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Review: Huawei P30 Pro

Abwechselnd im Abstand von sechs Monaten stellt Huawei seine Flagschiffgeräte der P- beziehungsweise Mate-Reihe vor. Nachdem wir im Oktober letzten Jahres in London bei der Vorstellung des Huawei Mate20 Pro dabei waren, verschlug es uns dieses Mal in die französische Hauptstadt Paris, wo wir der Ankündigung der P30-Serie beiwohnen durften. Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und gleich ein Testgerät ergattert, das wir die letzten Tage unter die Lupe nehmen konnten.

Das Huawei P30 Pro ist ab sofort in den Farben Breathing Crystal, Aurora und Black erhältlich.

Minimalismus im Design

Das Design des P30 Pro legt den Fokus auf das Display und Symmetrie. Dies bestimmt gleich einige Veränderungen zum Vorjahresmodell, die sich auf den ersten Blick zeigen. Das an den Seiten gebogene Display orientiert sich am Mate20 Pro, auf die schmalen Ränder an der Ober- und Unterseite des Bildschirms war der Hersteller während der Präsentation besonders stolz.

Der auffälligste Unterschied dürfte die überarbeitete Positionierung der 32 Megapixel Frontkamera sein, die sich nun in einem kleinen schwarzen Punkt in der Mitte des oberen Bildschirmrandes befindet. Ermöglich wird das reduzierte Design durch das Fehlen eines klassischen Frontlautsprechers. Beim Telefonieren werden die akustischen Signale mit Hilfe des von Huawei als „Acoustic Display“ bezeichneten Features über das Display an das Ohr weitergeleitet. Während unserer Tests konnten wir neben einer gefühlt etwas leiseren Ausgabe keine auffälligen Defizite in der Sprachqualität feststellen.

Lässt man die Augen weiter nach unten wandern, sucht man vergeblich nach der physischen Taste, die noch im P20 Pro verbaut wurde. Dafür bietet das diesjährige Pro-Modell eine größere Bildschirmdiagonale von 6,47 Zoll und ist mit 158mm x 73,4mm x 8,41mm und 192 Gramm nur leicht größer und schwerer als das P20 Pro. Obwohl die Möglichkeit besteht, die Android-üblichen virtuellen Tasten zu verwenden, wirbt der chinesische Hersteller für die Nutzung der Gestensteuerung, die beispielsweise die Zurück-Taste durch einen Fingerwisch vom Rand auf das Display ersetzt. Wir haben den Umstieg gewagt und sind sehr gut zurechtgekommen, allerdings fühlt man sich mit kleineren Händen angesichts der Displaygröße und der glatten gläsernen Front und Rückseite manchmal etwas unsicher in der Handhabung.

Ohne Taste musste auch der Fingerabdrucksensor seine Position wechseln und wanderte wie der Frontlautsprecher in das Display. Ähnlich dem Mate 20 Pro könnt ihr das Gerät mit einem Druck auf eine nahe am unteren Rand platzierte Fläche entsperren. Die Leistung wurde laut Huawei um 30 Prozent verbessert und wir konnten ebenso einen Geschwindigkeitsunterschied bei der Benutzung feststellen. Allein eine etwas höhere Platzierung wäre in unseren Augen wünschenswert gewesen. Alternativ wird eine Gesichtserkennung angeboten, die allerdings durch einen fehlenden Tiefensensor auf der Vorderseite ein gewisses Sicherheitsrisiko birgt.

Acoustic Display und ein im Display integrierter Fingerabdrucksensor ermöglichen ein schickes, minimalistisches Design.

Technik-Upgrade

Neben dem schicken Design kann sich die Hardware ebenfalls sehen lassen. Das AMOLED-Display bietet eine FHD+ Auflösung von bis zu 2340×1080 Pixeln und HDR-Fähigkeiten, die für ein qualitativ sehr hochwertiges Bild sorgen. Je nach gewähltem Modell stehen 6 GB bzw. 8 GB RAM und 128 GB bzw. 256 GB interner Speicher zur Verfügung. Das Betriebssystem und die vorinstallierte Software nehmen knapp 14 GB Speicher in Anspruch und so bleibt ausreichend zusätzlicher Speicher für Spiele, Software und Fotos übrig. Wem der interne Speicher trotzdem nicht genug sein sollte, kann einen von zwei SIM-Karten-Slots opfern und mit einer Huawei-eigenen NM Card – erhältlich in den Größen 64 GB, 128 GB und 256 GB – mehr Platz schaffen.

