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Review: Bayonetta (Nintendo Switch)

Devil May Cry May Cry

Wer hätte das gedacht? Jahre nachdem sich das ungewöhnliche und exzentrischen Bayonetta mehr schlecht als recht verkaufte, erschien nicht nur eine von Nintendo mitfinanzierte Fortsetzung für die Wii U, sondern sogar im letzten Jahr eine Umsetzung für den PC. Noch bevor der dritte Teil exklusiv für Nintendo Switch veröffentlicht wird, bekommt die neue Nintendo-Konsole auch frische Ports der ersten beiden Abenteuer der Japano-Hexe. Eine feine Angelegenheit, denn kauft ihr Bayonetta 2 im Handel, liegt der komplette erste Teil als Download bei.

Zum Thema: Bayonetta 2 im Review

Um die Bayonetta-Serie besser verstehen zu können, muss man sich einfach nur den Namen hinter dem fulminanten Titel ansehen: Hideki Kamiya war früher bei Capcoms berüchtigtem Clover Studio angestellt und zeigte sich unter anderem für Titel wie Devil May Cry oder Okami verantwortlich. Nach der Schließung des Studios war er einer der führenden Köpfe hinter dem neuen Entwickler Seed Inc., der sich später in Platinum Games umbenannte und mit Bayonetta nach MadWorld sein damals zweites Spiel ablieferte. Die Handschrift des Devil May Cry-Machers ist dabei deutlich zu erkennen, orientiert sich das Gameplay doch sehr stark an der früheren Dämonenjagd mit Dante. Doch wo man damals Neuerungen in Devil May Cry 4 vermisste, bekam man in Platinum Games’ „Neufassung“ technisch, wie auch spielerisch stylische Hack’n’Slay-Action der Superlative geboten.

Doch wie schält sich das erste Bayonetta heute?

Als Hauptaufhänger darf die sexy Protagonistin und Namensgeberin des Titels herhalten: Bayonetta. Die schwarzhaarige Schönheit kommt nicht nur mit Lack- und Lederoutfit daher, sondern weiß auch mit dem Sekretärinnenlook für Schweißperlen auf der Stirn der männlichen Spielerschaft zu sorgen. Als Hexe ist sie eine der dunklen Kräfte auf der Welt, die zwischen Himmel und Hölle steht und für ein Gleichgewicht im Diesseits sorgt. Hört sich für einen Action-Titel vielleicht etwas weit hergeholt an, aber ihr könnt euch die Story wie einen Mix aus „Constantine“ mit Keanu Reeves und Ninja Gaiden vorstellen. Klingt noch immer etwas verrückt, ist aber nun einmal ein Spiel aus dem fernen Osten und eben durch und durch japanisch. Entwarnung kann man allerdings geben, denn nach dem etwas konfusen Spieleinstieg und mit jedem zusätzlichen Storyschnipsel, den ihr im Laufe des rund acht Stunden langen Gemetzels bekommen werdet, macht die erzählte Handlung etwas mehr Sinn und weiß zusätzlich zu fesseln.

Dann kommt es einem auch nicht mehr so weltfremd vor, gegen das himmlische Volk der Engel zu kämpfen und sich gegen die göttlichen Reihen aufzulehnen. Dabei gibt die sexy Hexe nicht nur coole Sprüche von sich und wackelt lasziv mit den Hüften, sondern teilt auch ordentlich aus. Jede einzelne Faser von Bayonettas Körper ist dabei so tödlich, wie jeder andere Action-Held. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie sogar an den Stiefeln Waffen trägt und diese so gut einzusetzen weiß, wie die Hauptwaffen in der Hand. Das Ergebnis, der zunächst etwas übertrieben scheinenden Waffennutzung, ist ein akrobatisches, schnelles und stylisches Kampfsystem, das so nur selten zu sehen ist und am besten als Mischung aus den Kampfkünsten von großem Bruder Dante und Ryu Hayabusa aus Ninja Gaiden beschrieben werden kann. Eine umfassende Komboliste mit unterschiedlichen Angriffen für alle erdenklichen Situationen und Gegner gehört dabei genauso dazu, wie flüssig und aufwendig animierte Specialmoves, die euch in Staunen versetzen werden. Besonders gelungen ist auch der weibliche Touch, den Bayonetta den Kämpfen verleiht, was sich in ihren weichen und runden Bewegungen widerspiegelt und optisch von oben genannten kreativen Vorbildern abhebt.

