Strange: Before the Storm hinterher. Die von Deck Nine entwickelten Episoden spielen drei Jahre vor Max‘ Rückkehr nach Arcadia Bay und zeigen, wie Chloe auf Rachel Amber trifft.

Life is Strange: Before the Storm

Handicap

Im direkten Vergleich mit dem Originalspiel befindet sich Before the Storm in einer benachteiligten Position. Chloe tritt statt Max als spielbarer Charakter auf, wodurch die Fähigkeit, die Zeit zurückzudrehen, außen vorbleibt. Gerade die Möglichkeit, kurzfristige Konsequenzen mehrerer Entscheidungsoptionen abzuwägen, hob Life is Strange weit über das Niveau von Telltale-Spielen. Noch dazu sind die finalen Schicksale von Chloe und Amber bereits bekannt. Alles scheint auf den Status quo hinauszulaufen, den wir zum Start von Life is Strange vorfinden.

Rebellin

Rachel Amber spielt eine wichtige Rolle in Life is Strange, trat dort aber nie tatsächlich in Erscheinung. Das ändert sich mit Before the Storm. Statt übernatürlicher Elemente befasst sich die erste Episode mit Chloes Alltag. Sie ist nicht über den Tod ihres Vaters hinweggekommen und flüchtet sich in die Rolle einer Rebellin. Drogen, nächtliche Ausflüge zu Rockkonzerten, Hass auf den neuen Freund ihrer Mutter. In diesen Strudel negativer Impulse tritt Rachel Amber, scheinbar perfekt und beliebt an der Blackwood Academy. In diesem ersten Teil wird die Grundlage für die Freundschaft (oder sogar mehr) zwischen den beiden Teenagern gelegt. Allerdings wirken einige Szenen sehr forciert und wenig subtil. Hier wäre ein längerer Aufbau schön gewesen.

Life is Strange: Before the Storm

Magische Momente

Obwohl zunächst viele Interaktionen das Fundament für die nächsten beiden Episoden legen und sich oft auf den Wiedererkennungsfaktor bereits bekannter Figuren und Orte verlassen, schafft das Team von Deck Nine doch einige magische Momente. Wenn Chloe mit ihren Mitschülern etwa in einem Pen-and-Paper-Rollenspiel inklusive Entscheidungen einen Ork bezwingt, kommt das besondere Etwas zum Vorschein, das die Reihe ausmacht.

Weniger aufregend ist das neue Talkback-Feature, ein Quasi-Ersatz für Max‘ Zeitreise-Begabung. Chloe muss ihr Gegenüber in manchen Gesprächen überrumpeln. Das wird durch die Auswahl von Gesprächsoptionen bewerkstelligt, mit denen man die Worte des Gegners an ihn zurückwirft. In der Praxis entstehen dadurch allerdings nur brachiale Gespräche, die keine Spur von Subtext oder nuancierten Optionen aufweisen.

Life is Strange: Before the Storm

Sanfte Klänge und Sprecherwechsel

Für die Musik ist die englische Indie-Folk-Band Daughter verantwortlich. Melancholische Klänge begleiten die oft wehmütigen Szenen nach typischer Life is Strange-Art. Die Musik hält sich oft im Hintergrund, abgesehen von einer Szene auf einem Rockkonzert, und unterstützt die Stimmung perfekt. Die größte Enttäuschung ist die Stimme von Chloe Price. Die Sprecherin macht ihre Arbeit gut, reicht aber nicht an Ashly Burch aus dem Originalspiel heran. Diese konnte aufgrund eines Streiks nicht verpflichtet werden.

Als ich die finale Entscheidung im fünften Teil von Dontnod Entertainments Episoden-Adventure Life is Strange fällen musste, zögerte ich. Ich wusste sofort, wie das Urteil lauten würde, brachte es aber mehrere Minuten lang nicht übers Herz, das Ende mit einem Tastendruck zu besiegeln. Zu sehr waren mir die Bewohner von Arcadia Bay ans Herz gewachsen. Insbesondere natürlich die mit Zeitreisekräften ausgestattete Max Caulfied und ihre rebellische Freundin Chloe Price. Alle Entscheidungen, Beziehungen und Dialogoptionen führten mich zu diesem gleichzeitig schönen, traurigen und ergreifenden Moment. Doch gerade weil ich die erste Staffel so sehr ins Herz geschlossen habe, will ich keine…

Review Overview

Wertung - 7.5

7.5

Guter Start mit Luft nach oben

Summary : (Noch?) keine übernatürlichen Fähigkeiten, das eher maue Backtalk-Feature und die allgemein weniger subtilen Dialoge halten Before the Storm unter dem Niveau des Originals. Die zentralen Themen Freundschaft, Liebe, Verlust, Schmerz und die Probleme des Erwachsenwerdens sorgen allerdings trotzdem für eine starke emotionale Resonanz. Die Geschichte von Chloe und Rachel Amber mag sich auf die bereits bestehende Kenntnis der Charaktere und Arcadia Bay stützen, was mich aber nicht daran hindert, den beiden die Daumen zu drücken. Und das, obwohl ich bereits weiß, was die Zukunft bereithält.

User Rating: 4.63 ( 2 votes)

Genre: Adventure
Entwickler: Deck Nine
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 6 Euro (Komplette Staffel: ca 17 Euro)
System: PS4, Xbox One, PC

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