Das Herz bildet, wie schon beim Mate 20 Pro, ein Kirin 980 Prozessor mit acht Kernen (2×2,6 GHz, 2×1,92 GHz, 4×1,8 GHz), der im 7nm-Verfahren gebaut ist. Die Leistung des Gerätes ist mit der des Mate 20 Pro vergleichbar und bietet eine entsprechend hohe Rechenleistung für diejenigen unter euch, die gerne einmal leistungshungrigere Spiele und Apps unterwegs starten wollen.

Das satte Schwarz des AMOLED-Display machen Comics lesen ist auf dem Huawei P30 Pro zu einer wahren Freude.

Ein ebenso willkommenes Upgrade ist der 4200 mAh große Akku, der euch auch bei stärkerer Nutzung nicht so schnell im Stich lässt. Mithilfe von KI-Technologie versucht das Betriebssystem die Energienutzung effizienter zu gestalten und im Notfall sind erneut unterschiedliche Stromsparmodi vorhanden.

Im Lieferumfang enthalten ist ein 40 Watt starkes Ladegerät mit SuperCharge 2.0-Technologie, das in einer halben Stunde mehr als zwei Drittel des Akkus aufladen kann. Kabelloses Aufladen ist mit einer zusätzlich erhältlichen Ladestation möglich und das P30 Pro kann dank Reverse Wireless Quick Charge anderen kompatiblen Geräten etwas von seiner Energie abgeben.

In Sachen Software bietet das P30 Pro ebenfalls das Gewohnte: Android Pie mit aktuellen Sicherheitspatches bildet das Rückgrat, während die Oberfläche auf dem Huawei-eigenen EMUI 9.1 läuft. Nach wie vor ist das Design Geschmacksache und könnte für viele etwas weniger verspielt ausfallen, aber dafür hat Huawei etwas hinter den Kulissen geschraubt und das UI fühlt sich insgesamt reaktionsfreudiger an. Auch wieder dabei ist der Desktop-Modus, der aktiviert werden kann, wenn das Smartphone via Kabel oder kabellos mit einem Fernseher oder Monitor verbunden wird. Mit Maus und Tastatur verwandelt sich das Telefon dann in einen provisorischen PC mit Linux – inklusive Office Programmen und Webbrowser. Sollte keine Maus zur Hand sein, lässt sich sogar das Smartphone selbst als Trackpad verwenden.

Zeit zum Spielen

Für unsere Pokémon Go-Spaziergänge ist der größere Akku natürlich eine gern gesehene Bereicherung und auch während unseres Rückfluges kosteten längere Runden Mini Metro kaum Prozentpunkte auf der Batterieanzeige. Dank des großen Speichers lassen sich ohne Probleme mehrere Spiele mitsamt ihrer hochaufgelösten Grafikpakete installieren – wir mögen unsere Fire Emblem Heroes Charaktere eben gestochen scharf.

Wie bereits erwähnt ist die Leistung des P30 Pro mit dem Mate20 Pro vergleichbar und bietet jede Menge Performance für den Spielehunger. Injustice 2, Shadowgun Legends, Fortnite und PUBG Mobile liefen während unserer Testspiele einwandfrei und flüssig – was uns gerade beim Letzteren einige Siege einbrachte. Leider war Gamelofts Asphalt 9: Legends noch nicht kompatibel zum neuen Smartphone, weshalb wir den Vorgänger für den Test herangezogen haben, der ebenfalls durchwegs flüssig lief. Sollte die Leistung einmal nicht ausreichen, steht wieder der Performance-Modus bereit, der sich über die Einstellungen aktivieren lässt und auf Kosten der Akku-Laufzeit die Rechenkapazität mit einem zusätzlichen Boost erhöht. Durchwegs positiv ist uns aufgefallen, dass trotz eingeschaltetem Performance-Modus die Temperatur des Smartphones bei längerer Benutzung nicht übertrieben heiß wurde.