Meisterhaft

Doch das Kampfsystem bietet mehr als nur zahlreiche Attacken und aufwendig gestaltete Kombos: So wird mit jeder neuen Waffe die Liste eurer Angriffe um neue erweitert und dank der Möglichkeit, mit einem leichten Druck auf die linke Schultertaste augenblicklich zwischen einzelnen Waffensets wechseln zu können, ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten für die diversen Waffen, wie Pistolen, Schwert oder Peitsche. Eine weitere Eigenart von Bayonetta ist, dass sie nicht viel vom Blocken hält und lieber ankommenden Angriffen ausweicht. Spielerisch gesehen hat das zwar keine gravierenden Unterschiede zu einem direkten Verteidigungsmanöver, aber wer in letzter Sekunde ausweicht, kann die sogenannte Hexenzeit aktivieren. Diese Zeitlupenfunktion lässt für wenige Sekunden die Zeit nahezu stillstehen und gibt euch einen entscheidenden Vorteil gegenüber euren Feinden.

Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden ist die Hexenzeit die entscheidende Waffe im Kampf gegen Boss-Gegner und andere starke Kontrahenten. Ein anderes hilfreiches Mittel für zähe Engel sind die Folterangriffe. Diese erlauben es Bayonetta, Gegner in einem Quick-Time-Event mit Hilfe von Eisernen Jungfrauen, Streckbänken oder Kettensägen ordentlich an die Lebenspunkte zu gehen. Wer schon beim Lesen befürchtet, das Spielgeschehen könnte ihn trotz der guten und direkten Steuerung überfordern, sollte trotzdem weiterlesen. Abhilfe schafft nämlich der Automatik-Modus. Dabei könnt ihr mit einem von Anfang an verfügbaren Zubehörteil einen Quasi-Button-Mash-Modus aktivieren. Außerdem lassen dich diverse Special-Moves auf dem Touchscreen der Switch auch per Wischgesten aktivieren.

Keine Zeit zum Durchatmen

Bei so vielen Features braucht es auch angemessene Gegner, an denen man sein Können demonstrieren kann. Hier hat Platinum Games ganze Arbeit geleistet und konfrontiert euch laufend mit neuen Engelgattungen, die immer größer und aggressiver werden. Dabei wurde viel Wert auf die Abwechslung gelegt, weshalb ihr laufend auf neue Herausforderungen stoßen werdet, die eure Reflexe und Anpassungsvermögen auf die Probe stellen. Dank der Vielzahl an unterschiedlichen Feinden kommt dabei nie das Gefühl auf, alles schon zum wiederholten Male gesehen zu haben. Das wahre Highlight sind allerdings die Endgegnerkämpfe, die euch alles abverlangen werden. Diese sind grandios inszeniert und es geschieht nicht selten, dass ihr gegen ein hochhausgroßes Ungetüm antretet, das von der Zehe bis zur Kopf vor optischer Vielfalt und Details nur so strotzt.

Genauso aufwendig verlaufen die Kämpfe, die zum Teil aus direktem Gefecht bestehen und zum Teil mit Quick-Time-Events bewältigt werden müssen. Bei Letzterem übernimmt dann die cineastische Präsentation. Etwa dann, wenn Bayonetta Spezialattacken auslöst, die ihre Haare in riesige Höllendämonen verwandeln und die Engel sehr blutig zu ihrem Schöpfer zurückbefördern. Hier wird euch keine Sekunde zum Durchatmen gegönnt und die Entwickler haben es geschafft, Aktionen, die ihr normalerweise nur in Zwischensequenzen seht, spielbar zu gestalten, was euch durch die Kampagne hindurch auch heute noch immer wieder in Staunen versetzen wird. Die Switch-Version noch dazu deutlich flüssiger als das Original. Gewöhnungsbedürftiger ist da noch immer die musikalische Untermalung, die sprunghaft zwischen J-Pop, Rock und Techno wechselt und erneut die japanische Herkunft unterstreicht. Allerdings wirkt auch der Sound nicht fehl am Platz und sorgt für ein stimmiges Ganzes, das das einzigartige Abenteuer Bayonettas ausmacht!

