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Kolumne: Warum der GTA-Publisher keinen Gewinn macht

Grand Theft Auto. Bei dem Namen schlagen die Herzen höher. Videospieler denken an heiße Verfolgungsjagden in Vice City, Hip-Hop-Kultur in San Andreas oder die actiongeladenen Raubüberfälle in GTA V. Und auch “Anzugträger” mögen den Namen sehr. GTA V hat sich seit dem Release auf PS3/Xbox 360 und dem Re-Release auf PS4, Xbox One und PC zu DEM Evergreen-Spiel der letzten Jahre entwickelt. Mit über 85 Millionen verkauften Einheiten (Hineinverkauf, nicht Durchverkauf) hat GTA V mittlerweile sogar Wii Sports geschlagen.

Laut Publisher Take-Two ist GTA V das bestverkaufte Spiel der US-Geschichte und auch dem Umsatz nach das erfolgreichste. Der Erfolg scheint kein Ende zu haben. Regelmäßig findet sich GTA V in den Bestsellerlisten wieder. Egal, welche anderen großen Spiele zum gleichen Zeitpunkt erscheinen. Mehr noch: Die Verkaufszahlen scheinen proportional zu den Konsolenverkaufszahlen der PS4 und Xbox One zu steigen. Sprich, wer sich eine Konsole kauft, kauft sich auch GTA V dazu.

Zudem lässt ein gewisser Modus die Kassen stärker als alles andere klingeln: Grant Theft Auto Online. Mit Mikrotransaktionen haben die Entwickler einen ganz neuen Geldhahn erschaffen, der Auswirkungen für alle zukünftige Spiele des Publishers haben dürfte. Die Leute spielen viel GTA Online und kaufen viel in GTA Online. Dass sich Konkurrenzprodukte wie Watch Dogs 2 trotz guter Qualität kaum etablieren können, dürfte zum großen Teil an GTA Online mit seinen regelmäßigen Content-Updates liegen. Warum sich ein anderes Open-World-Actionspiel kaufen, wenn man doch stattdessen einfach weiter GTA V und GTA Online spielen könnte?

Aber wo ist der Gewinn?

All das ist schön und gut. Aber schaut man sich die Geschäftszahlen von Take-Two genauer an, verstehen Unwissende die Welt nicht mehr. Take-Two macht seit dem Release von GTA V kaum Gewinn. Die Erlöse sind den Erfolgen entsprechend immens hoch, aber am Ende bleibt nur wenig übrig. Wie ist das möglich? Schlechtes Management? Extrem teure Entwicklung? Günstig ist die Entwicklung von Mammutprojekten wie GTA V definitiv nicht, aber natürlich steckt hier mehr drin, als man ursprünglich glauben könnte. Take-Two möchte überhaupt keine großen Gewinne erwirtschaften.

Das dürfte auf dem ersten Blick merkwürdig klingen. Warum sollte ein Unternehmen keine Gewinne erwirtschaften wollen? Gewinne bedeuten Erfolg, Erfolg bedeutet Geld, Geld ist gut. Gewinne haben aber ein großes Problem: Steuern. Wer viel Geld verdient, muss auch hohe Steuern zahlen. Steuern gehen an den Staat und verlassen damit das Unternehmen. Intelligenter wäre es doch, das Geld im Unternehmen zu behalten. Also heißt es: Investieren, Investieren, Investieren. Statt auf Gewinne zu zielen, konzentriert sich Take-Two auf Wachstum. Das spart Steuern und schlägt sich enorm auf das Gesamtvermögen aus, das sich in den letzten vier Jahren fast verdreifacht hat.

Strategie ist nicht neu

Alleine ist Take-Two mit dieser Strategie nicht, auch wenn andere große Publisher wie Ubisoft, Electronic Arts und Activision Blizzard dieser nicht folgen. Der Vergleich ist hier auch nicht allzu passend, da Take-Two ein relativ kleiner Publisher ist. Es gibt aber noch ein Unternehmen, das ebenfalls kaum Gewinne erzielt und trotzdem immer erfolgreicher wird: Amazon. Die Erlöse steigen und steigen, Gewinne bleiben am Ende aber kaum welche übrig. Natürlich verschwindet das Geld nicht, stattdessen investiert es Amazon in den verschiedensten Bereichen. Sei es für den smarten Lautsprecher Alexa oder ein Programm zum Aufbau einer Armada aus Paketdrohnen. Amazon möchte überall eine Rolle spielen, um auch das Wettrennen mit dem chinesischen Konkurrenten Alibaba nicht zu verlieren.

