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Kolumne: Die Rückkehr der 3D Jump ’n‘ Runs

Ghostbusters im Kino, das NES im Laden und Pokémon auf dem Handy. 2016 fühlte sich in vielen Belangen wie eine Zeitreise in die Vergangenheit an. Die Industrie reagiert auf die Kundschaft, die sich nach Nostalgie sehnt und bereit ist, dafür Geld zu bezahlen. Dieses Phänomen sehen wir 2017 auch für ein spezielles Genre. Ehemals das größte Genre der Videospielindustrie, mittlerweile nicht viel mehr als eine Nische. Die 3D Jump ‘n’ Runs sind wieder da und zeigen, welche Möglichkeiten der Projektfinanzierung es mittlerweile gibt.

Yooka-Laylee ist ein Kuriosum. Lange galten N64-Jump ‘n’ Runs als tot, Relikte der Vergangenheit. Oft dürften Entwickler vergebens bei Publishern mit einem solchen Pitch angeklingelt haben. Playtonic Games richtete sich direkt an die Spieler und so entstand eine der großen Erfolgsstorys der Crowdfinancing-Plattform Kickstarter. Ob die Story ein Happy End bekommt, wird sich noch zeigen müssen. Der große Kickstarter-Hype ist vorbei, manche Projekte enttäuschten. Konsumenten sind vorsichtiger geworden. Die Industrie wird sehr genau auf Yooka-Laylees Verkaufszahlen blicken. Denn sie haben Implikationen für das Genre, für Crowdfunding und für Entwickler Playtonic Games.

A Hat in Time wurde ebenfalls auf Kickstarter finanziert, ist aber nur schwer mit Yooka-Laylee vergleichbar. Während Yooka-Laylee eher wie ein “normales” AA-Spiel mit einer interessanten Finanzierungsgeschichte anmutet, ist A Hat in Time viel weniger Spielern ein Begriff. Es fehlt die Banjo-Kazooie-Nostalgie, um eine größere Spielerschaft zu locken. Nichtsdestotrotz beweist der Titel, dass das 3D Jump ‘n’ Run-Genre mittels neuer Finanzierungsmöglichkeiten und der offenen Engines wie Unity oder Unreal Engine neue Spieler finden kann.

Crash Bandicoot. Was hat der Beuteldachs schon alles in seinem Leben gesehen. Crash entwickelte sich vom Sony-Maskottchen zur Activision B-Marke zum wiedergeborenen Fan-Liebling. Vielleicht war es einfach nur Zufall, vielleicht ein gewiefter Plan von Sony und Activision. Die Crash Bandicoot N.Sane Trilogy-Vorbestellung ist sogar ein Bestseller bei Amazon Deutschland. Was vor wenigen Jahren noch unmöglich schien, ist plötzlich eine große Ankündigung auf Sonys Pressekonferenz wert. Crash ist wieder da. Wie genau es dazu gekommen ist, gute Frage. Mit “Indie” hat Crash natürlich nichts zu tun, dennoch erscheint das Spiel zum Budget-Preis. Sollte sich der enorme Hype in tatsächliche Verkaufszahlen umwandeln können, wäre dies ein großer Boost für Crash und für das Genre.

Super Mario Odyssey. Gut, das ist geschummelt. 3D Jump ‘n’ Runs waren nie wirklich weg, da es Mario gibt. Mit jedem Titel probiert Nintendo Neues. Kein anderer Entwickler in der Industrie veröffentlicht regelmäßig 3D Jump ‘n’ Runs und ist damit so erfolgreich wie Nintendo. Mit dem Launch der neuen Konsole Switch wird auch Mario eine neue Plattform erhalten. Super Mario Odyssey trifft anscheinend genau ins Schwarze. Es ist der beliebteste Videospieltrailer auf Nintendos YouTube-Kanal und muss sich nur dem Switch-Reveal geschlagen geben. Haben viele Spieler die Wii U komplett übersprungen und damit das ebenfalls gute, aber doch etwas konventionellere Super Mario 3D World verpasst, dürften Switch und das explizit als Nachfolger zum revolutionären Super Mario 64 gehandelte Super Mario Odyssey das Genre zu Weihnachten 2017 wieder in die Mitte des Mainstreams rücken können. Kinder werden das Spiel geschenkt bekommen und mit einem 3D Jump ‘n’ Run aufwachsen.

Lange Zeit gab es nicht viel, plötzlich erscheinen im selben Jahr vier 3D Jump ‘n’ Runs. Von AAA-Mario, zu Nostalgie-Revival Crash bis hin zum kleinen Indie-Titel A Hat in Time. Nie war es deutlicher, welche neuen Möglichkeiten sich durch Crowdfunding und offene Engines ergeben. 3D Jump ‘n’ Runs sind wieder da. Werden sie auch bleiben? (kf)

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