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Review: Game of Thrones: Das Kartenspiel

Beim Game of Thrones Living Card Game von Fantasy Flight Games können zwei bis vier Spieler die Kontrolle über bekannte Häuser übernehmen und um die Vormacht in Westeros kämpfen. Wie bei der Fantasy-Saga von George R.R. Martin stehen auch beim Kartenspiel die kriegerischen Auseinandersetzungen, Intrigen und Machtkämpfe im Vordergrund. Mit allen erdenklichen Mitteln versucht ihr, eure Gegner zu Fall zu bringen und zum mächtigsten aller Häuser aufzusteigen. Wer 15 Macht-Marker besitzt, gewinnt das Spiel und erklimmt, womöglich nur für kurze Zeit, den Eisernen Thron.

Im Basis-Set könnt ihr zwischen den Häusern Stark, Lannister, Baratheon und Targaryen wählen und entweder zu zweit oder zu viert gegeneinander spielen. In der klassischen Zwei-Spieler-Variante stellen beide Spieler am Anfang ihre Strategiekarten und Nachziehstapel zusammen. Zu Beginn ist es oft einfacher, mit vorgefertigten Decks zu spielen, um ein ausgeglichenes Spielerlebnis zu haben und sich mit den Mechaniken und Regeln des Spiels vertraut zu machen.

Zu Faul zum Lesen? Schäme dich und höre gut zu:

Video-Tutorial von Fantasy Flight Games:

A mind needs books as a sword needs a whetstone, if it is to keep its edge- Tyrion Lannister

Red leaf

Zu Beginn jeder Runde legen die Spieler eine ihrer sieben Strategiekarten verdeckt auf den Tisch, um sie dann gleichzeitig umzudrehen. Diese zeigen an, welcher Spieler beginnt, welche Auswirkungen gelungene Herausforderungen haben, wie viel Golddrachen man in dieser Runde bekommt und ob spezielle Effekte in Kraft treten, die das Spiel in dieser Runde beeinflussen. Das Beispiel „Valar Morghulis“ zeigt, wie verheerend die Effekte von Strategiekarten sein können. Wird diese Karte nicht durch den Effekt einer anderen Strategiekarte blockiert, sterben alle verbleibenden Charaktere auf dem Spielfeld und alles ist wieder vollkommen offen.

When you play a game of thrones you win or you die – Cersei Lannister

Nach dem Auflösen der Strategiekarten könnt ihr dann in mehreren Phasen neue Einheiten oder Gebäude aus euren Handkarten spielen und danach in drei verschiedenen Herausforderungen gegeneinander antreten lassen:

  • Militärschlag:  Die klassische und einfachste Lösung, um Probleme in Westeros zu lösen, ist und bleibt die kriegerische Auseinandersetzung. Bei Militärschlägen könnt ihr einzelne Einheiten oder ganze Truppen gegeneinander antreten lassen. Wird ein Militärschlag verloren, muss je nach Fall eine oder mehrere Einheiten des Verteidigers auf den Totenstapel gelegt werden.
  • Intrige: In einer Welt voller Lügen, geheimer Abmachungen und Bestechung sind Intrigen eine gute Möglichkeit, seinen Gegner zu schwächen. Gewinnt man eine Intrige gegen einen Mitspieler, muss dieser eine oder mehrere seiner Handkarten ablegen und wird dadurch seinen Handlungsmöglichkeiten beraubt.
  • Machtkampf: Hat ein Gegenspieler schon zu viele Machtmarker angehäuft, versucht man ihn in einem Machtkampf zu schwächen. Durch gewonnene Machtkämpfe kann man gegnerische Machtmarker für sich beanspruchen und so das Blatt noch wenden.

Die im Basis-Set spielbaren Häuser unterscheiden sich, was Stärken, Schwächen und Strategien anbelangt, grundlegend voneinander und können durch neutrale Karten ergänzt werden.

