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Kolumne: Microsofts katastrophale E3 2014

Crackdown 3 wird auf Frühjahr 2018 verschoben. Vor zwei Monaten auf der E3 wurde noch ein Release für November 2017 versprochen, nun heißt es überraschenderweise 2018. Für Crackdown 3 kann eine Verspätung nur Gutes bedeuten. Im dichten Releasekalender mit Namen wie Call of Duty, Assassin’s Creed und Need for Speed kann Crackdown 3 nicht wirklich mithalten und mehr Zeit für Feinschliff bedeutet im Endeffekt ein besseres Spiel. Doch ist diese Verschiebung ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Geschichte der Xbox One-Ära.

E3 of Disappointment

E3 2014. Die erste E3 für die beiden neuen Konsolen PS4 und Xbox One. Schon jetzt bahnt sich an, dass Microsoft das Konsolenrennen klar verliert und mit Kinect und TV aufs falsche Pferd gesetzt hat. Aber es ist E3. Hier werden neue Spiele angekündigt und spektakuläre Überraschungen enthüllt. Auch Microsoft bot Spektakuläres an. Ein Blick zurück auf die Ankündigungen macht jedoch deutlich, wie viel für den Konsolenhersteller in den letzten Jahren schief gelaufen ist.

Dance Central Spotlight – irrelevant

Zu Dance Central selbst gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Das Tanzspiel mauserte sich zu Hochzeiten des Just Dance-Hypes zu einem der besten Kinect-Spiele auf der Xbox 360. Allerdings ist das Schicksal der Serie direkt mit dem Schicksal der Kinect-Kamera verbunden. Während sich Just Dance immer noch gut verkauft, besonders auf der Wii, ist Dance Central mittlerweile irrelevant.

Sunset Overdrive – gefloppt

Gerade am Anfang der Xbox One hat Microsoft versucht, exklusive Spiele zu veröffentlichen. Da Microsoft als Unternehmen aber nun mal nicht wirklich mit vielen eigenen Entwicklerstudios aufgestellt ist, müssen Deals mit Drittentwicklern für Exklusivspiele sorgen. Ein solches Beispiel ist Sunset Overdrive. Das Spiel hat Charakter und Herz, ist aber gnadenlos gefloppt.

Fable – tot

Fable war in vielerlei Hinsicht wichtig für Microsoft. Als exklusives Rollenspiel gab es der Xbox-Marke Profil. Viele japanische Publisher meiden die Xbox, da diese sich in Japan kaum verkauft. Mit ihnen fehlen typisch japanische Spiele auf der Plattform, darunter auch Rollenspiele. Fable vom britischen Entwickler Lionhead konnte mit einem ganz eigenen Humor viele Fans finden und die Serie machte Geld. Nicht so viel Geld wie Halo, aber trotzdem war sie profitabel. Nicht profitabel genug, entschied Microsoft. So wurde Fable der F2P-Service-Game-Hut mit Fable Legends aufgezwungen. Eine Art von Spiel, das die Stärken Lionheads komplett ignorierte und dem Studio überhaupt nicht lag. So kam es, wie es kommen musste. Die Beta zu Fable Legends enttäuschte und das Spiel wurde nach Jahren der Entwicklung eingestellt. Laut Quellen betrugen die Kosten 75 Millionen US-Dollar. Für nichts. Das Spiel ist nie erschienen, Lionhead wurde geschlossen und die Serie ist tot.

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Project Spark – tot

Als ich für Consol auf der gamescom war und etwas Zeit zwischen Terminen hatte, ging ich durch die Hallen und schaute mir die Stände der Publisher an. Project Spark wurde auf dem Microsoft-Stand mit einer großen Bühnenshow im Xbox-Livestream gezeigt. Ich stand neben einem der Entwickler, und als der meinen Presseausweis sah, fragte er mich nach meiner Meinung. “Sieht einschüchternd aus”, antwortete ich wahrheitsgemäß. Einschüchternd dürfte es ziemlich getroffen haben, denn Project Spark gibt es nicht mehr. Vor einem Jahr zog Microsoft den Stecker. Überraschend ist das nicht wirklich, Projekte dieser Art sind immer riskant. Auch Sony hat mit The Tomorrow Children ein Service-Game auf den Markt gebracht, auch The Tomorrow Children wird nach nicht mal 12 Monaten wieder eingestellt. Selbst der von Microsoft als große Neuigkeit angepriesene Conker-DLC, für den das Eichhörnchen mal wieder aus der Schublade gekramt wurde, konnte Project Spark nicht retten. Teile des DLC sind nie erschienen und Project Spark ist tot.