Bei Ridge Racer Type 4 lassen sich zahlreiche Bildverbesserungen einschalten.

Der Performance-Modus kann bei der Emulation Abhilfe schaffen. So haben wir es uns auch dieses Mal erlaubt etwas in Nostalgie zu schwelgen und Ridge Racer Type 4 im Emulator auf dem Smartphone zu spielen – ganz ohne unsere PlayStation und die Disc aus dem Regal zu kramen. Der zusätzliche Hardware-Boost war dabei nicht notwendig, aber wird gerade bei der Emulation späterer Videospielgeschichte einen Dienst erweisen. In den kommenden Tagen werden wir sicher weitere Kombination ausprobieren und euch auf dem Laufenden halten. Über ein USB-C zu HDMI-Kabel könnt ihr das P30 Pro an einen Fernseher anstecken und eure Spiele mit Bluetooth-Controller oder Maus und Tastatur spielen. In diesem Modus könnt ihr dank der verbesserten Tiefenerfassung bestimmte Spiele Kinect-ähnlich per Bewegungserkennung steuern.

Die Leistung und neue Tiefenerkennung macht das P30 Pro zu einem mannigfaltigen Spielgerät.

P für Foto

Während sich das Innenleben des P30 Pro am Mate20 Pro orientiert, ist es die neue Kamera, auf die sich die Innovationen konzentrieren. Wie gewohnt wurde das neue System in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt und bietet nun das erste Mal ein vier Kamera-System. Das Herzstück bildet die 40 Megapixel Weitwinkel-Linse mit f/1.6 Blende. Dazu gesellt sich eine 20 MP Ultraweitwinkel-Linse mit f/2.2 Blende und eine Telelinse mit 8MP und f/3.4 Blende. Nummer 4 ist ein sogenannter Time-of-Flight-Sensor, der mit Hilfe von Lichtsignalen Tiefeninformation zur Umgebung sammeln und diese für die Berechnung diverser Effekte oder Bildverbesserung bereitstellen kann.

Auch im Videobereich gibt es zahlreiche Verbesserungen wie den Dual-View-Modus (Wird mit einem baldigen Update aktiviert), in dem man mit zwei Kameras aufnimmt.

Den Schwerpunkt setzt Huawei dieses Mal auf Zoom-Fähigkeiten und Fotos bei lichtarmen Verhältnissen. So bietet das P30 Pro einen optischen 5-fach Zoom und in Zusammenarbeit aller Linsen einen 10-fach Hybrid-Zoom, der ebenfalls beeindruckende Ergebnisse liefert. Dies wird durch die von Huawei als „Periskopkamera“ bezeichnete Telelinse ermöglicht. Dabei wurde die Kamera quer in das Gehäuse eingebaut und das Licht wird über einen Spiegel in die Linse umgeleitet. Die Ergebnisse waren während unseres Rundganges in Paris bereits sehr überzeugend. Wenn man an das Maximum gehen will, lässt sich der digitale Zoom bis zu 50-facher Vergrößerung hochschrauben. Obwohl sich die resultierenden Bilder nicht wirklich für das Urlaubsalbum eignen, kann das Gerät aber kurzfristig als Fernglas-Ersatz herhalten.

Der neue Bildsensor ersetzt die grünen Anteile durch gelbe, die angeblichen mehr Helligkeit einfangen können. Unterstützt durch die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Kameras erzielt das P30 Pro bereits im automatischen Foto-Modus in lichtarmen Situationen überraschende Resultate. Generell schafft es die Kamera im Standard-Modus dank KI-Unterstützung und der neuen Technik, dass die meisten Schnappschüsse qualitativ sehr hochwertig ausfallen. Wer nicht viel mit Einstellungen herumhantieren und trotzdem Wert auf schöne Bilder legt, ist hier sehr gut versorgt. Der Nacht-Modus ließ sogar auf Fotos in fast vollständiger Dunkelheit immer noch beachtlich viele Details erkennen. Dank der optischen Bildstabilisatoren und KI-gestützten Algorithmen ist die verlängerte Belichtungsdauer auch ohne Stativ relativ gut zu meistern. Natürlich wird Foto-Enthusiasten wieder die Möglichkeit geboten im Pro-Modus allerlei Einstellungen zu treffen, um das Ergebnis manuell zu beeinflussen.

