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PS Plus Preis

Kolumne: PS Plus wird teurer – Wie reagieren die Kunden?

Im Mittelpunkt der Wirtschaft steht der Preis. Ob nun in der Wissenschaft oder im Alltagsgeschäft, keine andere Komponente ist wichtiger als der Preis. Ein elementarer Bestandteil vieler Modelle, Theorien und unumstößlicher Realitäten. Eine davon: Wenn der Preis steigt, sinkt die Nachfrage. Die Frage ist nur, wie stark sinkt sie?

Die lineare Nachfragefunktion

PS Plus Preis

Diese Grafik beschreibt die lineare Nachfragefunktion. Eine Nachfragefunktion ist nicht immer linear, sie eignet sich aber perfekt zur Veranschaulichung der Nachfrageveränderung bei einer Preisänderung. P ist der Preis, Q die Menge und D die Nachfrage. Ist der Preis 16 Euro, beträgt die Nachfrage 0 (Punkt z1). Das Gut ist zu teuer und keiner möchte es kaufen. Dieser Preis wird Prohibitivpreis genannt. Ist der Preis 0 Euro, beträgt die Nachfrage 4 (Punkt z2). Selbst wenn das Gut kostenlos sein sollte, maximal 4 Kunden würden das Gut nachfragen. Das ist die sogenannte Sättigungsmenge.

Nehmen wir nun an, dass der Preis 4 Euro ist. Aus der Grafik lässt sich schnell erkennen, dass die Nachfrage dann 3 betragen müsste (Punkt x1). Nehmen wir weiter an, dass der Preis nun steigt, von 4 Euro auf 8 Euro. Die Nachfrage würde auf 2 sinken (Punkt x2).

PS Plus Preis

Es leuchtet auch ein, dass die Nachfrage im Regelfall sinken muss, wenn der Preis steigt. Manche Konsumenten können sich das Gut nicht mehr leisten oder sind einfach nicht dazu bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Gibt es ein ähnliches Gut einer anderen Marke, könnten diese Kunden auch recht einfach auf das günstigere Gut ausweichen.

Beispiel PlayStation Plus

Sony hat angekündigt, die Preise seines Online-Dienstes PlayStation Plus (PS Plus) ab dem 31. August zu erhöhen.

  • Bei einer jährlichen Abrechnung ändert sich der Preis von € 49,99 zu € 59,99 pro Jahr.
  • Bei einer vierteljährlichen Abrechnung ändert sich der Preis von € 19,99 zu € 24,99 pro Vierteljahr.
  • Bei einer monatlichen Abrechnung ändert sich der Preis von € 6,99 zu € 7,99 pro Monat.

Somit erhöht sich der Preis der jährlichen Abrechnung (sicherlich die beliebteste Abo-Option) um 20 %. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht wird PS Plus um den Streaming-Dienst PS Now erweitert, vielleicht ziehen bald Filme in das Angebot, vielleicht sieht sich Sony auch einfach in einer Position der Stärke. Als klarer Marktführer kann man seine Position natürlich auch nutzen, um die Erlöse anzukurbeln. Sony vereint Hard-, Software und Online-Dienste unter der Namen “Games & Network Services”. Im letzten Jahr erhöhten sich die Erlöse um gut 6 % und der Gewinn um knapp 53 %. Man kann sich also ausmalen, was ein PS Plus-Preisanstieg von 20% für Sonys Geschäftszahlen bedeuten könnte.

PS Plus Preis

Preiselastizität

Aber wie werden die Kunden reagieren? Um die relative Nachfrageveränderung (in Prozent) eines Preisanstieges zu berechnen, verwendet man die sogenannte Preiselastizität. Je höher die Preiselastizität, desto stärker verändert sich die Nachfrage. Sie reagiert.

Der erste Extremfall ist die vollkommen elastische Nachfrage. Bei einem Preisanstieg sinkt die Nachfrage auf 0, bei einer Preissenkung steigt die Nachfrage ins Unendliche.

PS Plus Preis

Wikipedia verwendet hier das Beispiel einer 5 Euro-Banknote. Kostet sie mehr als 5 Euro, will sie keiner haben. Kostet sie weniger als 5 Euro, möchte sie jeder haben.

Der andere Extremfall ist die vollkommen unelastische Nachfrage. Hier ist die Nachfrage konstant, egal wie sich der Preis auch verändert.

PS Plus Preis

Als Beispiel könnten lebenswichtige Medikamente dienen. Ob diese nun immer teurer werden, kranke Personen müssen sie trotzdem kaufen. Einer der Gründe, warum Monopole im Medikamentenmarkt lebensgefährlich sein können.

Wie elastisch ist die PS Plus-Nachfrage?

Aber wir befinden uns nicht im Medikamentenmarkt, sondern im Videospielmarkt. Die Nachfrage nach PS Plus ist weder vollkommen elastisch, noch vollkommen unelastisch. Ist sie denn überhaupt elastisch?

Wäre sie proportional elastisch, sähe die Nachfrageänderung so aus:

PS Plus Preis

Verändert sich der Preis um 1 %, verändert sich auch die Nachfrage um 1 %. Für PS Plus hieße das, die Nachfrage würde um 20 % sinken, da der Preis um 20 % steigt.

