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Review: Felix the Reaper

Tote Rätsel spaßen nicht

Als großer Fan von sowohl Puzzle- als auch charmanten Indie-Games war natürlich klar, dass auch Felix the Reaper von Entwickler Kong Orange mein Interesse weckt. Während Setting und Felix’ putzige Liebesgeschichte zwar durchaus den versprochenen Charme vermitteln können, schwächelt Felix the Reaper leider nicht nur in der technischen Umsetzung.

Eine Liebe zum Sterben

Auf der Pro-Seite ist auf jeden Fall die Aufmachung des Titels zu erwähnen. In entspannter Märchen-Tonlage wird einem Felix’ Situation näher gebracht, während der knuffige Sensenmann sich stillschweigend aber mit jeder Menge hipper Dance-Moves durch die Levels tanzt. Felix hat dabei als Mitarbeiter des Ministeriums des Todes die wenig überraschende Aufgabe, den Tod von Menschen durch kleine Veränderungen in Zeit-gefrorenen Szenarien herbeizuführen. Sein eigentliches Ziel ist es aber, durch seine Ausflüge in die Welt der Lebenden vielleicht auf seine große Liebe Betty zu treffen, die ihres Zeichens für das Ministerium des Lebens arbeitet.

Sterbenslangweilig

Während die Geschichte und der Todbringer durchaus ihren Charme haben, sind die tatsächlichen Szenarien aber leider eher mäßig motivierend. So wird viel der Spannung dadurch aufgebaut, wie die beeinflusste Situation nach getaner Arbeit zu einem unverhofften Tod führt. Selbige sind dann aber selbst für einen großen Slapstick-Fan wie mich eher mäßig belustigend und haben mir leider im besten Fall maximal ein kurzes Schmunzeln entlockt. Hier wurde leider ein wenig die Chance vertan, tatsächliche aberwitzige Todesszenarios á la Final Destination oder Itchy und Scratchy  herbeizuführen. Meistens lässt sich schon sehr gut vorhersehen, was nun passieren wird, wodurch sich sowohl Überraschungs- als auch Fun-Faktor in Grenzen halten, da die Brutalität alleine als Träger einfach nicht ausreicht.

Der sterbende Tag

Die Rätsel selbst drehen sich vorwiegend darum, Felix durch die Schatten von Bäumen, Häusern, Autos, Kutschen usw. zu bewegen, da die Sonne als der behindernde Faktor zu verstehen ist. Dank des Ministeriums des Todes darf aber jeweils per Knopfdruck zwischen Vormittag und Abend gewechselt werden, wodurch sich natürlich auch entsprechend die Schatten mitdrehen. Zusätzlich kann Felix noch diverse Gegenstände aufheben und magische Vorrichtungen per Schalter betätigen.

Tote Logik

Während der teils etwas minimalistisch ausgefallene Level-Aufbau mit sehr generischen Setups möglicherweise noch als Stil-Element durchgehen kann, ist die logische Inkonsistenz, der trotz aller Selbstironie größtenteils auf realen Physik aufbauenden Rätsel einfach störend. Wenn beispielsweise die Regel etabliert wird, dass Felix sich vom Sonnenlicht fernhalten muss, ist es nicht lustig sondern einfach unlogisch, warum ein ihm bis zum Bauchnabel reichender Heuballen genügend Schatten spendet, um sich dahinter zu verstecken, ein etwa gleich großer Steinhaufen aber nicht.

Nur einen Weg hat das Dead End

Klar steht hier die Rätsel-Mechanik im Vordergrund. Aber nachdem einen die Aufmachung und die ständig wechselnden Ziele dennoch dazu auffordern auf diese Art zu denken, sind sie fast schon Störfaktoren für die eigentlichen Rätsel, was einen wiederum die Begründung für ihr Dasein in Frage stellen lässt. Zusätzlich wirkt das komplette Fehlen von alternativen Lösungswegen ziemlich einschränkend und irgendwie unpassend für das Setting.

Technik aus dem Grab

Auch technisch läuft trotz des an sich sehr unproblematischen Setups in Form eines gänzlich Zeit- und Stress-befreiten Gameplays leider einiges nicht ganz rund. So ist die Kamera immer wieder unkooperativ, der Cursor zur Auswahl der Felder verschwindet nach einer Animation an den Level-Rand und bei zwei Levels war die extrem essentielle Möglichkeit den Sonnenstand zu verändern, erst nach einem Neustart des Spiels wieder möglich. Hier bleibt zu hoffen, dass die Entwickler die gröbsten Schnitzer noch zumindest in einem Day1-Patch ausbessern.

Fazit:

Wertung: - 6

6

Leider nicht zum Tot-lachen

Ich würde Felix the Reaper wirklich gerne mehr mögen und ich möchte auch nicht ausschließen, dass ich vielleicht einfach nicht das richtige Publikum dafür bin. Aber leider endet für mich die Faszination bei dem kultigen Hauptcharakter selbst. So haben mich wegen des vorhersehbaren Humors leider weder die künstlich herbeigeführten Tode, noch die Optik oder der allgemeine Humor übermäßig abgeholt und die zumindest ganz soliden, wenn auch gänzlich unflexiblen Rätsel, deren Lösung man sich sogar per Spulfunktion Schritt für Schritt vorzeigen lassen kann, reißen diesen sonst recht mittelmäßigen Titel mit stellenweise heftigen technischen Problemen leider auch nicht mehr heraus. Rätsel-Fans spielen lieber nochmal Captain Toad: Treasure Tracker oder Baba Is You.

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Genre: Puzzle-Game
Entwickler: Kong Orange
System: PS4, Xbox One, Switch, PC
Erscheint: 17.10.2019
Preis: ca. 20 Euro
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