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Kingsman: The Golden Circle

Review: Kingsman: The Golden Circle

So buchkonform Daniel Craigs James Bond-Version seit Casino Royale auch sein mag, fehlte dennoch vielen der alte, von irrwitzigen Gadgets nur so eingedeckte Bond, der noch mit Raketen aus seiner Zigarre schoss, mit seinem gepanzerten Aston Martin durch die Wand brach und sich anschließend lediglich kurz die Krawatte richtete. Für diese und viele andere kam Kingsman: The Secret Service 2015 mit seiner abgedrehten „Over the Top“-Story, Dutzenden in das klassische Arsenal eines britischen Gentleman eingebauten technischen Spielereien und den aberwitzigen Bösewichten genau richtig, weswegen der Film auch weltweit einschlug wie ein explodierender Kugelschreiber.

Kingsman: The Golden Circle

Das muss alles wieder rein! Danach schauen wir weiter.

Dementsprechend ließ natürlich auch ein Nachfolger nicht lange auf sich warten, hatte aber nun keine von Mark Miller geschriebene Comicvorlage mehr und stattdessen in eine relativ schwere Ausgangssituation einzusteigen. Wer den ersten Teil gesehen hat, wird schon alleine an dem Cast einige seltsame Ungereimtheiten erkennen, auf die wir hier nicht genauer eingehen werden. Statt die Ereignisse des ersten Teils einfach mit irgendeiner irrwitzigen Ausrede in der Vergangenheit zu lassen, entschied sich Regisseur und Drehbuchautor Matthew Vaughn (Kick-Ass, X-Men: Days of Future Past, Snatch) nämlich, lieber mit viel Enthusiasmus wirklich alle losen Enden des Vorgängers wieder aufzugreifen. Das gelingt nur bedingt und führt leider zu einer gewissen Überladenheit. Denn Kingsman: The Golden Circle hat sehr wohl auch eine ganz eigene Geschichte zu erzählen und diese ist glücklicherweise fantastisch.

Kingsman: The Golden Circle

Give a girl the right shoes, and she can conquer the world.

So dreht sich alles um die neue Widersacherin Poppy Adams, die großartig verkörpert von Julian Moore, das größte Drogenkartell der Welt anführt, selbst aber aussieht wie eine brave Hausfrau aus den 50er Jahren. Spätestens wenn sie dann aber in ihrem, einem amerikanischen Diner nachempfundenen Hauptquartier Menschen an ihre beiden wie aus einer Retro-Zukunftsvision entsprungen wirkenden Roboterhunden verfüttert, weiß man aber: Mit Poppy ist nicht zu spaßen. Das Ganze stellt sich als eine Nummer zu groß für die Kingsman alleine heraus, weswegen diese Hilfe bei ihren amerikanischen Kollegen ansuchen: den Statesmen.

Kingsman: The Golden Circle

Howdy milady, can i interest you in a cold one and a ride in my backseat?

Die Statesmen selbst präsentieren sich dann genauso wie man sich das in einer Whiskydistillerie in Kentucky versteckte amerikanische Äquivalent der Kingsman vorstellt. Mit ihren Laser-Lassos, doppelten Revolvern und klassischem Südstaaten-Flair versprühen die Statesmen nämlich mit Leichtigkeit genug Charme, um eigentlich ihren eigenen Film verdient zu haben. Vorläufig retten sie in The Golden Circle aber lieber den Kingsman den Hintern und weiterführend auch den Film.

Kingsman: The Golden Circle

Fame attracts lunatics.

Denn obwohl fulminante Action mit irrwitzigen Kamerafahrten und Dialogen sowie jeder Menge großartig absurder Gadgets von der ersten Minute an nicht zu kurz kommen, tun sich Aufgrund der Verworrenheit mit all den wieder aufgegriffenen Storyfetzen des ersten Teils zwischenzeitlich Längen auf, die in seinerzeit noch mit der Lupe gesucht werden mussten. Zumindest konnte wieder überraschend ein absoluter Superstar für den Film gewonnen werden, der sich diesmal sogar einfach selbst spielt.

So buchkonform Daniel Craigs James Bond-Version seit Casino Royale auch sein mag, fehlte dennoch vielen der alte, von irrwitzigen Gadgets nur so eingedeckte Bond, der noch mit Raketen aus seiner Zigarre schoss, mit seinem gepanzerten Aston Martin durch die Wand brach und sich anschließend lediglich kurz die Krawatte richtete. Für diese und viele andere kam Kingsman: The Secret Service 2015 mit seiner abgedrehten „Over the Top“-Story, Dutzenden in das klassische Arsenal eines britischen Gentleman eingebauten technischen Spielereien und den aberwitzigen Bösewichten genau richtig, weswegen der Film auch weltweit einschlug wie ein explodierender Kugelschreiber. Das muss alles wieder rein! Danach schauen…

Review Overview

Wertung: - 7.5

7.5

Kingsman: The Missing Seperation

Summary : Vor dem Release, erwähnte Regisseur Matthew Vaughn mehrmals, dass die Geschichte eigentlich zu lang für einen einzelnen Film sei. Letztendlich wurde die etwa drei Stunden und 40 Minuten lange ursprüngliche Fassung auf knapp zweieinhalb Stunden zusammengefasst, was Kingsman: The Golden Circle leider durchwegs einen komplett überladen wirkenden Beigeschmack gegeben hat. Auch wird die „könnt ihr euch noch erinnern, als im ersten Teil das und das war“-Keule ein wenig zu häufig geschwungen. Trotzdem bleibt die Story aber so wahnwitzig und brutal wie eh und je, Widersacherin Poppy übertrumpft an Irrsinn sogar ihren Vorgänger, die Actionsequenzen suchen alleine schon wegen der Qualität ihrer Aufnahmen in dem Genre ihresgleichen und die Statesman sind genauso genial wie man sie sich vorgestellt hat. Für den klar angedeuteten dritten Teil ist nun außerdem wenigstens eine deutlich leichter aufgreifbarere Basis geschaffen.

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Kingsman: The Golden Circle (2017)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Matthew Vaughn, Jane Goldman
Mit: Julianne Moore, Taron Egerton, Halle Berry
Mark Strong, Channing Tatum, Jeff Bridges
Länge: 134 Minuten
Kinostart: 20.09.2017