House Stark of Winterfell: Das Haus Stark war eines der großen Häuser von Westeros, die von ihrem Sitz Winterfell aus über den Norden herrschten. Es gehört zu den ältesten Adelsgeschlechtern des Kontinents, deren Linie tausende Jahre zurückreicht. Als Wappentier fungiert ein grauer Schattenwolf, der Sinnspruch der Starks lautet: Winter is coming. Das Fehlen von vielen starken Strategie-Karten und die finanzielle Schwäche wird beim Hause Stark durch hart gesottene Charaktere und gut geschmiedete Waffen kompensiert. Die Kombination aus Verbündeten aus dem Norden und den vielen Nachkömmlinge des Hauses mit ihren Shattenwölfen machen die Starks zu einer gefährlichen und nicht zu unterschätzenden Fraktion im Kampf um Westeros.

House Lannister of Casterly Rock: Das Haus Lannister ist eines der großen Häuser von Westeros. Die Lannisters zählen zu den reichsten, mächtigsten und ältesten Dynastien. Ihre Ländereien liegen im äußersten Westen des Kontinents, mit einst sehr produktiven Goldminen. Ihr Sitz ist Casterly Rock, eine mächtige Festung auf einem Felsvorsprung. Das Wappen des Hauses zeigt einen goldenen Löwen, ihr offizieller Sinnspruch lautet: Hear Me Roar! House Lannister besitzt nicht nur eine große Anzahl an Reichtümern, was das Ausspielen von Charakteren und Truppen erheblich erleichtert, sondern hat auch viele Verbündete in Westeros. Schon seit jeher beherrschen die Lannisters die Klaviatur der Macht und schaffen es oft, immer einen Schritt voraus zu sein. Allen voran Cersei Lannister spielt das Spiel der Intrigen, während die brutalen Brüder des Hauses Clegane für Schrecken und Terror sorgen und das Aufkeimen gegnerischen Widerstands schon beenden, bevor sich dieser bemerkbar machen kann.

House Baratheon of  Storm’s End: Haus Baratheon wurde von Orys, dem angeblichen Halbbruder von Aegon Targaryen, gegründet und stammt in weiblicher Linie vom Haus Durrendon ab. Es ist damit das jüngste der großen Häuser und konnte sich in der mehrmals in der Geschichte von Westeros einen Namen machen. Das Wappen ziert ein mächtiger Hirschbock, der Spruch des Hauses lautet: Ours is the Fury. Die Decks von Haus Baratheon sind vielseitig und lassen mehrere Strategien zu. Starke Strategiekarten, eine Vielzahl an sich untereinander perfekt ergänzenden Charakteren und Attachments machen das Königshaus Baratheon zu einer eher unglamourösen, aber umso tatkräftigeren Macht in Westeros, die nur ein Ziel kennt: Den Eisernen Thron zu besetzen.

House Targaryen of King’s Landing: Das Haus Targaryen war eines der großen Häuser von Westeros. Ursprünglich stammten die Targaryen vom Kontinent Essos und waren ein altes Adelsgeschlecht aus dem Freistaat Valyria. Sie entkamen dem Untergang Valyrias und lebten für Jahrhunderte auf der Insel Dragonstone, bis Aegon Targaryen und seine beiden Schwestern mit ihren Drachen aufbrachen, um die Sieben Königreiche zu erobern. Das Familienwappen der Targaryens zeigt einen roten, dreiköpfigen Drachen, der Sinnspruch lautet: Fire and Blood. Daenerys Targaryen und ihre Drachen Drogon, Viserion und Rhaegal schützen sich gegenseitig sobald sie im Spiel sind und stellen oft eine Übermacht am Kartentisch her. Eine Armee von Dothraki und andere Gefährten der  Khaleesi unterstützen das Haus Targaryen, das wieder zu früherer Stärke finden will und dabei keine Kompromisse kennt.

