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Review: Furi (Nintendo Switch)

Als kleines Indie-Entwickler-Team nicht in der Versenkung zu verschwinden, ist ein schweres Unterfangen. Dementsprechend hilfreich ist es dann, wenn eine bekannte Persönlichkeit wie beispielsweise ein berühmter Manga-Zeichner seine Mitarbeit an einem Projekt verkündet. So geschehen mit dem französischen Entwicklern The Game Bakers, die überraschende Unterstützung vom Afro Samurai-Schöpfer Takashi Okazaki erhielten. Glücklicherweise sind die von Okazaki beigesteuerten Charaktere nicht das einzige, was für den so entstandenen Hack-and-Slash/Bullethell-Mix mit Cyber-Fantasy-Flair spricht. Furi ist nämlich eine mehr als stimmige Gesamterfahrung.

Nicht fort sollt ihr euch entwickeln, sondern hinauf

Das fängt bereits beim Setting an. Als ein namenloser Fremder seid ihr in einem mehrschichtigen, intergalaktischen Gefängnis festgehalten, welches über der Erde schwebt und von zehn mächtigen Gefängniswärtern bewacht wird. Wie in einer umgekehrten Version des Tower of Death, durch den sich seinerzeit Bruce Lee schlug, müsst ihr euch so von oben nach unten durch die Ebenen des Gefängnisses und in Richtung Erde durchschlagen.

Jedes Wort ist ein Vorurteil

Warum ihr überhaupt gefangen genommen wurdet, wird euch nach und nach von eurem Begleiter The Voice erklärt, während ihr durch Gebiete wandert, die man als surrealistische Kunstwerke bezeichnet könnte. The Voice ist ein mysteriöses Wesen, das eine riesigen Hasenmaske mit leuchtend roten Augen und einem Mikrofon trägt, und euch die Geschichte auf eine verquere Art und Weise eröffnet, die Afro Samurai-Fans sofort vertraut vorkommen wird.

Wer ein Warum hat, dem ist kein Wie zu schwer

Auf unnötige kleinere Gegner oder Gameplay abseits der Bosskämpfe wurde komplett verzichtet und so könnt ihr den Protagonisten sogar per Tastendruck automatisch durch die malerischen Gebiete wandern lassen, während euch The Voice  auf den nächsten Kampf vorbereitet. Die Bosse selbst sind hierbei auch nicht einfach Gegner, die ihr abarbeitet. Alle haben eine Geschichte, Beweggründe und einen Charakter und lassen einen nicht selten die eigenen Beweggründe in Frage stellen.

Die Kraft steckt in der Qualität.

Kommt es dann zum Kampf, explodiert Furi förmlich in psychedelische Farben und reflexives Gameplay, das in beiden hier gemixten Genres ihresgleichen sucht. So seid ihr in der Lage, schnelle Dashes, Schwert-Combos und Schüsse dynamisch aneinanderzureihen, wobei sich jeder von diesen auch aufladen und kombinieren lässt. Zusätzlich habt ihr noch einen Counter, der mit richtigem Timing je nach Attacke Schüsse zurückschleudern, Leben regenerieren sowie eine filmisch in Szene gesetzte Super-Combo aktivieren kann, die sonst nur durch einen voll aufgeladenen Schwertstreich ausgelöst wird.

Mitfreude, nicht Mitleiden macht den Freund

Eure Gegner variieren ebenfalls dynamisch zwischen Nah- und Fernkampf und so ist die Wahl der richtigen Gegenstrategie oft der erste Schritt zum Sieg. Eure Leben und die eures Gegners stehen dann in einem ständigen Wechselspiel. Schafft ihr es euren Gegner niederzustrecken und ihn so in seine nächste Phase zu befördern, werden eure Leben wieder regeneriert. Schafft der Gegner es jedoch, euch eines eurer drei Leben zu nehmen, laden sich seine Leben ebenfalls wieder auf.

