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Preview: Mount & Blade 2: Bannerlord

Das türkische Entwicklerstudio TaleWorlds Entertainment mit Hauptsitz in Ankara konnte sich mit seiner Mittelalter-Sandbox-Simulation Mount & Blade und den beiden Erweiterungen Warband und With Fire and Sword bereits eine solide Fanbase und begeisterte Community anlachen. Kein Wunder, denn Mount & Blade bot eine für das Setting nie dagewesene Freiheit, die den Spieler gänzlich ohne roten Faden in eine vielschichtige und realistische Mittelalterwelt warf, in der sich jeder nach eigenem Ermessen verhalten und verwirklichen konnten. Egal ob als Händler, böser Halunke oder Feldherr: Jede Richtung bot spannende Aufgaben und knifflige Herausforderungen. Für Mount & Blade 2: Bannerlord haben sich die Entwickler nun das Ziel gesetzt, all die Stärken des Vorgängers in exzessivem Maße auszubauen, ohne die Essenz des Spielprinzips zu verlieren.

Freedom!!!
In erster Linie äußert sich dies natürlich in dem für Mount & Blade wohl wichtigsten Gameplay-Element: Freiheit. So dürfen sich Spieler in Mount & Blade 2: Bannerlord  als Galdiatoren in verschiedenen über das Land verteilten Arenen einen Namen machen, als Schmied beweisen, als Händler bis zu einem Adelsfürsten nach oben wirtschaften und anschließend eigene Burgen und Dörfer bauen, um letztendlich ganze Handelsdynastie zu führen. Aber natürlich darf sich auch als einfacher Soldat am Schlachtfeld bewiesen werden, um anschließend erst zum Ritter und dann zum Heeresführer aufzusteigen und gigantische Streitkräfte in mächtige Schlachten zu führen.

500 statt 300
Die Schlachten und das Kampfsystem selbst wurden hierbei ebenfalls gänzlich überarbeitet. So dürfen diesmal bis zu 500 Soldaten per Third-Person-Schnellanweisungen über gigantische Schlachtfelder dirigiert werden, während man selbst an deren Spitze in die Gegnerhorden prescht oder sich das Geplänkel aus sicherer Entfernung ansieht. Im finalen Spiel könnten sich laut Entwickler sogar bis zu 1000 Kämpfer auf einem Schlachtfeld tummeln, die diesmal dank stark überarbeiteter KI auch weit intelligenter und mit eigenem Überlebenstrieb agieren sollen.

Abrisskommando
Durch das neue physikbasierte Kampfsystem sehen solche Schlachten und allgemein Kämpfe nun auch deutlich realistischer aus. Schwertschläge, die den Gegner kaum berühren, verursachen auch dementsprechend nur wenig Schaden, während ein Schlag mit voller Breitseite den Gegner gleich niederstreckt oder zumindest in die passende Richtung taumeln lässt. Noch auffälliger ist die Physik wenn eine Kavalerie in Keilformation durch eine ganzes Bataillon an Fußsoldaten mäht, während deren Körper zu Boden gerissen oder davongeschleudert werden. Das besiegte Heer kann anschließend wieder wie eine Weihnachtsgans ausgenommen und die überlebenden Soldaten versklavt und verkauft, in die eigenen Reihen aufgenommen oder hingerichtet werden. Ausführliche Statistiken ermöglichen es dem Spieler außerdem, nach der Schlacht tiefgehende Analysen der eigenen Taktik und Effizienz anzugehen.

Schmiedwirtschafts-Simulator 2017
Völlig neu ist diesmal auch die Möglichkeit Schwerter, Äxte und Speere in geradezu unglaublichem Detailgrad selbst zu designen. Von Klinge über Griff bis Parierschutz und Knauf kann aus einer irrwitzigen Bandbreite an Teilen gewählt werden und diese sogar nach persönlicher Vorliebe vergrößert oder verkleinert werden. Diese Veränderungen haben jedoch nicht nur optische Auswirkungen, sondern spiegeln sich ganz deutlich in den Werten der Waffe in Form von Gewicht, Länge, Schwunggeschwindigkeit und Schaden, Stichgeschwindigkeit und Schaden sowie der Balance wieder. Diese Waffen treten natürlich auch bei euren Feinden zufallsgeneriert auf und wer beispielsweise das eigens designte Schwert eines feindlichen Lords aus dessen toten Händen reißen und anschließend damit dessen ganze Familie hinstrecken möchte, kann dies durchaus tun. Bisher wurde dieses System jedoch nur für Nahkampfwaffen vorgestellt.

Hass, Liebe und Hiebe
Aber auch abseits der Kämpfe hat sich viel getan. Die neue Weltkarte in Bannerlord ist über viermal so groß wie im Vorgänger und bietet von grünen Graslandschaften über staubige Wüsten bis hin zu eisigen Berggipfeln jede Menge Abwechslung. Das neue Jahreszeitensystem beeinflusst das Spielgeschehen zusätzlich. Dörfer sind nun gefüllt mit Leben, anstatt nur ein bis zwei Quest-NPCs zu beherbergen und teilen sich meist in mehrere, oft verfeindete Untergruppierungen wie Adelige, Banditen oder Händlergilden auf, deren Vertrauen jeweils erst verdient werden muss. Per vielfältigen Dialogoptionen lassen sich diplomantische Beziehungen mit anständigem Tiefgang entwickeln, während komplexe Systeme im Hintergrund Einfluss, Charme, Moral und Bedrohung abwiegen und sämtliche im Spielverlauf getätigte Aktionen die Welt um euch beeinflussen. So schließt sich euch ein bereits verängstigter Burgherr vielleicht ganz ohne Schlacht an, während ein stolzer Heeresführer sich möglicherweise durch Beleidigungen und blutigen Abschlachtungen befreundeter Streitkräfte aus seiner barrikadierten Festung locken lässt.

Schau, Gras!
Grafisch hat der Titel ebenfalls einen großen Satz nach vorne gemacht und kann mit hübschen Lichtverhältnissen, dicht mit sich im windbewegenden Gräsern und Bäumen bewachsenen Feldern und Wäldern sowie überraschend gut aussehenden Partikeleffekten punkten. Zwar befindet sich der Titel dennoch bei weitem noch nicht auf dem Niveau eines The Witcher 3 oder Dark Souls 3, wirkt aber dennoch deutlich zeitgemäßer als der Vorgänger, der bereits zu seinem Release veraltet aussah.

Ersteindruck
Als anfangs kleines Indie-Studio waren den Ressourcen von TaleWorlds Entertainment natürlich Grenzen gesetzt, weswegen die Idee und das Konzept von Mount & Blade seit jeher stärker war als seine tatsächliche Umsetzung. Durch den Erfolg des Vorgängers wuchs das Studio jedoch zu einer stattlichen Größe heran und arbeitet nun seit sechs Jahren an Mount & Blade 2: Bannerlord. Das Resulat kann sich bereits jetzt sehen lassen und scheint die damalige Vision der Entwickler endlich würdig umzusetzen. Auch wenn das letztes Jahr für 2017 angekündigte Releasdatum vorraussichtlich nicht eingehalten wird, freue ich mich bereits jetzt schon sehr darauf, Dutzende Stunde in die liebevolle Mittelalterwelt von Mount & Blade 2: Bannerlord zu versinken. (bz)