And who are you, the proud lord said, that I must bow so low? – Rains of Castamere

Wie schon ein Kollege im Herr der Ringe-Brettspiel-Review auf SHOCK2 erwähnt hat, kann man die Qualität von lizenzierten Brett- und Kartenspielen beinahe immer daran messen, ob auf den Karten Fotos der Serie abgebildet sind, oder ob Illustrationen verwendet wurden. Im Fall von Game of Thrones: Das Kartenspiel wurde ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Zeichnungen auf den Karten, einige davon stammen von Franz Miklis, der auch auf der Vienna Comix vertreten sein wird, sind stimmungsvoll, sehr detailliert und eher an die Beschreibungen der Bücher angelehnt, als an die HBO-Erfolgsserie. Die Zitate aus der Fantasy-Saga bringen zusätzlichen Flavor in die Spielewelt und machen das Erlebnis noch runder, als es ohnehin schon ist.

Die Vier-Spieler-Variante bei Game of Thrones: Das Kartenspiel bringt zusätzlich Spannung und Dynamik in die Welt von Westeros. Hierbei wird ein kleines Spielbrett in die Mitte des Tisches gelegt und ein Vorrat an Machtmarkern in den Thronsaal gelegt. In die Schatzkammer werden pro Spieler zehn Golddrachen gelegt, die den ganzen Reichtum der Iron Bank symbolisieren sollen. Anders als beim Zweispieler-Modus werden zu Beginn jeder Runde Titel an alle Spieler vergeben.

Alle Mehrspieler-Titel haben unterschiedliche Vorteile für den Spieler, der sie inne hat. Das reicht von verstärktem Einfluss der Hand des Königs über einen Stärkevorteil bei Militärschlägen für den Commander der Königsgarde bis hin zu steigenden Gold-Einnahmen als Meister der Münze. Außerdem stehen verschiedene Titel in unterschiedlichen Verhältnissen zu einander. Der Meister der Gerüchte konkurriert zum Beispiel mit dem Meister der Gesetze und mit dem Kron-Regenten. Stehen zwei Titel in direkter Konkurrenz zueinander, gibt es extra Machtmarker für gelungene Machtkämpfe gegen seinen Gegner, sich unterstützende Titel können keine Herausforderungen gegeneinander ansagen. Wie bei den Game of Thrones-Büchern und der HBO-Serie wechseln also auch beim Kartenspiel die Machtverhältnisse und Ausgangslagen öfter, Verbündete werden zu Feinden und ehemalige Gegner koalieren, wenn sich ein Spieler eines Hauses bereits zu nahe am Eisernen Thron befindet.

Why is it always the innocents who suffer most, when you high lords play your game of thrones? – Varys „The Spider“

Was wäre der Spaß bei Game of Thones ohne Unberechenbarkeit der Charaktere und der Vielzahl an Königreichen. Wer nicht nur das Banner der vier größten Häuser in Westeros tragen will, kann sich auch Erweiterungen besorgen und für das eist große und edle Haus Greyjoy oder das exotische Haus Martell aus dem fernen Dorne um den Eisernen Thron kämpfen. Um Anfänger nicht gleich zu Beginn mit Deckbuilding zu überfordern, sind in jeder Expansion mehrere vorgefertigte, gute Decks aufgelistet, die es dann nur noch zu sortieren gilt. Chapter Packs beinhalten zusätzlich Charaktere, Örtlichkeiten und Ereignisse aus unterschiedlichen Handlungssträngen der Bücher und können perfekt in das Basis-Set integriert werden. Auch wenn sie nicht zwingend notwendig sind, verlängern sie jedoch definitiv den Langzeit-Spaß am Kartenspiel und machen das Game of Thrones-Erlebnis noch intensiver. Einzig die Inhalte dieser Packs könnten auf der Verpackung vielleicht etwas genauer beschrieben werden, da es für Nichtkenner der Serie schwierig ist, sich darin zu orientieren. Zusätzlich zu den Karten-Erweiterungen gibt es für jedes Haus eigens modellierte und wunderschön gestaltete Hauskarten, auf denen Machtmarker abgelegt werden können. Diese tragen zwar nichts zum tatsächlichen Spiel bei, haben jedoch einen gewissen Sammelwert und peppen den Kartentisch enorm auf.

