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Review: Eagle Flight

Ubisoft hatte es in den letzten Monaten und Jahren nicht immer leicht. Unfertige und verbuggte Spiele wurden veröffentlicht und der anfängliche Onlinezwang durch Uplay wurde heftig kritisiert. Aktuell droht ein immer größer werdender Schatten mit der Übernahme der französischen Spieleschmiede. Während uns eine Übernahme durch Vivendi nicht unmittelbar betreffen würde, könnte sie langfristig gesehen doch einige unerfreuliche Folgen haben. Selbst wenn wir mit einigen Entscheidungen der letzten Jahre nicht zufrieden waren, gibt es auch viel Positives zu berichten. Neben großen Marken wie Assassin’s Creed oder Far Cry sind es vor allem die kleinen Spiele und Projekte, die Ubisoft von anderen Größen der Branche abheben. Spiele wie Child of Light oder Valiant Hearts zeigen, dass man auch abseits des Mainstreams Ideen verwirklichen möchte, selbst in der virtuellen Realität. Obwohl es gerade zur Einführung einer neuen Technologie nicht sicher ist, die getätigten Investitionen wieder einzuspielen, ist Ubisoft bereit, dieses Risiko einzugehen.

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Neu geboren
Mit Werewolves Within, Star Trek: Bridge Crew und Eagle Flight hat Ubisoft drei VR-Spiele in der Pipeline. Eagle Flight ist sogar bereits erhältlich und zeigt auf, in welche Richtung VR-Games in Zukunft gehen müssen. Das größte Problem der virtuellen Realität ist nämlich, dass sie nicht für alle gängigen Spielkonzepte geeignet ist. Nach einer langen Phase, in der bereits alle Genres und Konzepte in Stein gemeißelt schienen und ein Großteil der Bemühungen nur mehr in Richtung realistischerer Grafik und größerer Spielewelten ging, weht wieder ein frischer Wind durch unser Hobby. Um VR längerfristig zum Erfolg zu führen, müssen neue Ideen her.

Mit dem Start des Spiels beginnt auch das virtuelles Leben. Als junger Weißkopfseeadler beobachtet ihr wie eure Eltern euch dabei helfen aus dem Ei zu schlüpfen. Die beiden imposanten Vögel vor und das Nest unter euch könnt ihr noch zusehen, wie euer Geschwisterchen das Licht der Welt erblickt. Wegen solchen Eindrücke liebe ich VR. Ihr befindet euch in Paris, die Menschheit gibt es nicht mehr und die Natur ist dabei die Stadt zurückzuerobern. Der Lärm der Großstadt ist verstummt, das hektische Treiben aus den Straßen verschwunden. Weshalb es so gekommen ist, ist unerheblich, besonders für einen Adler. Statt Menschen tummeln sich unter euch nun Wölfe, Giraffen, Zebras und Elefanten. Ihr seht schon, was die geografischen Verhältnisse im Bezug auf die Faune angeht, nimmt es Ubisoft nicht so genau.

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Der Blick des Adlers
Das macht auch nichts, denn Eagle Flight strebt gar keine realistische Darstellung an. Das sieht man bereits an der Grafik, die in Form eines stilisierten und comichaften Celshading-Looks präsentiert wird. Die Polygonmodelle sind simpel und viele Texturen einfache Farbflächen. Für mich hat Ubisoft hier dennoch ein schöne und stimmige Spielwelt geschaffen, die euch auch durch das simple Gameplay nach wenigen VR-Augenblicken in den Bann ziehen wird. Weitaus realistischer ist euer Sichtfeld, denn dort, wo sich normalerweise eure Nase befindet, sitzt ein gelber Schnabel und die Außenseite eurer Linsen wird von Federn gesäumt.Hier wird euch nicht nur der Eindruck vermittelt tatsächlich durch die Augen eines Adlers zu schauen, sondern auch dem Feind eines jeden VR-Spiels entgegengewirkt: der Motion-Sickness. Denn je kleiner euer Sichtfeld bei schnellen Bewegungen ist, desto besser wird euer Hirn ausgetrickst, beziehungsweise euer Magen. Zugute kommt dem Spiel auch, dass hier, anders als bei Eve Valkyrie, ständig einen Horizont zu sehen ist. Man weiß also immer wo unten und wo oben ist. Auch nach einer sehr ausgiebigen Spielesession kommt kein Gefühl von Unbehagen auf.