Halo: The Master Chief Collection – technische Katastrophe

Die alten Halo-Spiele in einem Paket, wer kann da schon Nein sagen. Was wie ein Traumspiel klingt, entpuppte sich schnell zu einer technischen Katastrophe. Über Jahre hinweg veröffentlichte Microsoft immer wieder Patches für die Collection, trotzdem ist das Spiel immer noch nicht frei von Bugs. Entwickler 343 widmet sich mittlerweile Halo 6, was nicht überrascht. Es ist aber einfach schockierend, in welchem Zustand die Master Chief Collection erschienen ist. Halo ist nicht eine Xbox-Marke, Halo ist die Xbox-Marke. Die größten Halo-Fans zu enttäuschen, bedeutet die größten Xbox-Fans zu enttäuschen. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass einer der großen drei Konsolenhersteller ihre größte Marke in diesem Zustand veröffentlichen würden. Zusammen mit dem für viele Fans enttäuschenden Halo 5 dürfte es auch der nächste Teil der größten Xbox-Spieleserie nicht leicht haben.

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Rise of the Tomb Raider Exklusivität – Deal mit Konsequenzen

Das Videospielgeschäft ist nun mal ein Geschäft. Es werden Deals geschlossen, manche Spiele sind exklusiv. In diesem Markt agieren einige wenige Unternehmen und wollen die Gunst der Käufer für sich. Ein Mittel hierfür ist die Zeitexklusivität. So ein Deal kostet viel Geld, gibt der Plattform aber Profil. Nach dem erfolgreichen Reboot der Tomb Raider-Reihe sah Microsoft das Potenzial des Nachfolgers Rise of the Tomb Raider. Die spektakuläre Ankündigung saß, das Überraschungsmoment war geglückt. Teilweise auch aufgrund einer bewusst schwammiger Formulierung Microsofts, um die Zeitexklusivität als echte Exklusivität zu verkaufen. Die wütenden Reaktionen der Fans ließ nicht lange auf sich warten und Microsoft sowie Square Enix fanden sich schnell in der Defensive. Statt den Deal zu feiern, mussten sie ihn verteidigen. Ob nun der Großteil der Fans die PS4 besitzt und ob diese Fans nun wütend sind, das konnte Microsoft herzlich egal gewesen sein. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich dieser Deal im Endeffekt für Square Enix gelohnt hat und ob man wieder so einen Deal eingehen würde.

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Phantom Dust Reboot – tot

Phantom Dust ist keine allzu bekannte Marke, daher war die Reaktion auf diese Katastrophe eher begrenzt. 2014 wurde ein Reboot des Karten-Rollenspiels angekündigt, das nur Xbox-Fans der ersten Stunde ein Begriff sein dürfte. Nur ein Jahr später wurde es auch wieder eingestellt. Auch Phantom Dust Reboot sollte ursprünglich ein Service-Game sein und auf eSports setzen. Als Microsoft dann aber plötzlich fast monatlich neue Dinge wie einen Singleplayermodus oder Mitarbeit an einer Phantom Dust Mobile-App vom kleinen Entwicklerstudio Darkside verlangte, das Budget für die Entwicklung aber nicht anheben wollte, wurde das Projekt eingestellt. Darkside wurde geschlossen und die Entwickler waren arbeitslos. Die Geschichte wird noch skurriler, denn die Ankündigung auf der E3 war überhaupt nicht mit Darkside abgesprochen, da die Entwicklung noch in der Anfangsphase steckte. Der Rendertrailer kam von irgendeinem anderen Unternehmen und hatte also gar nichts mit dem Spiel zu tun. Immerhin veröffentlichte Microsoft im Endeffekt ein F2P-Remaster des Xbox-Spiels.

Scalebound – tot

Tja, Scalebound. Auch hier war die Überraschung sehr geglückt. Ein exklusives Spiel von Platinum Games und Hideki Kamija (Bayonetta, Okami, Viewtiful Joe, Devil May Cry, Resident Evil)? Das verlangt Aufmerksamkeit, die das Projekt auch erhielt. Hinter den Kulissen schien es aber zu rumoren. Das Spiel wurde von Herbst 2016 auf 2017 verschoben und letztendlich eingestellt. Wer daran schuld war, darüber lässt sich nur spekulieren. Die letzten Gameplay-Videos kamen selbst bei den treuen Platinum Games-Fans nicht allzu gut an und günstig dürfte das Projekt auch nicht gewesen sein. Kamija hat sich für die Einstellung entschuldigt, über die Gründe herrscht aber (im Vertrag sicherlich festgesetztes) Stillschweigen. Man muss sich fragen, wie hoch die Verkäufe im Endeffekt gewesen wären. Aber auch hier wäre es interessant zu wissen, was eigentlich so unglaublich schief gelaufen ist.