Eine Zwei-Spieler-Partie Game of Thrones: Das Kartenspiel kann je nach Stärke der Spieler und Strategiekarten zwischen 20 Minuten und einer Stunde dauern. Das Zusammenstellen von eigenen Decks und das Ausnutzen der Wechselwirkung der Charaktere zueinander kann zu Beginn etwas schwierig sein, jedoch bekommt man früh ein Gespür für die Einheiten seines Hauses und deren Spezialfähigkeiten. Jeder Kampf zweier Häuser gegeneinander schreibt in jeder Runde aufs neue eine eigene Geschichte, die manchmal dramatischer nicht sein könnte und Westeros einmal mehr zum Leben erweckt.

There are things to be learned even from the dead – Waymar Royce (Night’s Watch)

Ob es ein Fluch oder ein Segen ist, dass Fantasy Flight Games eine zweite Edition des Spiels für Sommer 2015 angekündigt haben, bleibt abzuwarten. Man versucht beim Nachfolger laut eigenen Aussagen das Regelwerk etwas zu straffen und neue Elemente in das Kartenspiel zu bringen, ein Mischen der ersten und der zweiten Edition wird leider nicht möglich sein. Die wichtigste Neuerung der zweiten Edition wird das Bilden von Allianzen mit anderen Häusern sein, was der Story der Fantasy-Saga näher kommt als das Jeder-gegen-Jeden-Prinzip der ersten Edition. Auch manchmal für Verwirrung sorgende Schlüsselwörter auf Chrakterkarten werden gekürzt oder komplett gestrichen. Das bereits jetzt veröffentlichte Artwork sieht vielversprechend aus und verfolgt einen etwas düsteren und realistischeren Stil. Bleibt nur abzuwarten, ob die zweite Edition halten kann, was sie verspricht, oder ob man mit dem Umstrukturieren und Streichen von Regeln etwas über das Ziel hinausschießt.

Bei Living Card Games ist es im Gegensatz zu Sammelkarten nicht unbedingt notwendig, sich weiter Karten zu kaufen, um einen Vorteil daraus zu ziehen. Die Karten-Sets können zwar mit Expansion- und Chapter-Packs erweitert werden, was die Dynamik und die Abwechslung beim Spielen steigert, müssen aber nicht zwingend in das Spiel eingebaut werden. Außerdem gibt es bei Living Card Games keine „blinden Käufe“, wie das bei Magic the Gathering der Fall ist.

Review Overview

Wertung - 9

9

Kampf um den Eisernen Thron

Game of Thones ist und bleibt eines der besten und spannendsten Fantasy-Sagen unserer Zeit. Das Kartenspiel schafft es, durch einfache Regeln, verschiedene Spielvarianten, liebevoll gestalteten Karten und sich voneinander klar unterscheidenden Häusern das Feeling der Saga auf den Kartentisch zu bringen. Die Mischung aus Strategie, Kommunikation und Atmosphäre macht Game of Thrones: Das Kartenspiel zu einem Muss für jeden Fan der Serie, egal ob zu Hause oder unterwegs. Ein Stoßgebet an die Sieben Götter, dass die zweite Edition des Kartenspiels genau so gelungen wird wie die erste.

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Genre: Living Card Game
Verlag: Fantasy Flight Games, Heidelberger Spieleverlag
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 30 Euro

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One Comment

  1. Cooles Review, werd mir mal das Starterset ansehen!
    Die Idee das man sich den Artikel auch anhören kann ist auch top!

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