Wir haben die beeindruckenden Zoom-Fähigkeiten des P30 Pro am Notre-Dame de Paris ausprobiert.

Ab sofort verfügbar

In Österreich sind das Huawei P30 und das P30 Pro ab sofort im Handel verfügbar. Das P30 (6 GB RAM, 128 GB Speicher) ist in den Farben Aurora, Breathing Crystal und Schwarz für 699 Euro (UVP) erhältlich. In den Farben Schwarz und Aurora bekommt ihr für 899 (UVP) das P30 Pro (6 GB RAM, 128 GB Speicher) und in Breathing Crystal kostet euch das P30 Pro (8GB RAM, 256 GB Speicher) 999 Euro (UVP).
Zusätzlich verschenkt Huawei eine Huawei Watch GT Active und 90 Tage Bildschirmgarantie an alle, die sich das das P30 Pro bis zum 7. April 2019 kaufen und auf der Huawei Aktions-Webseite registrieren. Mehr Details dazu findet ihr unter: https://consumer.huawei.com/at/campaign/p30/

Fazit (Fatih)

Mit dem Huawei P30 Pro liefert der chinesische Hersteller ein erstklassiges Smartphone ab. Das neue Design präsentiert sich schlicht, aber sehr schick und lässt das Display voll zur Geltung kommen. Gepaart mit dem am Mate20 Pro orientierten Innenleben ist genug Hardware vorhanden, um den Unterhaltungshunger zu stillen – egal, ob mit Spielen oder ein paar Folgen eurer aktuellen Lieblingsserie. Der vergrößerte Akku und die immer willkommene Schnellladefunktion sorgen dafür, dass dabei die Augen nicht alle paar Minuten panisch auf die Batterieanzeige rutschen. Rechtfertigt das Update einen Kauf, wenn ihr letztes Jahr beim Vorgänger oder im Herbst beim Mate 20 Pro zugeschlagen habt? Unserer Meinung nach nicht zwingend. Der Fokus liegt bei diesem Gerät auf der Fotografie. Die resultierenden Bilder sind beeindruckend und der Zoom erlaubt mehr Freiheit bei der Positionierung in Relation zum anvisierten Motiv – Flexibilität, an die man sich schnell gewöhnt. Sind Fotos weit oben auf eurer Prioritätenliste, dann sollte das Huawei P30 Pro definitiv an die Spitze eurer näheren Auswahl bei einem Smartphone-Upgrade sein. (Fatih Olcaydu)

2. Meinung (Michael)

Nur rund ein halbes Jahr nach dem beeindruckenden Mate20 Pro legt Huawei deutlich nach. Das Ziel, das Smartphone mit der besten Kamera zu bauen, hat Huawei definitiv erreicht. Mehr noch: In unserem Test konnten wir alle Werbeversprechen nachvollziehen und waren von den Ergebnissen mehr als beeindruckt. Der Dynamikumfang inklusive sehr guter HDR-Berechnung ermöglicht durch Effekte und die verschiedenen Kamera-Modi eine facettenreiche Bildgestaltung sowohl für Laien als auch Profis. Aber auch im Entertainment-Bereich, allen voran bei den Spielen kann die Leistung dank Kirin 980 CPU und ordentlich Ram überzeugen. Mit dem sehr guten Mono-Lautsprecher und dem fehlenden 3D-Sensor für die Geichtserkennung musste man zwar Kompromisse eingehen, die jedoch dank sehr kleiner Notch und dem sicheren und schnellen Fingerabdrucksenor im Display für mich nicht ins Gewicht fallen. Mit dem P30 Pro hat Huawei ein Smartphone abgeliefert, das in praktisch allen Bereichen in der obersten Liga mitspielt. Im Bereich der Kamera und Fotografie ist es klar die Nummer 1.

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