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Review: Alien: Isolation (Nintendo Switch)

Auf der Switch hört dich niemand schreien

SEGAs 2013 veröffentlichte Spiel mit den vom Schweizer Künstler H. R. Giger erschaffenen ikonischen Filmmonstern Aliens: Colonial Marines enttäuschte auf ganzer Linie. Nicht nur war es eine spielerische Katastrophe, sondern auch noch das Zentrum einer dreisten Werbelüge. Im Vorfeld wurde ausschließlich eigens produziertes Videomaterial gezeigt, das wesentlich besser aussah als das fertige Spiel. Das 2014 für Windows, macOS, Linux, PlayStation 4, PlayStation 3, Xbox One und Xbox 360 erschienene Alien: Isolation vom Total War-Entwicklerstudio The Creative Assembly konnte diesen dunklen Abschnitt in der Geschichte der Alien-Videospiele allerdings wieder gut machen. Das beste Alien Spiel seit langen ist nun auch für die Nintendo Switch erhältlich, die Umsetzung überrascht mit einigen technischen Schmankerln.

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Das ganze Schlamassel beginnt immer mit einem Loch in der Brust…

Die andere Ripley

Alien: Isolation kehrt zu den Wurzeln des Alien-Franchise zurück und orientieren sich stark an Ridley Scotts Originalfilm Alien aus dem Jahr 1979. Man übernimmt die Rolle von Amanda Ripley, die 15 Jahre nach den Ereignissen von Alien nach einer Spur ihrer verschwundenen Mutter Ellen sucht. Amanda arbeitet nun bei der zwielichtigen Weyland-Yutani Corporation und erhält die Möglichkeit, den verschollenen Flugschreiber der Nostromo von der Raumstation Sevastopol abzuholen. Natürlich läuft die Situation schnell aus dem Ruder und Amanda wird von ihrem Team getrennt. Gefangen in den beklemmenden Korridoren der auseinanderfallenden Raumstation muss sich Amanda nicht nur gegen gleichermaßen ängstliche und schießwütige Menschen sowie außer Kontrolle geratene Androiden zur Wehr setzen, sondern auch ständig vor einem gefährlichen Alien auf der Hut sein. Nur ein Alien? Genau, denn anders als in allen anderen Alien-Games gibt es hier nur eines der unheimlichen Wesen aus einer anderen Welt.

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Wird man vom Alien erblickt, ist man so gut wie tot.

Meisterhafte Atmosphäre

Am furchteinflößendsten ist Alien: Isolation immer dann, wenn das Alien gerade nicht zu sehen ist. Das tödliche Monster könnte sich überall aufhalten und das Poltern aus den Luftschächten ist auch nicht gerade beruhigend. Ob sich jemand in der Nähe befindet, wird auf einem Bewegungsmelder angezeigt, der allerdings nie die exakte Position bestimmt und auch nur funktioniert, wenn sich der Gegner bewegt. Der Bewegungsmelder erscheint nicht als Anzeige auf dem Bildschirm, sondern muss im von Amanda extra hervorgeholt werden, was den Hintergrund jedoch unscharf werden lässt. Jeder aufleuchtende Punkt auf dem Display des Motion Trackers sorgt für Herzrasen.

Die Entwickler haben ganze Arbeit geleistet, um eine Spielumgebung zu schaffen, die nahtlos an die Optik des Originalfilms aus dem Jahr 1979 anknüpft. Konstant auf der Flucht vor dem in jeder Hinsicht überlegenen Alien, das man nicht töten kann, geht es durch verwinkelte Korridore und spärlich beleuchtete Räume, die in dieser Form problemlos in die Filmvorlage gepasst hätten. Sevastopol wirkt durch all die kleinen Details wie Magazine, Aschenbecher und Kaffeetassen tatsächlich so, als hätten dort bis vor Kurzem tatsächlich Menschen gelebt. Durch akribische Studien der Originaldesigns sieht die Umgebung so aus, als sei sie der Sci-Fi-Vorstellung der 70er Jahre entsprungen. Computerbildschirme mit Bildflimmern und monochromen Strichgrafiken inklusive.

Die grandiose Stimmung wird durch den fantastischen Soundtrack komplettiert, der auf den Originaltönen aus dem Film basiert und dynamisch auf die Ereignisse im Spiel reagiert. Die Musik sorgt zuverlässig dafür, dass auch ruhige Momente nervenzerreißend intensiv sind. Beispielsweise brachte die konstant ansteigende Geräuschkulisse mich dazu, panisch alle Blickrichtungen zu überprüfen, während ich lediglich auf die Ankunft eines Aufzugs wartete. Das geschah wohlgemerkt am Anfang Spiels, als von dem Alien noch keine Spur zu sehen war.

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Die meisten Waffen können gegen das Vieh nichts ausrichten.

Gefahren lauern überall

Nicht nur das Alien wartet in den Schatten. Gruppen von Überlebenden sind – im Gegensatz zu Amanda – ausreichend bewaffnet und schießen auf alles was sich bewegt. Zwar gibt es auch friedliche Menschen, doch das Spiel teilt uns nicht mit, um welche Sorte Überlebender es sich handelt. Diese Erkenntnis gibt es meist erst mit einer Kugel im Kopf. Grundsätzlich ist es also eine gute Idee, sich vorbeizuschleichen und nicht gesehen zu werden. Alternativ kann ein mithilfe des Crafting-Systems zusammengebastelter Geräuschmacher wie eine Granate in die Richtung der Gegner geworfen werden. Das davon angelockte Alien erledigt den Rest. Viel unheimlicher sind die „Working Joes“ genannten Androiden. Sie stammen nicht von der Weyland-Yutani Corporation und sind von minderwertiger Qualität mit leuchtenden Augen, unheimlichen Roboterstimmen und bizarren, maskenhaften Gesichtern. Zwar sind sie grundsätzlich neutral, werden jedoch aggressiv wenn das Protokoll nicht beachtet wird, wir also beispielsweise ein Terminal hacken. Zu allem Überfluss sind sie sehr widerstandsfähig und vertragen eine Menge Schläge, bis sie zu Boden gehen.

