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Review: Iron Harvest

Die große RTS-Hoffnung im SHOCK2-Test!

Abseits der Remaster von Genregrößen wie Age of Empires II oder zuletzt auch Command & Conquer haben Fans von Echtzeit-Strategiespielen in den letzten Jahren nicht gerade die große Welle an Nachschub bekommen. Wollte man auch eine tolle Kampagne erleben, so griff man schnell zu StarCraft II … Moment, das erschien ja auch schon vor zehn Jahren! Das Bremer Entwicklerstudio King Art konnte schon mit Battle Worlds: Kronos das gute alte Battle Isle zumindest geistig fortsetzen, mit Iron Harvest will man nun zeigen, wie eine moderne RTS-Storykampagne auszusehen hat.

Alterative Historie 1920

Bei der Handlung geht King Art einen Weg, den auch schon viele große Science Fiction-Autoren gegangen sind. In den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt, müsste es eigentlich eine goldene Epoche zwischen den beiden Weltkriegen geben … müsste! Auch in der alternativen Zeitlinie von Iron Harvest wurde der erste Weltkrieg geführt, allerdings mit von Diesel und Kohle angetrieben Kampfgehern und ähnlichen bemannten Maschinen. Zwar ging der Krieg wie in der Realität für die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn verloren. Doch der Zar von Rusviet ist genauso noch am Leben wie sein Berater Rasputin und auch der Kaiser von Saxony sitzt noch fest auf dem Thron. Dazwischen gibt es noch das Reich Polania das zwischen den beiden Großmächten in einem momentan kalten Krieg zerrieben wird. Doch die drei Fraktionen trauen sich auch im brüchigen Frieden der Nachkriegszeit nicht über den Weg und so scheint es als würden wir uns schon eher in einer neuen Vorkriegszeit zu befinden.

Startet ihr die Kampagne, wählt ihr eine der drei Fraktionen und stürzt euch in eine Vielzahl von sehr abwechslungsreichen Missionen. Die von Spionageakten, über großfläche Schlachten mit einer Vielzahl an Soldaten, Mechs und gigantischen Kaonen, Sabotage von wichtiger Infrastruktur bis zu knallharten Häuserkampf mit Infanterie reicht. Oftmals reicht auch ein Auftrag in den anderen und ihr springt, ohne das Spielgeschehen zu verlassen, von einem wichtigen Punkt der aktuellen Schlacht zu einem anderen. Auch der beliebte Basenbau kommt nicht zu kurz und so könnt ihr oft eure Armee je nach Ressourcen individuell aufbauen. Doch Vorsicht! Auch die Versorgung eurer Truppen an der Front ist ein wichtiger Punkt, der euch einen entscheidenden Vorteil bieten kann. Ebenfalls spielentscheidend sind eure Haupthelden: Anna (Polania), Olga (Rusviet) und Gunter von Duisburg (Saxony). Diese haben nicht nur einzigartige Fähigkeiten, sondern stehen oftmals auch im Mittelpunkt der Handlung. Dabei wird diese sowohl in sehr imposant gerenderten Zwischensequenzen als auch im Spiel selbst mit der Gameengine erzählt. Immer wieder gibt es auch Flashback Missionen, die euch in die Vergangenheit der Helden und oftmals in die Wirren des ersten Weltkriegs führt. So lernt ihr nach und nach nicht nur diese alternative Epoche der Zeitgeschichte kennen, sondern bekommt auch ein Gefühl dafür, warum sich die Dinge so entwickelt haben.

Singleplayer auf Top-Klasse!

Spielerisch bietet Iron Harvest einen ordentlichen Mix aus dem Besten, das das RTS-Genre in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat, verpackt in eine sehr ansprechende Technik. Nein, das Spiel erfindet eigentlich nichts neu, hat man einmal das Schere-Stein-Papier-Prinzip durchblickt, verschafft euch das einen ordentlichen Vorteil. Wobei sich die Gegner-KI durchaus sehen lassen kann und euch immer wieder ordentlich fordert und sogar überrascht.

Wenn aber eure Infanterieeinheiten sich automatisch hinter Sandsäcken verschanzen oder bessere Waffen von besiegten Einheiten nehmen oder ein großer Mech einfach einige Häuser zerstört, um schneller ans Ziel zu kommen, wisst ihr das hier ein modernes Spiel am Laufen ist. Generell sind die 21 teils langen Kampagnenmissionen sehr schön gestaltet und punkten mit vielen Details sowie Licht- und Raucheffekten. Eine spielerisch sehr gute Idee ist auch der Einsatz von mächtigen tierischen Begleitern für die Helden. Diese verstärken und erweitern ihre Fähigkeiten. Zum Beispiel kann der Bär von Anna nicht nur im Nahkampf ordentlich zulangen, sondern kann auch verwunden Truppen mit mitgeführten Erste-Hilfe-Päckchen wieder auf die Beine helfen. Als Ressourcen benötigt ihr Eisen und Öl, um eure Basis aufzubauen und die Armee aufzubauen und zu verbessern. Diese müsst ihr in entsprechenden Minen fördern und Ölfelder erschließen.

Lob gibt es auch für das Sounddesign. Musik, Soundeffekte und die gute gewählten Sprecherstimmen. Diese verweben sich zu einer sehr dichten Atmosphäre, die euch noch mehr in die fiktiven 1920er Jahre ziehen.

Multiplayer?

Wir haben für unser Review nur die Solo-Kampagne gespielt. Ein Multiplayer-Modus wurde bereits in das Spiel integriert, schwächelt jedoch im Moment noch im Umfang und bei der Abwechslung. Gespielt darf 1×1, 2×2 und 3×3 gegen andere Spieler oder gemischt auch gegen KI-Gegner. Die Entwickler versprechen das hier noch ordentlich nachgebessert wird, so wird etwa noch ein kooperativer Zwei-Spieler-Modus für die Kampagne veröffentlicht werden.

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

Iron Harvest hat mich deutlich länger an den PC gefesselt als erwartet. Setzen auch Echtzeit-Strategiespiele in der letzten Zeit oftmals auf Remakes oder einen starken Multiplayer-Teil, so punktet Iron Harvest mit einer toll gemachten und geschriebenen Kampagne, die man so noch nicht gesehen hat. Zwar kann man mit dem vergleichbaren Dawn of War in einigen spielerischen und taktischen Elementen nicht ganz mithalten, die Inszenierung ist aber schon jetzt über jeden Fall erhaben und brennt sich mit einigen epischen Momenten in euer Gaming-Gedächtnis ein. Der deutsche Entwickler King Art hat auf jeden Fall ordentlich abgeliefert und wird das Spiel hoffentlich mit dem einen oder anderen Addon noch weiter entwickeln und ausbauen. Wer eine frische und richtig gute RTS-Soloplayer-Kampagne spielen möchte, kommt an diesem Spiel nicht vorbei!

Genre: Strategie
Entwickler: KING Art Games
System: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows
Erscheint: erhältlich
Preis: ca.  60 Euro

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