Wird die Nachfrage aber um ganze 20 % sinken? Wird ein Fünftel der Kunden ihr Abo beenden oder nicht wieder erneuern? Trotz des Unmutes um die deutliche Preiserhöhung, ist es doch eher unwahrscheinlich. Hier greift eine der umstrittensten aber stärksten Eigenschaften von PS Plus und Xbox Live Gold. Wer Online spielen möchte, muss diese Dienste abonnieren. Für viele Spiele ist der Online-Multiplayer ein elementarer Bestandteil des Gesamtpakets. Für viele Spieler ist der Online-Multiplayer damit ein elementarer Bestandteil ihres Hobbys.

Den PS4-Kunden bleibt auch nicht viel anderes übrig, als mehr zu bezahlen. Der Wechsel zur Xbox One bringt nicht viel, da ein Jahr Xbox Live Gold ebenfalls 59,99 Euro kostet. Ihre volle Freundesliste möchten die PS4-Nutzer sicherlich auch nicht aufgeben, auch wenn sie nun 20 % mehr zahlen müssen. Die einzige Option ist der Wechsel auf den PC. Mit seiner offenen Struktur ist es hier fast unmöglich, für Online-Multiplayer Geld zu verlangen. Viele scheuen sich aber vor dieser Option, weil Konsolen einfacher zu bedienen sind und weil auch hier wieder sich der Freundeskreis auf einer anderen Plattform etabliert hat. Da Konsolen Netzwerkgüter sind, spielt das eine große Rolle.

Somit dürfte die PS Plus-Nachfrage unelastisch sein.

PS Plus Preis

Der Preis steigt um 20 % an, die Nachfrage dürfte um weniger als 20 % sinken. Das sähe sicherlich ganz anders aus, wenn PS Plus nur aus der Instant Game Collection (den “kostenlosen” Spielen pro Monat) und exklusiven Rabatten bestünde.

Sony hätte sich das Timing für die Preiserhöhung, die nun mal immer eine schlechte Nachricht ist, nicht besser aussuchen können. Die letzten zwei Monate lieferte die Instant Game Collection große AAA-Spiele ab, was die meisten Abonnenten zufriedenstellen dürfte, und wir befinden uns kurz vor dem Start der großen Online-Spiele-Season 2017. Madden NFL 18, Destiny 2, FIFA 18, Call of Duty: WWII. Sie alle leben vom Online-Multiplayer. Sie alle gehören zu der Riege an Spielen, für die sich viele Konsumenten überhaupt erst eine Konsole gekauft haben. Wer sich hingegen überhaupt nicht für Online-Multiplayer interessiert, der möchte womöglich seinen Zugang zur “kostenlosen” Instant Game Collection nicht wieder verlieren. Wie man es auch dreht und wendet, Sony hat geschickt einen kostenpflichtigen Dienst installiert, der mit dieser Preiserhöhung die Erlöse aus der “Games and Network Services”-Sparte kräftig anheben dürfte.

Das mag zwar für viele Spieler unschön sein, aber es ist Realität. Die einzige Chance, dass sich am kostenpflichtigen Online-Dienst etwas ändert, wäre ein Szenario, in dem Sony und Microsoft noch lukrativere Dienste entwickeln würden. Lange Zeit gab es den Online-Pass für viele Spiele, der den Multiplayer-Modus für einzelne Spiele kostenpflichtig machte. Dieses Konzept wurde aber wieder eingestellt. Nicht aus Kundenfreundlichkeit. Sondern, weil mal mit einem kostenlosen Multiplayer und Mikrotransaktionen wie Lootboxen, Kartenpaketen und Skins viel mehr Geld machen kann.

Selbst Nintendo ist vom kostenpflichtigen Online-Dienst überzeugt. Diese relativ neue Form Erlöse zu generieren, hat sich etabliert. So werden Kunden auch mit der PS Plus-Preiserhöhung ihren Frieden schließen. Mögen sie dies auch zähneknirschend tun. (kf)

Notable Replies

  1. Ich hab mir halt noch ein paar Jahre erkauft indem ich mir billige PSN Karten erworben habe. Gibt es ja immer wieder mal im Angebot um 40€ :slight_smile:

  2. Prognose - dem "echten" Gamer ist es egal, weil der investiert sein Geld sowieso in "das Gut Videospiele". Evtl. hat man auch eine Hochrechnung gemacht, wieviele Stunden die Gamer im Schnitt spielen, welche kostenpflichtig abonniert haben, sprich es waren im Schnitt pro Tag 4-5 Std. - Fazit - das sind Coregamer und die werden dafür blechen (E-sports, Multiplayer, etc. etc).

    Der Rest der da vielleicht wegfällt an Spielern, die es nicht zahlen, wäre dann vielleicht so gering, dass man von der 20-prozentigen Preiserhöhung max. Einbußen von 10% hat - sprich man hat noch immer 10% Mehreinnahmen... Aber das ist nur eines von zig Möglichkeiten... :smiley:

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