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Review: Fe

Singsang im Wald

In Zeiten, zu der Begriffe wie “Lootboxen” und “Games as a Service” immer öfter das Portfolio der großen Publisher überschatten, sind es manchmal die kleinen Titel, die aus dem Spieleangebot herausstechen. Fe vom schwedischen Entwicklerstudio Zoink ist eines dieser Spiele.

Eine schöne Welt

Gleich auf den ersten Blick merkt man, dass es sich bei Fe nicht um ein Millionen-Projekt handelt, wie man es sonst von Electronic Arts-Titeln gewohnt ist. Schließlich handelt es sich bei EA Originals auch um ein neu gegründetes „Indie“-Label, das unabhängigen Studios eine Veröffentlichungsplattform bieten soll.

Das offensichtlichste Merkmal ist das interessante wie auch ungewöhnliche Design von Fe. Die in einen Mix aus Neon- und Pastellfarben getauchte Spielwelt wirkt gleichermaßen vertraut wie befremdlich, manchmal sogar bedrohlich. Dabei ist jedes Gebiet der zusammenhängenden Spielwelt in einen vorherrschenden Farbton getaucht. Mal ein kühles Blau, dann wieder ein sattes Grün oder ein bedrohlich wirkendes Rot.

Fuchsvogel oder Vogelfuchs?

Gleiches gilt für Fes tierische Bewohner, die realen Vorbildern aus der Natur nachempfunden sind und sich scheinbar in ihrer Farbgebung ihrem Lebensraum angepasst haben. Auch der Protagonist und Namensgeber des Spiels ist ein Bewohner dieser Welt und erinnert an einen Fuchs, zumindest noch zu Beginn.

Im Lauf des Spiels erhält das Tierchen neue Fähigkeiten, wie beispielsweise Flügel, mit denen ihr dann über weite Strecken gleiten könnt. Um eine neue Fähigkeit freizuschalten, müsst ihr über die Spielwelt verteilte rosa Kristalle finden, die bei einem gigantischen Baum gegen neue Fähigkeiten eintauschen könnt.

Die Macht der Musik

Die zweite große Besonderheit von Fe ist das Sounddesign. Dazu gehören die Musikuntermalung, deren Repertoire von minimalistisch-sphärischen Klängen bis hin zu rasant-düsteren Stücken reicht, und die Tiersprache, die eher an eine Art Gesang als an Tierlaute erinnert. Dieser Gesang ist auch gleichzeitig das mächtigste Werkzeug des Spiels. Fe besitzt nämlich die Fähigkeit, andere Tiersprachen zu erlernen.

Dazu müsst ihr in einer Art Minispiel, wahlweise durch Joystickeingabe oder Bewegungssteuerung (auf Nintendo Switch) den richtigen Ton treffen. Der einmal mehr, einmal weniger schön klingende Singsang beschert euch mit jeder erlernten Tiersprache neue Fähigkeiten. So könnt ihr mit Hilfe der richtigen Sprache mit anderen Tieren Freundschaft schließen, neue Wege in der Umgebung öffnen oder die mechanischen Feinde des Spiels ablenken, die “Silent Ones”.

Eine Welt in Gefahr

Diese roboterähnlichen Kreaturen bedrohen die Welt von Fe und jagen ihre Tiere, um sie einzufangen. Eure Aufgabe ist es, die Tiere wieder zu befreien und der Bedrohung durch die Silent Ones auf den Grund zu gehen. Allerdings kann euer kleiner Fuchs nicht viel gegen diese mächtigen Maschinen ausrichten, weshalb ihr euch bei Gefahr verstecken müsst. Werdet ihr dennoch erwischt, wird das Spiel ein wenig zurückgesetzt und ihr müsst euer aktuelles Vorhaben von Neuem beginnen.

Das Leid einer Mutter

Eure erste Aufgabe in Fe ist es, eine Handvoll gestohlener Eier zu der besorgten Vogelmutter zurückzubringen, die kurz zuvor von den Silent Ones gestohlen wurden. Hierfür müsst ihr der Spur der Eindringlinge folgen und die Verstecke der Eier finden. Da ihr euch nicht entdecken lassen dürft, studiert ihr die Bewegungsmuster der Silent Ones, um dann unbemerkt zuschlagen zu können. Sobald ihr alle Eier wieder zurückgebracht habt, belohnt euch die Vogelmutter Mutter mit der ersten Tiersprache: Vogelgezwitscher, mit dem ihr euch von eulenartigen Tieren an zuvor unerreichbare Orte fliegen lassen könnt.

Zeig mir den Weg!

Anders als der Großteil heutiger Spiele kommt Fe ohne Bildschirmanzeigen aus. Findet ihr euch einmal nicht zurecht, was gerade zu Beginn des Spiels öfter der Fall sein wird, könnt ihr jederzeit auf eine Karte der Spielumgebung zurückgreifen. Wer sich nicht aus der Immersion der Spielwelt herausreißen lassen will, kann alternativ, durch einen lauten Schrei, einen kleinen Vogel herbeirufen, der immer ein Stück vorausfliegt und euch den Weg zum nächsten Ziel zeigt. Ihr müsst euch auch keine Sorgen um den kleinen gefiederten Helfer machen, denn die Silent Ones scheinen nicht an ihn interessiert zu sein und lassen ihn unbehelligt umherfliegen.

Nicht ganz rund

So stimmig die Welt von Fe erscheint, so durchwachsen ist leider auch die Steuerung. In den vielen Plattformenpassagen des Spiels werdet ihr des Öfteren euer Ziel verfehlen, was für unnötige Frustmomente sorgt. Gelegentliche Ruckler sobald ihr ein neues Gebiet betretet und deren Ursache vermutlich im ständigen Nachladen der Spielwelt zu finden ist, stören nicht unmittelbar das Spiel und sollten mit einem Update zu beheben sein.

Weiters ist das Hineingeworfenwerden in diese Welt vielleicht nicht jedermanns Geschmack und auch das erneute Erkunden bereits besuchter Gebiete wird wohl manche Spieler weniger motivieren. Besonders dann, wenn man nach wenigen Spielstunden merkt, das Fes Welt, bis auf eine Handvoll Tiere, Pflanzen und Gegnern doch weitaus leerer ist, als zuerst angenommen.

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Fazit

Wertung - 7.5

7.5

Meditativ schön

Fe ist ein gleichsam schöner wie meditativer Plattformer, der vor allem durch seine dichte wie zauberhafte Atmosphäre und einem gelungenen Sounddesign besticht. Die Idee, durch Gesang mit anderen Tieren zu kommunizieren, um neue Fähigkeiten zu erlangen, hat mir besonders gut gefallen. Leider trübt die leicht ungenaue Sprungsteuerung das ansonsten solide Spielvergnügen, dem auch mehr Abwechslung gut getan hätte. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt unterm Strich einen schönen Indie-Titel, der angesichts des moderaten Preises durchaus einen Blick wert ist.

User Rating: Be the first one !
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Zoink Games
System: PS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 20 Euro

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