Und was sagt der Markt zur Strategie? Die Aktienkurse von Take-Two und Amazon steigen und steigen weiter. Lag der Aktienkurs beim GTA V-Release im September 2013 noch bei ungefähr 17 US-Dollar, ist dieser mittlerweile auf über 115 US-Dollar gewachsen. Irgendwann werden die Unternehmen umschwenken und Gewinn erwirtschaften müssen. Aktuell sind die Aussichten für Take-Two aber besonders gut. Mit Red Dead Redemption 2 dürfte ein weiterer Hit erscheinen. Sollte dann auch noch der Online-Modus ähnlich erfolgreich wie GTA Online sein, hätte Take-Two gleich drei ständige Geldflüsse an Mikrotransaktionen im Repertoire, die das Wachstum weiter fördern werden. GTA Online, NBA2K Online und Red Dead Redemption Online. Wer braucht da noch Gewinne?

Notable Replies

  1. Ifrit says:

    Kann ja nur in einem Crash enden. Unendliches Wachstum ist nicht möglich.

  2. Ich denke das steht in der Kolumne, das dies nicht immer möglich sein wird.

  3. Das stimmt, aber du kannst den Marktanteil auf 100% steigern und da der Markt schneller wächst, kannst du bis zur Sättigungsperiode unendlich wachsen (theoretisch) oder zumindest die Marktdominanz ausbauen. Take Two dominiert nicht mal den Markt, also wäre es ratsam, das zu versuchen.

  4. Ifrit says:

    Dann mal so: der Markt kann nicht bis ins unendliche wachsen.

  5. Klar, du bist Naturwissenschaftler für dich heißt unendlich wirklich unendlich. T2 wird aber in China, Indien so viel zu tun haben, dass es für Generationen reicht.

  6. Ifrit says:

    :sweat_smile: erwischt

  7. Ifrit says:

    Der Vergleich hinkt ein wenig: Das Universum ist quasi unendlich, die Erde ist demgegenüber eine Kugel mit begrenztem Platz - daher kann auf der Erde, egal in welchem System, ob naturwissenschaftlich oder wirtschaftlich, kein ewiges Wachstum stattfinden.

    Wenn Schrumpfen negatives Wachstum sein soll…schön. In meinen Augen ist das eine hübsche Umschreibung, da man in der Wirtschaft ne Aversion gegen bestimmte Wörter hat. Ändert aber nichts an dem Umstand, dass eben pos. Wachstum nicht ewig stattfinden kann.

    11 Mrd Menschen - von denen dann wie viele die Kaufkraft haben die das Unternehmen braucht? Ich glaube das der Großteil davon in Armut leben wird und das bisschen Geld für andere Dinge als Videospiiele braucht.

    Was ich hier sehe ist eher, dass eine Blase aufgebaut wird (wie damals bei den Immobilien) bis diese eben Platzt. Dann hat sich das Unternehmen irrsinnig vergrößert, muss aber aufgrund geringerem Umsatz eben wieder ein paar 100 Leuten den Job kündigen - oder schlimmeres.

    Und alles nur um Steuern zu vermeiden…naja.

  8. Naja, als Adam Smith hat im 18 Jhdt gelebt. Der hat auch Kreditnahme mit negative saving ausgedrückt, weil man damals nicht den Fachjargon hatte. Der hat das nicht euphemistisch gemeint :smiley:

    Klar diese 11 Mrd Menschen haben zumeist sehr wenig Kaufkraft, aber 20% sind trotzdem 2,2 Mrd

    Es wird ja auch ständig die Geldmenge vermehrt (Kredite: Da wird Buchgeld erschaffen, das kommt aus dem nichts), was dazu führt, dass die Kaufkraft steigt. Um eine Hyperinflation zu vermeiden, müssen Produktionen angefacht werden. Wir haben heute so wenig Inflation wie noch nie und trotzdem wird so viel Geld geschaffen, wie noch nie, das heißt der Konsum stieg extrem, so sehr wie noch nie. Faktisch tun alle so, als würde der Markt unendlich wachsen.

  9. Ifrit says:

    Stimmt. Kann er meiner Meinung aber nicht und dann haben wir wieder einen Börsencrash.

  10. Zuerst kommt die Bitcoinblase :smiley:

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