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Kolumne: Nintendo und Frankreich – L’amour éternel

Die Nintendo Switch hat ihre erste Woche hinter sich. Im Heimat- und Schlüsselmarkt Japan wurden über 330.000 Einheiten verkauft. Besser als die Wii U, etwas schlechter als die Wii. Aus den Americas gibt es keine konkreten Zahlen, hier wurde aber der Rekord in den ersten zwei Verkaufstagen einer Nintendo-Konsole gebrochen. Und das nicht etwa im Weihnachtsgeschäft, sondern im März. Im Vereinigten Königreich gingen 80.000 Einheiten über die Ladentheke, was für den für Nintendo schwierigen Markt ansehnlich ist. Die größte Liebesbotschaft kommt aber aus Frankreich. Mit 105.000 verkauften Einheiten hat die Nintendo Switch den besten Konsolen-Launch in der Geschichte des Landes hingelegt. Klingt im ersten Moment sehr nach Zufall. Warum bricht gerade Frankreich Rekorde? Warum ist Nintendo gerade in Frankreich so beliebt? Beliebter als in Deutschland oder im Vereinigten Königreich?

Der französische Videospielmarkt ist typisch europäisch. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Videospielern liegt bei ca. 1:1, Konsolen dominieren den Markt, FIFA führt die Software-Charts an gefolgt von Call of Duty und GTA.

Ein Blick auf die Trends der Softwarecharts im Details zeigt jedoch, dass Nintendo in Frankreich besonders beliebt zu sein scheint im Vergleich zu anderen europäischen Märkten.

Diese Zahlen von 2013 präsentierte Nintendo im Rahmen eines Investorenbriefings. Frankreich war nach Japan der erfolgreichste Markt für den 3DS im Mai 2013. Aber auch in den aktuellen Charts ist der Trend immer wieder zu beobachten. Jeder Markt hat so seine Besonderheiten. In Deutschland ist der PC stark, im Vereinigten Königreich kann sich die Xbox für einen europäischen Markt erstaunlich gut halten und in Spanien ist Sony sehr beliebt, besonders die PSP konnte hier Erfolge einfahren. Frankreichs eigene Besonderheit ist Nintendo. Das liegt aber nicht nur an Mario, Pokémon und Zelda. Frankreich liebt einfach Japan.

Man könnte sich vielleicht denken, dass diese Liebe wohl einfach an japanischen Einwanderern liegen könnte, aber das stimmt nicht. Knapp 31.000 Japaner (Stand: 2009) leben in Frankreich und damit weniger als im Vereinigten Königreich, Deutschland oder Australien. Den Grundstein für diese Liebe haben diplomatische Beziehungen aus dem 20. Jahrhundert gelegt. Viel greifbarer ist jedoch der kulturelle Einfluss Japans auf den Rest der Welt, durch Medien wie Zeichentrick, Comics oder eben Videospiele. Wie auch bei uns sind die bekannten japanischen Zeichentricksendungen auch in Frankreich erschienen. Kinder wollten Unterhaltung und so machten sich hiesige Fernsehanstalten auf die Suche nach Content. Sie synchronisierten die japanischen Sendungen ins Französische und so wuchs eine ganze Generation mit “Olive et Tom” (Captain Tsubasa), Sailor Moon und natürlich Pokémon auf. Auch entstanden französisch-japanische Kooperationen wie die TV-Serie Odysseus 31 aus den 80ern, die Beziehungen zwischen den Ländern festigten.

Ein weiteres Beispiel ist das Medium Comic. Der frankobelgische Comic ist weltberühmt für Figuren wie Astérix, Lucky Luke oder Tintin (Tim und Struppi). Wer vom traditionellen europäischen Comic spricht, meint den frankobelgischen. Japan kann mit Manga natürlich seine eigene lange Tradition mit dem Medium aufweisen. In 2013 waren die meisten (40,7%) Neuerscheinungen auf dem französischen Comicmarkt Manga, auf Platz 2 frankobelgische Comics (39,3%) und auf Platz 3 US-amerikanische Comics (10,5%). Kulturaustausch mit Comics.

“Tim und Struppi: Die Schwarze Insel” auf Japanisch

Comics, Anime, Cosplay, Videospiele; das alles trifft sich einmal im Jahr im Rahmen der größten Anime- und Manga-Messe außerhalb Japans. Nicht etwa im ebenfalls japanverliebten Düsseldorf, sondern in Paris. Aber der vielleicht beste Beweis für die französische Admiration der japanischen Videospielkultur ist wohl der Mario-Schöpfer selbst. Miyamoto erhielt für seine Verdienste den Französischen Ehrenorden vom französischen Kulturminister.

Trotz alledem, die Wii U war auch in Frankreich ein Flop. Gerademal 832.000 Einheiten wurden verkauft (mehr als in Deutschland) im Vergleich zu 6,3 Mio. Wiis. Doch Nintendo Frankreich zeigt sich selbstbewusst. Philippe Lavoué, General Director von Nintendo Frankreich, rechnet mit 800.000 verkauften Einheiten im ersten Jahr. Die Switch soll in den ersten 12 Monaten also ungefähr die gesamten Verkäufe der Wii U einholen.

Ob die Liebe stark genug für dieses ambitionierte Ziel ist, sehen wir dann in 12 Monaten. (kf)

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