Crackdown 3 – ?

Es ist viel passiert, damit gerade Crackdown als eines der wenigen Exklusivspiele der Xbox One übrig geblieben ist. Das erste Crackdown wurde mit einem exklusiven Zugang zur Halo 3-Beta versehen, was den Verkaufszahlen natürlich half. Crackdown 2 hingegen enttäuschte auf ganzer Linie und über die Jahre erschienen immer mehr und bessere Open-World-Spiele. Gerade Saints Row 4 wirkt wie ein inoffizieller Nachfolger der Serie. Crackdown ist ein wenig aus der Zeit gefallen, was Microsoft aber nicht davon abhielt, es als Paradebeispiel für ihr Cloud-Computing zu verwenden. Vollmundig wurde die “Unlimited Power of the Cloud” beworben, nur um wieder komplett aus dem Wortschatz des Unternehmens zu verschwinden. Mit etwas weniger Tamtam ist das Cloud-Computing im Multiplayer zwar noch da, wirklich gezeigt wurde es aber immer noch nicht.

Was auch immer für die Verschiebung Crackdowns gesorgt hat, bei vielen Fans sorgt diese Ankündigung für ein mulmiges Gefühl. Schon zu viele Spiele wurden verschoben und letztendlich eingestellt. Bei Crackdown 3 ist das aber kaum vorstellbar. Auf der ersten E3 der Xbox One-Ära angekündigt, hat das Spiel das Auf und Ab der Konsole miterlebt und sollte eigentlich der große Exklusivtitel für die Xbox One X werden. Die Verspätung düfte der neuen Konsole trotzdem nicht schaden. Crackdown 3 war noch nie ein grafisches Meisterwerk. Xbox One X-Käufer holen sich die neue Konsole, um die besten Versionen von Call of Duty und Assassin’s Creed zu spielen, nicht für Crackdown 3. Trotzdem ist diese Meldung ein weiteres Beispiel dafür, wie viel seit der E3 2014 schief gelaufen ist bei Microsoft.

Einzig Ori and the Blind Forest konnte sich als exklusive Serie etablieren. Der Rest wurde eingestellt und erfüllte nicht, was es ursprünglich versprach. Sollte Crackdown nun auch noch eingestellt werden, dürften sich selbst die größten Fans Gedanken um ihr Vertrauen in die Xbox-Marke machen. Auch wenn sich Microsoft kontinuierlich verbessert hat, mit der Xbox One S und Xbox One X zwei gut designte Maschinen abliefert und mit Rückwärtskompatibilität und Xbox Game Pass seine Services ständig erweitert und verbessert. Den Schatten der E3 2014 hat das Unternehmen bis zum heutigen Tage nicht überwinden können.

Notable Replies

  1. Schön geschrieben und von der Dimension des Flops und der miesen PR, sogar mit dem Virtual boy vergleichbar, auch wenn der Vergleich gewagt ist.

  2. interessanter artikel. hab bezügl xbone-fail eigtl nur die präsentation im frühjahr 2013 in erinnerung gehabt. aber die folgen dürften doch weitreichender gewesen sein, wie sich hier herausstellt…

  3. Mich hat auch gewundert, dass hier die E3 2014 quasi schlechter bewertet wird als die E3 2015 … Damals wurde auch die Abwärtskompatiblität zur XBox 360 angekündigt.

    Allgemein hat mich aber keine MS-PK in den letzten Jahren überzeugt, eine XBox One zu kaufen. Drittherstellergames laufen i.d.R. alle auf der Playstation 4 und die paar XBox exklusiv Games sprechen mich alle nicht wirklich kann …

  4. Trunks says:

    Jemand (ich bins nicht) hat die Kolumne erwähnt auf Neogaf:

    Leider ohne Link/Quelle.

  5. SHOCK says:

    Ja der Beitrag ist von @Green_Yoshi ich hab ihn schon angeschrieben ob er den Original Beitrag auch verlinken kann :slight_smile:

  6. Das Problem ist, dass man immer dumm angemacht wenn man Websites verlinkt, die nicht englischsprachig sind. Und ich habe ja sowieso nicht 1:1 zitiert.

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