Angel Attacks

Ein bisschen erinnert es an ein typisches Suda Goichi (Killer7, No More Heroes) Feature, kleine Arcade-Games in Spielen einzubauen. Hinter dem Namen Angel Attacks versteckt sich eine kleine Shooter-Sequenz zwischen den einzelnen Kapiteln. Für jeden abgeschossenen Engel bekommt ihr Punkte gutgeschrieben, die ihr anschließend für unterschiedliche Items eintauschen könnt. Den Rest der Punkte könnt ihr in Ringe eintauschen, die als Hauptzahlungsmittel gelten und im Shop ausgegeben werden können. Wer sich Mühe gibt kann so zusätzliche Ringe gewinnen, um schneller an neue Ausrüstung zu gelangen.

Bayonettas Freude: Shoppen!

Bevor ihr ein neues Kapitel startet und durch Portale in den Levels könnt ihr der Bar „Gates of Hell“ einen Besuch abstatten. Barkeeper und euer guter Freund Rodin zaubert nicht nur leckere Drinks auf den Tisch, sondern hat auch allerlei hilfreiche Ausrüstung und Zubehör für die Engeljagd. Je nach Schwierigkeitsgrad werdet ihr euch hier vor allem mit neuen Heil- und Verstärkungsitems eindecken wollen, um nicht allzu früh den Mächten des Himmels zum Opfer zu fallen, oder eure Ringe in Zubehör investieren. Upgrades für eure Waffen stehen dabei genauso zur Auswahl, wie neue Kampftechniken und Zubehörteile.

Während die ersten beiden Investitionsmöglichkeiten selbsterklärend sind, haben die Zubehörteile den größten Einfluss auf das Spielgeschehen und können das Gameplay maßgeblich verändern. Beispielsweise erlaubt es euch so ein Teil nach dem Kauf automatisch einen Angriff zu starten, wenn ihr erfolgreich einen Ausweichmove ausgeführt habt, oder aber ihr könnt kurzfristig unverwundbar werden. Da ihr beim erstmaligen Durchspielen nicht gerade in Ringen baden werdet, solltet ihr eure Kaufsucht im Zaum halten und das gewonnene Geld überlegt einsetzen. Dafür könnt ihr dem Spiel beim zweiten Durchgang ein frisches Spielgefühl verpassen, indem ihr mit anderen Items spielt.

Nintendo-Fans freuen sich wie schon auf der Wii U über einige exklusive Outfits.

Fazit

Wertung - 8.5

8.5

Verrückt, verrückter, Bayonetta!

Das Hauptproblem an dem sehr gut gealterten und leicht überarbeiteten Bayonetta ist der ebenfalls gleichzeitig erschienene zweite Teil. Bayonetta 2 gefällt dank neuer Spielmodi, aufgebohrter Story sowie noch abgedrehteren Waffen und Gegnern nochmal deutlich besser. Wer Bayonetta noch nie gespielt hat und auf japanische Actiongames wie Devil May Cry und Ninja Gaiden steht, holt sich dieses Spiel, weil das Abenteuer beide Spiele in der Pfeife raucht. Am besten gleich im Doppelpack für rund 60 Euro inklusive Teil 2. Wer die beiden Games gerade erst auf der Wii U gespielt hat, findet nicht viel Neues und darf sich bereits jetzt auf den Actionkracher freuen, der uns mit Teil 3 ins Haus steht.

User Rating: 4.1 ( 1 votes)
Genre: Action
Entwickler: Platinum Games
Erscheint: 16. Februar 2018
Preis: ca. 30 Euro (ca. 55 Euro zusammen mit Bayonetta 2)
System: Nintendo Switch

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