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

Die Bosse selbst sind dann natürlich absolute Highlights und bringen neben ihrem abgedrehten Style auch jede Menge frischen Wind in das doch ein wenig angestaubte Bullethell-Genre. Egal ob der The Line genannte Herr der Zeit euch eure eigenen in eine Zeitschleife gesetzten Kugeln selbst wieder entgegenschleudert oder die neongrün strahlenden Schüsse des radioaktiven Mutanten The Scale euch das Blickfeld verschwimmen lassen, für jeden Boss wurde sich gut überlegt, wie Stil und Angriffe kombinierbar sein könnten. Abgestimmt wird das Erlebnis dann noch mit den großartigen Synthesizer-Tracks von französischen Artists wie Carpenter Brut oder The Toxic Avenger.

Gelobt sei, was hart macht

Furi schenkt seinen Spielern nichts und so sind sowohl die Nah- als auch die Fernkämpfe adrenalingeladene Achterbahnfahrten. Wenn ein kleiner Fehler am Ende einen dann den gut halbstündigen Bosskampf von vorne starten lässt, kann das durchaus etwas frusten. Glücklicherweise motivieren die überaus gut gelungene Story und die interessanten Charaktere aber dennoch immer wieder zum Weitermachen. Hat man einen Gegner dann endlich durchschaut, gibt euch Furi all die richtigen Werkzeuge in die Hand, um euch das Gefühl zu geben, ein gottgleicher Übermensch zu sein, dem selbst die (Kugel-)Hölle selbst nichts mehr anhaben kann.

Die Nintendo Switch-Version

Furi wurde prinzipiell solide auf der Switch umgesetzt. Farben und Optik wissen sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus zu gefallen und die Framerate bleibt während der Kämpfe durchwegs stabil. Auf den Wegen zwischen den Gegnern kommt es zwar hie und da zu kleineren Rucklern, da diese Abschnitte allerdings buchstäblich keinerlei Interaktion vom Spieler verlangen, ist dies allerdings verschmerzbar. Prinzipiell sind die schweißtreibenden Kämpfe und die verworrene Storye zwar nicht unbedingt etwas, das sich gut während einer U-Bahn-Fahrt genießen lässt, durch die schön abgeschlossenen Kapitel hat Furi aber zumindest nach jedem Kampf einen „Abschluss. So lässt sich das Spiel relativ gut in zehn etwa einstündige, Häppchen für die eine oder andere Mittagspause unterteilen.

Als kleines Indie-Entwickler-Team nicht in der Versenkung zu verschwinden, ist ein schweres Unterfangen. Dementsprechend hilfreich ist es dann, wenn eine bekannte Persönlichkeit wie beispielsweise ein berühmter Manga-Zeichner seine Mitarbeit an einem Projekt verkündet. So geschehen mit dem französischen Entwicklern The Game Bakers, die überraschende Unterstützung vom Afro Samurai-Schöpfer Takashi Okazaki erhielten. Glücklicherweise sind die von Okazaki beigesteuerten Charaktere nicht das einzige, was für den so entstandenen Hack-and-Slash/Bullethell-Mix mit Cyber-Fantasy-Flair spricht. Furi ist nämlich eine mehr als stimmige Gesamterfahrung. Nicht fort sollt ihr euch entwickeln, sondern hinauf Das fängt bereits beim Setting an. Als ein namenloser Fremder seid ihr in einem mehrschichtigen,…

Review Overview

Wertung: - 9

9

Afro Samurai 2

Summary : Furi ist alles, was ich mir erhofft hatte, und mehr. Die abgedrehte Geschichte mit seinen faszinierenden Charakteren von Takashi Okazaki und der einzigartigen Optik nimmt genauso wie seinerzeit der Afro Samurai schnell in Beschlag und kann durchaus als geistiger Nachfolger bezeichnet werden. Die Kämpfe wiederum zählen zum abwechslungsreichsten, was das Genre zu bieten hat, lassen sich perfekt kontrollieren und sind sehr ansprechend in Szene gesetzt. Afro Samurai- und Genre-Fans greifen blind zu, alle anderen sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren.

User Rating: Be the first one !
Genre: Hack-and-Slash/Bullethell 
Entwickler: The Game Bakers
Preis: ca. 20 Euro
System: PS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC
Erscheint: Erhältlich

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