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Neo Geo Mini International im Retro-Check

Das Neo Geo war 1990 das erste Arcadesystem, bei dem Spiele durch Austausch einer Cartridge gewechselt werden konnten. Die Kosten für das Gehäuse wurden damit minimiert. Passend zum 40-jährigen Geburtstag der Firma SNK (Shin Nihon Kikaku – Neues Japan Projekt), wurde das Neo Geo Mini in Japan am 24.Juli 2018 veröffentlicht, während man in Europa und Nordamerika bis Ende September auf die International Edition warten musste. Der größte Unterschied der beiden Versionen sind vierzehn ausgetauschte Spiele. Während in Japan noch mehr Fighting Games (u.a. die komplette King of Fighters Serie) vorhanden sind, sind es in der International Edition mehr Run-and-Gun-Spiele (u.a. Metal Slug bis Teil 5). Etwas mehr Abwechslung hätte nicht geschadet. Hier die vierzig Spiele im Einzelnen:

Design und Inhalt

Auch am Design wurden leichte optische Änderungen vorgenommen. Während die Japan Edition eher bunt ist und an die Spielhallenautomaten erinnert, ist die International Version etwas schlichter gehalten und orientiert sich eher an die später veröffentlichten Heimkonsolen. Das Mini-Kabinett aus Plastik ist sauber verarbeitet, auch wenn nicht alle Kanten abgerundet sind. Auf der Rückseite des Neo Geo Mini befindet sich der Ein- und Ausschalter, der Mini-HDMI-Ausgang (Kabel muss separat gekauft werden), 3,5mm-Klinke für Kopfhörer und der Stromanschluss. Es wird zwar USB-Stromkabel mitgeliefert, der Stecker fehlt aber. Leider ist auch kein Akku im Gerät verbaut, sodass man nur mit angeschlossenem Strom oder Powerbank spielen kann. Zusätzlich liegen ein paar Sticker zum Verzieren des Kabinetts bei.

Steuerung

Gespielt wird mit dem Arcade-Analogstick und vier Buttons. Der Analogstick ist etwas schwammig, was vor allem bei sehr präziser Steuerung, wie zum Beispiel beim Spiel Puzzled, negativ auffällt. In der Schnelle die Tetrisblöcke an die richtige Position zu bewegen missglückt dadurch öfters. Die Buttons haben einen guten Druckpunkt und funktionieren einwandfrei. Das Gehäuse liegt bei einem Gewicht von 390 Gramm gut in den Händen und lässt sich gut bespielen. Zumindest hatte ich mit meinen mittelgroßen Händen nach gut einer Stunde noch keinerlei Probleme. Trotz seines relativ geringem Gewichts steht es ziemlich fest auf dem Tisch und rutscht nicht weg. Wem das Spielen am Kabinett auf Dauer zu umständlich ist, der kann ein Neo Geo Mini Pad in Schwarz oder Weiß dazu kaufen. Der Controller liegt gut in der Hand und ist etwas präziser als der im Gerät eingebaute. Leider ist auch hier ein Analogstick verbaut, sodass zumindest bei der Steuerung kein echtes Neo Geo/Automaten-Feeling aufkommt. Bis zu zwei Gamepads finden Anschluss am Gerät, welche für einen Zweispieler-Modus aber nicht unbedingt benötigt werden, da einer der beiden Spieler auch mit dem integrierten Pad des Mini-Arcades spielen kann. Die beiden USB-C-Anschlüsse sind jeweils auf einer Seite des Geräts angebracht.

Bildschirm und Menü

Der Neo Geo Mini erinnert ein wenig an den GameBoy Advance SP. Der verbaute LCD-Screen im originalen 4:3-Format ist 3,5 Zoll (8,89 cm) groß und in vier Helligkeitsstufen regelbar, sodass auch bei hellerem Licht das Bild gut zu erkennen ist. Beim Spielen fallen keine negativen Schliereneffekte auf und die Farben leuchten. Der Ton kommt laut und deutlich aus den Boxen und kann im Menü in fünf Positionen angepasst werden. Das Menü selbst ist recht spärlich, außer den bisher genannten Einstellungen für Helligkeit und Lautstärke, gibt es nur noch die Einstellung für die Menüsprache, welche keinerlei Auswirkung auf die Spiele hat, die sind alle in Englisch. Unter Art ist eine Sortierreihenfolge der Games versteckt, welche entweder in der Standard- oder in einer zuletzt gespielten Reihenfolge angezeigt werden können. Ist man in einem Spiel, tauchen dort noch die Punkte Speichern und Laden auf, um jederzeit im Spiel, bis zu vier Speicherpunkte anlegen zu können. Die Spielstände werden durch gefüllte Kreise unter dem Thumbnail des Games angezeigt und bleiben auch nach dem Laden erhalten.

