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Kolumne: Der New Nintendo 2DS XL – Gründe und Ziele

Nintendo hat den New Nintendo 2DS XL angekündigt. Typisch Nintendo geschah dies nicht während einer großen Pressekonferenz oder eines Livestreams, sondern im Rahmen des Investorenbriefings zu den Ergebnissen des letzten Geschäftsjahres. Viele Spieler reagierten überrascht. “Wozu noch einen 2DS rausbringen? Die alten Modelle reichen doch aus. Und überhaupt, sollte sich Nintendo nicht ganz und gar auf die Switch konzentrieren?” Ein Blick auf die Zahlen macht schnell deutlich, dass der New 2DS XL überhaupt nicht überraschen sollte.

Nachfolger des 2DS
Der Nintendo 2DS erschien 2013 im Westen, 2016 erst in Japan. Gründe waren die günstigere Produktion, ein niedrigerer Preis und der Fokus auf Kinder. Das brillenlose 3D-Display mag zwar revolutionär gewesen sein, doch führte es zu Unbehagen bei vielen Eltern. Ärzte warnten vor den Risiken der 3D-Technologie für Kinderaugen im Wachstum. Nintendos wichtiger Wettbewerbsvorteil stand auf dem Spiel: das Vertrauen der Eltern. Der 2DS mit seinem kinderfreundlichen Design erschien und konnte sich Jahr um Jahr immer weiter etablieren in der sogenannten “3DS-Familie an Geräten”. Im letzten Geschäftsjahr war jedes zweite verkaufte 3DS-Gerät in Europa ein 2DS.

Kunden, die den 2DS 2013 gekauft haben, brauchen eine Möglichkeit zum Upgraden. Das ist bei jedem technischen Gerät der Fall. Mit der Zeit verändern sich die Umstände der Kunden. Sie werden älter, verdienen mehr Geld, interessieren sich für neue Dinge oder wollen einfach etwas Neues. Das ist eine Chance und gleichzeitig eine Gefahr für jedes Unternehmen. Kunden könnten zur Konkurrenz abwandern. Die PS Vita von Sony spielt eine untergeordnete Rolle und die Switch kostet noch zu viel Geld, um vom günstigen 2DS zu Nintendos neuester Hardware zu wechseln. Vielmehr muss Nintendo es verhindern, dass 2DS-Besitzer Handhelds komplett aufgeben und nur noch auf ihren günstigen Handys oder Tablets spielen. Das Ergebnis ist der New 2DS XL. Größer als der 2DS, edles Design im Vergleich zum kindlichen 2DS und eine betont cooler Ankündigungstrailer mit Fokus auf Teens und Erwachsene.

Der New 2DS XL soll das erste Upgrade der 2DS-Generation werden.

3D-Display eliminieren
Der Film Avatar löste einen 3D-Boom aus, auf dessen Welle Nintendo komfortabel mitschwimmen konnte. 3D kannte man aus dem Kino, 3D ohne Brille war aber einzigartig. Nintendos Problem: Es ist immer noch einzigartig. Der 3D-Boom als Ganzes ist vorbei, den brillenlosen 3D-Boom hat es nie gegeben. Nintendo war der Zeit voraus und muss nun den Preis dafür bezahlen, buchstäblich.

Mit der Zeit optimieren Unternehmen die Produktionsprozesse ihrer Produkte. Es kann schneller produziert werden, es kann günstiger produziert werden oder die Komponenten des Produktes können günstiger eingekauft werden. Wenn man dabei auf Standardkomponenten setzt, die viele Unternehmen für viele Produkte nachfragen, fallen die Preise für diese Standardkomponenten. Auch für den 3DS ist das der Fall, mit einer wichtigen Ausnahme: das 3D-Display. Schon zum Launch des 3DS waren laut Analyst IHS Markit die Displays und besonders das 3D-Display die teuersten Komponenten des gesamten Produktes. Mit dem Ende des 3D-Boomes und Verschwinden der Technologie außerhalb der Kinoindustrie, dürfte das maximale Potenzial bei der Kostenreduktion gerade für Nintendo, ein sehr kostensensitives Unternehmen, nicht hoch genug sein. Die Lösung ist einfach, man nimmt den 3DS vom Markt. Immer wieder berichten US-Medien von knappen 3DS-Beständen.

Der New 2DS XL soll das teure 3D-Display aus dem Produktionsprozess tilgen.

3DS-Wachstum positiv
“Aber warum überhaupt ein neuer 2DS? Warum nicht einfach alles lassen so wie es ist und vielleicht die Restbestände verkaufen? Es gibt doch jetzt die Switch.”

Klar, es gibt die Switch. Aber es gibt auch die 3DS-Familie. Und siehe da, zum ersten Mal nach dem Launch ist das 3DS-Wachstum positiv.

Auch die Verkäufe von Nintendos eigenen Spiele sind angestiegen. (Durchverkauf, also haben die Kunden diese Spiele gekauft)

Und um den Punkt noch mal zu verdeutlichen, selbst alte 3DS-Spiele haben mehrere Millionen Kopien absetzen können. (Hineinverkauf, Händler haben diese Spiele gekauft, um sie anbieten zu können)

Während sich also die gut 2 Millionen Switch-Besitzer auf Mario Kart 8 Deluxe freuen, hat Nintendo binnen des letzten Geschäftsjahres knapp 2 Millionen Kopien von Mario Kart 7 absetzen können. Fünf Jahre nach Release des Spiels.

Das neue Lineup
Mobile-Games, 0 Euro bis 10 Euro.
New Nintendo 3DS.
New Nintendo 3DS XL, 180 Euro.
Switch, 330 Euro.

Den normalen New 3DS findet man immer seltener bei Händlern und einen Standardpreis gibt es kaum noch. Auch der New 3DS XL dürfte nach und nach aus den Händlerregalen verschwinden. Je nach Lagerbestand dürfte das Lineup bald so aussehen.

Mobile-Games für den größten Markt der Welt, 0 Euro bis 10 Euro.
2DS inklusive Spiel für Kinder und preissensitive Kunden, 100 Euro.
New 2DS XL für Teens und weniger preissensitive Kunden, 170 Euro.
Switch für Erwachsene und nicht preissensitive Kunden, 330 Euro.

So sieht das neue Lineup Nintendos aus, das sämtliche Käuferschichten ansprechen soll. Dabei fällt auf, dass der New 2DS XL fast doppelt so viel kostet wie ein 2DS (den 2DS gibt es kaum ohne Spiel als Bundle zu kaufen). Nintendo dürfte die Gewinnmarge anfangs hoch angesetzt haben, mit der Zeit wird der Preis aber fallen. Gleichzeitig darf der New 2DS XL auch nicht zu günstig sein und dem 2DS, der bei der Produktion noch günstiger sein dürfte, Kunden wegnehmen.

Nintendo verabschiedet sich endgültig von 3D und räumt das eigene Lineup auf. Fürs nächste Geschäftsjahr rechnet man mit 6 Millionen verkauften 3DS-Einheiten weltweit.

Quelle: Nintendo

Bei all diesen Zahlen dürfte die Überraschung über den New 2DS XL verflogen sein. Sie hat noch ein langes Leben vor sich, die 3DS, Pardon, 2DS-Familie. (kf)

Weitere Quelle: Nintendo Financial Results Briefing

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One comment

  1. Es schmerzt immer wieder sehr, es lesen zu müssen. “…. in 2013” gibt es im Deutschen nicht!!! :-/