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Nach einem ersten Rundflug über Paris, begleitet durch eine sehr angenehme Erzählstimme, befindet ihr euch auch schon in der Spielwelt. Hier könnt ihr einer simplen Story folgen, in dem ihr an einer der zahlreichen farblich markierten Herausforderungen teilnehmt. Ihr müsst beispielsweise diverse Parcours absolvieren, in denen ihr unter Zeitlimit aufeinanderfolgende Ringe durchfliegen müsst. Je mittiger ihr die trifft desto mehr Punkte und Tempo bekommt ihr. An andere Stelle gilt es Feinde in Form von Krähen, Falken, Geiern und Fledermäusen zu vertreiben oder nach gängiger Seeadlermanier Fische zu fangen.

Simpel aber genial
Einfachheit hat Ubisoft auch zum Thema der Steuerung gemacht. Durch die Bewegung des Kopfes bewegt ihr euch durch die Lüfte. Um engere und schnellere Kurven zu fliegen, müsst ihr den Kopf nach links bzw. recht neigen. Die Bewegungsteuerung funktioniert dabei dermaßen gut, dass man meint, nie wieder anders Fliegen zu wollen.   Beschleunigt wird durch einen Druck auf die rechte Schultertaste, gebremst mit der linken. Durch zwei weitere Buttons könnt ihr einen Schrei ausstoßen, der grafisch als ringförmiges Schallwellengeschoss dargestellt wird und dazu dient eure Gegner abzuschießen oder für kurze Zeit ein Schild aufbauen, That’s it. Die Steuerung hat man sofort verinnerlicht, benötigt allerdings ein wenig Zeit sie wirklich zu meistern.

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Im voranschreitenden Spielverlauf werden die teilweise wahnwitzigen Herausforderungen immer schwieriger – besonders in den engen Schächten der Pariser Metro. Je besser ihr die Aufgaben meistert, desto mehr Punkte erhaltet ihr am Schluss jeder Herausforderung. Die maximal Anzahl von drei Sternen je Aufgabe wird euch sicher eine Weile beschäftigen. Dabei sind die einzelnen Herausforderungen angenehm kurz genug, um es immer wieder probieren zu wollen. Wenn man einmal mit einem Affenzahn durch die engen Häuserschluchten, verrotteten Dachböden oder unter großen Baumwurzeln hindurchgeflogen ist und gerade noch rechtzeitig den dritten Stern geholt hat, ist man angefixt.

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Ein wenig muss man sich die Herausforderung auch selbst stellen. Wer nämlich keinen Sinn für die Highscorejagd besitzt und hier gänzlich unbeeindruckt agiert, hat das Ende der Story nach zwei bis drei Stunden gesehen. Noch limitierter kommt der Multiplayer daher. Ein einziger 3-vs-3-Modus, in dem ihr einen Tierkadaver so schnell wie möglich in euer Nest bringen müsst, ist eindeutig zu wenig. Einem feindlichen Adler durch Kreischbeschuss die Beute abzujagen, im Flug aufzufangen und ins eigene Nest zu punkten macht unheimlich viel Spaß. Wieso Ubisoft hier keine anderen Modi, wie einen Race-Modus oder ähnliches bereitgestellt hat, ist unverständlich. Nach all dem Lob über das originelle VR-Konzept bleibt uns Ubisoft, aber auch der Großteil der anderen Hersteller, noch eines schuldig: mehr Umfang.

Review Overview

Wertung - 7.5

7.5

Mit Eagle Flight bringt uns Ubisoft dem Traum vom Fliegen einen virtuellen Schritt näher. Das erfrischende Konzept, die geniale Steuerung und das herausfordernde Gameplay haben mich auf Anhieb begeistert. Der simple Grafikstil gefällt mir gut und ist in VR sowieso gleich vergessen. Leider kann vor allem der spaßige Multiplayer aufgrund des mickrigen Umfangs letztendlich nicht überzeugen. So krankt Ubisofts Seeadlerabenteuer letztendlich an denselben Kinderkrankheiten wie der Großteil der bisher erhältlichen VR-Spiele. Wer sich daran nicht stört, bekommt ein wirklich schönes und motivierendes VR-Erlebnis. Bitte mehr davon!

User Rating: 4.8 ( 1 votes)
Genre: Action
System:
PSVR, Oculus Rift, HTC Vive
Entwickler: Ubisoft
Erscheint: Erhältlich (HTC Vive 20. Dezember)
Preis: ca. 40 Euro

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