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Review: Hostage Negotiator (+ Interview mit dem Autor und Audio-Review)

Aus Drohung wurde Ernst. Ein Geiselnehmer hat mehrere Unschuldige in seine Gewalt gebracht und droht damit, sie zu töten, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden. Ihr seid Vermittler der Polizei und habt elf Runden Zeit, die Geiseln zu befreien und den Geiselnehmer festzunehmen oder auszuschalten.

Interview mit A.J. Porfirio von Van Ryder Games, dem Autor von Hostage Negotiator, und das Audio-Review:

Bei Hostage Negotiator, einem Karten- und Würfelspiel für einen Spieler, versucht man, den Geiselnehmer zu besänftigen und Zeit zu gewinnen, während dieser in jeder Runde unberechenbare Maßnahmen setzt oder Forderungen stellt. Die Regeln dabei sind simpel und eigentlich selbsterklärend. Zu Beginn des Spiels habt ihr sechs Konversationskarten, mit denen ihr beruhigend auf den Aggressor einwirken oder ihn nach seinen Forderungen fragen könnt. Jedes Mal, wenn ihr über Telefon Kontakt zu ihm/ihr aufnehmt, müsst ihr würfeln, ob und wie gut eure Verhandlungen gelaufen sind. Je nach Gefährlichkeitsstufe habt ihr dazu einen oder mehrere Würfel zu Verfügung. Findet ihr die richtigen Worte, bringt euch das entweder eine Entspannung der Situation und/oder Konversationspunkte. Diese dienen im weiteren Verlauf des Spiels als Währung, mit der ihr am Ende jeder Runde neue und bessere Konversationskarten kaufen könnt. Diese reichen von leeren Versprechen über geheime Operationen hin bis zum Befehl an die Scharfschützen, den Geiselnehmer unschädlich zu machen.

Für eine erfolgreiche Mission müsst aber ihr mindestens die Hälfte der Geiseln befreit haben. Keine Person darf zurückgelassen werden. Gelingen eure Überzeugungen, bringt euch das wieder neue Möglichkeiten, Karten zu kaufen oder Geiseln zu befreien. Scheitert ihr, verschlechtert sich die Laune des Geiselnehmers. Ist die maximale Gefährdungsstufe erreicht, wird pro neuerlicher Stufe eine Geisel ermordet. Am gegenüberliegenden Spektrum der Gefährdung werden Geiseln freigelassen, wenn die Gefahrstufe gesenkt werden würde.

Es gilt also die Balance zu halten zwischen Smalltalk und damit gewonnenen Konversationspunkten und der zügigen Befreiung von Geiseln. Am Ende jeder Verhandlungsphase wird eine von insgesamt elf Terrorkarten aufgedeckt, die unberechenbare Entwicklungen darstellen sollen. Diese können positive Effekte, wie zum Beispiel die unverhoffte  Freilassung von Geiseln bis hin zu Kurzschlussreaktionen und Fluchtversuchen mit Toten nach sich ziehen. Die letzte Terrorkarte läutet den Showdown zwischen Team und Geiselnehmer ein, bei der spezielle Bedingungen gelten.

Die Geiselnehmer und alle anderen Events des Spiels sind rein fiktiv und haben nichts mit Personen oder Gruppen des echten Lebens zu tun. Trotz der Thematik soll das Spiel Spaß machen und hat durchaus humorvolle und satirische Ansätze.

Im Basisspiel sind drei Geiselnehmer inklusive ihrer Hintergrundgeschichten enthalten. Jeder von ihnen hat eigene Startwerte, Anzahl an Geiseln und Forderungen, die während des Spiels für erfüllt können und neuen Dynamik in die Partien bringen. Geht man zum Beispiel auf die Forderung eines Terroristen ein, Waffenlieferungen zu bekommen, verringert sich zwar kurzzeitig sein Gefährlichkeit, der Negotiator muss aber bis zum Schluss der Partie mit negativen Nebeneffekten rechnen.

Bei Hostage Negotiator vergisst man ziemlich schnell, dass man eigentlich alleine am Spieltisch sitzt, denn die Spannung vor jedem Wurf und jeder neuen Aktion des Geiselnehmers vermitteln das Gefühl, gegen einen ebenbürtigen und oft weit überlegenen Kontrahenten zu spielen. Jeder Tod einer Geisel schmerzt innerlich und lässt dem Spieler des Öfteren seine eigene Taktik überdenken.

Van Ryder Games bietet weitere Abductor Packs mit neuen Geiselnehmern und anderen Karten an, sodass das Spiel trotz immer zufälliger Runden, Aktionen und Bedingungen weiterhin spannend und abwechslungsreich bleibt. Wieder mal hat eine Kickstarter-Kampagne bewiesen, dass gute Spiele nicht immer nur von großen Verlagen kommen müssen.

Review Overview

Wertung - 9

9

Das Schicksal der Unschuldigen in deiner Hand

Bei Hostage Negotiator wurde ein eigentlich toternstes Thema in ein Solo-Kartenspiel verpackt, das von Beginn an intensiv und spannend bleibt. Jede Runde spielt sich auf Grund der immer zufälligen Aktionen und Bedingungen auf eine einzigartige Art und Weise. Wer ein erwachsenes und spannendes Setting, Schwierigkeit und Abwechslung schätzt, kann bei Hostage Negotiator gar nichts falsch machen. Noch nie hat sich bei einem Solo-Game ein unsichtbarer Gegenspieler so real und bedrohlich angefühlt.

Genre: Solo-Kartenspiel
Verlag: Van Ryder Games
Spieler: 1
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 30 Euro

Hostage Negotiator kann direkt beim Brettspiel-Laden deines Vertrauens bestellt werden. 

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