Emulation

Die Spiele werden gut emuliert und es fallen keine negativen Slowdowns auf. In den Optionen der Spiele können Schwierigkeitsgrad, Anzahl der Credits und teilweise auch die Spielsprache eingestellt werden. Wenn die Spiele Speicherstände oder Highscores anbieten, können diese ebenfalls auf einer virtuellen Speicherkarte gesichert werden. Häufig wird auch die Steuerung im Introvideo erklärt. Wobei natürlich nicht die Anordnung der Knöpfe des Minis berücksichtigt werden, sondern die der Originalhardware. Da die Buttons aber auch A, B, C, D lauteten, ist dies mit ein wenig Eingewöhnung kein Problem.

Ein paar Highlights

Die Metal Slug ist sicherlich den meisten ein Begriff, schließlich ist es die Shoot ‚em up-Serie auf dem Neo Geo. Die ersten fünf Teile plus Metal Slug X sind dabei und immer noch spielenswert. Dank mehreren Credits und einstellbarem Schwierigkeitsgrad kann man es ziemlich weit schaffen. Wie gemacht für den kleinen Bildschirm.

Auch Shock Troopers ist ein Shoot ‚em up, man spielt ein Mitglied einer Spezialeinheit, um einen entführten Wissenschaftler und seine Enkeltochter zu retten. Hier kann man auch als Dreierteam spielen und seine Figur jederzeit auf Knopfdruck wechseln. Der Nachfolger Shock Troopers: 2nd Squad verzichtet auf ein Dreierteam und spielt sich eher wie ein Beat ‚em up.

Crossed Swords ist ein Hack and Slash Beat ‚em up Action RPG, welches ein Vorgänger von Dark Souls sein könnte. Verteidigung geht vor Angriff. Man bewegt sich nach links und rechts, um Gegnern auszuweichen, deren Angriffe zu blocken und im richtigen Moment selber zuzuschlagen. An Weggabelung kann man den weiteren Verlauf selbst bestimmen.

Die King of Fighters-Serie ist mit insgesamt fünf Titeln (1995 – 2002) vertreten. Die Reiheführte das Ausweichen, das Abrollen und das 3 gegen 3 Teamkampfsystem ein.

Blazing Star ist ein Shoot ‚em up ähnlich R-Type und nach dem Probespiel auf der Gamescom einer der Hauptgründe, warum ich mir den Mini geholt habe. Auf dem kleinem Display ist es allerdings noch schwerer, da es nicht so einfach ist, den vielen kleinen Geschosse im Überblick zu behalten.

Gost Pilots ist zwar kein besonders guter vertikal scrollender Shooter, selbst die Grafik ist für Neo Geo nichts besonderes, mich hat es aber dank der Ähnlichkeit zu Banshee überzeugt. Man sitzt in einen Wasserflugzeug und schießt auf alles was sich auf dem Boden oder in der Luft bewegt.

Mini-HDMI-Anschluss

Wird das Neo Geo Mini an den Fernseher angeschlossen, zeigt das Display des Kabinetts nur noch das Neo Geo-Symbol, während das Bild am Fernseher nicht den kompletten Bildschirm ausfüllt. Im Menü können nun statt  der Einstellungen für den integrierten Bildschirm zwei Einstellungen für den Fernseher getroffen werden. Man kann zwischen 4:3 und 16:9 wählen und eine Optimierung ein- oder ausschalten. Meine Empfehlung wäre 4:3 und Optimierung ein, da so eine gute Qualität erhalten bleibt. Wird das Bild auf die volle Höhe oder auf 16:9 gestreckt, verschlechtert sich die Bildqualität und es wird unscharf.

Fazit

Ist das Gerät seine rund 140 Wert (3,50 Euro pro Spiel) wer? Das muss jeder für sich entscheiden. Für die meisten kommen nochmals 30 Euro für ein Pad und 10 Euro für ein Mini-HDMI Kabel hinzu, was die Spiele im Schnitt nochmal 1 Euro teurer macht. Sehen die Spiele auf einer aktuellen Konsole besser aus, wahrscheinlich ja, kann man sie besser steuern, nicht unbedingt, falls nicht gerade ein Arcadeboard zur Verfügung steht. Ich habe den Kauf nicht bereut. Ich hatte nicht ein Spiel in meiner Sammlung und es sind genügend Games dabei, die mein Interesse weckten. Die Spiele sind dank 2D-Grafik gut gealtert und machen heute noch Spaß. Die Herkunft aus der Spielhalle merkt man den Emulationen zwar an, machen aber gerade den Charme aus. Das Kabinett sieht richtig schick aus und dank eingebautem Monitor läuft das Mini bei mir deutlich öfter als die Nintendo-Minis, die eher als Staubfänger herhalten müssen. Mir war es auf jeden Fall das Geld wert und zeige mit beide Daumen nach oben. (Dirk Ziegert)

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