Der Star der Show ist allerdings das Alien. Da es nicht als Kanonenfutter herhalten muss, wurde es mit einer großen Portion Intelligenz ausgestattet. Es beobachtet die Umgebung und setzt seine Sinne ein, um sein Opfer aufzuspüren. Deshalb ist es auch wichtig, keinen Lärm zu erzeugen. Laufen ist keine besonders gute Idee. Wird man einmal entdeckt, ist man eigentlich schon tot. Zwar soll das Monster auch lernfähig sein und auch bereits genutzte Ablenkungsmanöver in Zukunft nicht mehr hereinfallen, doch davon konnte ich leider nichts bemerken. Anfangs sind die Begegnungen mit diesem gefährlichen Raubtier extrem nervenaufreibend, doch nach und nach verlieren sie ihren Schockfaktor und verkommen zu einer lästigen Ablenkung auf dem Weg zur nächsten Aufgabe. Auch KI-Bugs sorgen manchmal dafür, dass es den Spieler nicht entdeckt, obwohl es ihm direkt gegenüber steht.

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Im Ranking der furchteinflößendsten Gegner im Spiel kommen die minderwertig konstruierten Androiden gleich nach dem Alien.

Die Werkzeuge des Überlebens

Wie bereits erwähnt ist es notwendig diverse Gegenstände zu bauen, um eine Überlebenschance zu haben. Das sind Medipacks, Rauchbomben, Geräuschemacher und andere Hilfsmittel. Diverse gefundene Objekte wie der Motion Tracker, ein Schraubenschlüssel und gegen Ende ein Flammenwerfer können ebenfalls dafür sorgen, dass man ein paar Minuten länger am Leben bleibt. Das Spiel schreibt meistens nicht vor, welche Hilfsmittel verwendet werden müssen. So kann man sich durchaus dazu entscheiden, den bereits nach einer Stunde gefundenen Revolver im gesamten Spiel nicht einzusetzen. Gegen Androiden ist er ohnehin ineffektiv und der Lärm lockt nur das Alien aus seinem dunklen Versteck.

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Der Flammenwerfer kann das Monster nicht töten, aber wenigstens für kurze Zeit verjagen.

Monotone Aufgaben

Da Amanda technisch versiert ist, hatten die Entwickler eine Ausrede, uns ständig auf der Raumstation hin- und herzuschicken, um Generatoren zu starten, Schaltkreise zu manipulieren und an Computerterminals Knöpfe zu drücken. Das kann die tolle Atmosphäre leider nicht über die gesamte Spieldauer von 15-20 Stunden kaschieren. Nach etwa zehn Stunden stellt sich eine gewisse Routine ein und der Horror ist weniger effektiv, da man sich akklimatisiert und an die Gegebenheiten gewöhnt hat. Hier versäumt das Spiel es, neue Elemente einzuführen und den Spieler auf neue Weisen zu fordern. Gelungen ist hingegen das Speichersystem. In Alien: Isolation muss man nämlich ohne Autosaves auskommen. An speziellen Speicherterminals will der Fortschritt manuell gesichert werden, was jedoch ein Risiko ist, da sich während des Speichervorgangs Gegner an den Spieler heranschleichen können. Zusätzliche Abwechslung bringen die in der Switch Version bereits enthaltenen DLCs, darunter auch eine Mission in der ihr Ellen Louise Ripley spielen könnt.

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Das Hacking-Minispiel ist zwar einfach, aufgrund der konstanten Gefahr allerdings sehr stressig.

Technische Meisterleistung

Mehr als beeindruckend ist die technische Umsetzung von Alien: Isolation auf der Nintendo Switch. Feral Interactive zeichnet sich für die Umsetzung auf die Nintendo Konsole verantwortlich und hat ganze Arbeit geleistet. So stellt die Version sowohl im Handheldmodus als auch am TV, nicht nur die Xbox 360 und PS3 Version in den Schatten modern kratzt in einigen Bereichen sogar an der PS4. Ruckelnden Zwischensequenzen oder lästiges Tearing gehört also der Vergangenheit an. Auch optionales gyroskopisches Zielen und HD-Rumble wurden integriert. So geht auch der Preis von rund 35 Euro für die Neuauflage des Spiel und alle erschienen zusätzlichen Inhalte in Ordnung.

Review Overview

Wertung - 8

8

Alien: Isolation gilt zu Recht als eines der besten Alien Spiele. Das namensgebende Monster ist extrem bedrohlich, die Atmosphäre samt Soundtrack ist nahezu perfekt und das Gameplay basiert nicht auf stumpfem Herumgeballere. Leider geht der Kampagne in der zweiten Hälfte aufgrund von Abnutzungserscheinungen und einem Mangel an neuen Ideen die Puste aus und auch die Geschichte weiß nicht so recht zu fesseln. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau, da es sich hier um ein extrem gutes Stealth-Horror-Spiel handelt das auf der Switch teilweise sogar die PS4-Fassung in den Schatten stellt.

User Rating: 4.33 ( 3 votes)
Genre: Survival-Horror
Entwickler: Feral Interactive (The Creative Assembly)
Erscheint: Erhältlich
Preis: ca. 35 Euro
System: Nintendo Switch (PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One & PC ebenfalls erhältlich)

 

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