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Kolumne: Atari 2018 – Das Startup mit dem goldenen Namen

Crowdfunding, neue Konsole und sogar eine eigene Kryptowährung

Atari ist zurück! Irgendwie. Keine Ahnung, wie genau. Aber mit einer neuen Konsole! Angeblich. Und jetzt auch mit einer eigenen Krytowährung! Bitte was?

Die Ataribox – Das Phantom der Oper

„We’re back in the hardware business“. Was Atari-CEO Fred Chesnais so lapidar in einem Interview von sich gibt, lässt Retro-Herzen höher schlagen. Atari? DAS Atari ist wieder zurück mit neuer Hardware? Möchte man dem CEO und Feargal Mac, dem Kopf hinter der Ataribox, glauben, wird es wohl tatsächlich neue Hardware von Atari geben. Die Ataribox soll auf Linux basieren, mindestens 250 US-Dollar kosten, Atari-Titel und Drittentwickler-Titel abspielen können. Ein paar Bilder des hübschen Designs gibt es auch und die Ankündigung, das Crowdfunding im Herbst zu beginnen. Der Launch soll im Frühjahr 2018 stattfinden.

Soll.

Die Crowdfunding-Kampagne hätte im Herbst 2017 beginnen sollen, ist aber seit der Ankündigung nie wieder erwähnt worden. Frühjahr 2018 dürfte man damit als möglichen Releasezeitraum aus dem Kalender streichen. Die Seite für die Ataribox bringt auch keine handfesten Hinweise und wirbt stattdessen mit irgendwelchen Zitaten für eine Konsole, die es noch gar nicht gibt und die ohne den Namen Atari die Aufmerksamkeit der Medien- und Spielewelt wohl nicht verdient hätte.

RollerCoaster Tycoon für Switch – Nur über Crowdfunding

Okay, könnte man sagen. Eine neue Hardware zu entwickeln und herauszubringen, das geht nicht mal eben so. Vielleicht braucht Atari einfach mehr Zeit und Ressourcen, um die Erwartungen zu erfüllen. Immerhin ließen sich Medien wie der Standard zu Überschriften wie „25 Jahre verspätet: Neue Atari-Konsole sagt Playstation den Kampf an“ hinreißen. Eigenartig geht es aber auch bei der Software zu.

Ein neues RollerCoaster Tycoon soll für Nintendo Switch erscheinen. Ergibt Sinn. RollerCoaster Tycoon kennen und lieben viele, die Switch verkauft sich gut und scheint die perfekte Plattform für die Vergnügungsparksimulation zu sein. Ergibt so viel Sinn, da dürfte die Finanzierung ja ein Klacks werden. Statt aber Kickstarter oder ähnliche Plattformen zu verwenden, hat sich Atari für StartEngine entschieden. Hier können nur Investoren aus den USA mitmachen und erhalten je nach Erfolg des Endprodukts auch Geld zurück für ihr Investment. Dementsprechend ist das Minimum für eine Investition auch 250 US-Dollar.

Ataris Ziel sind 1,07 Millionen US-Dollar. Das Spiel soll kein Port sein und stattdessen von Grund auf für Switch entwickelt werden. Mehr noch, das Spiel soll so oder so erscheinen und die investierte Menge an Geld wird nichts an den Features und Inhalten des Spiels verändern. Das ist eine sehr eigenartige Form des Crowdfundings, das wenig mit dem uns mittlerweile bekannten Plattformen Kickstarter oder Indiegogo zu tun hat. Die Kampagne läuft noch 64 Tage und hat 92 Investoren mit einer investierten Geldmenge von über 47.000 US-Dollar anlocken können. Das Ziel von über einer Million ist also noch weit entfernt.

Atari Kryptowas?

Ataris neuester Streich hat nichts mit Konsolen oder Videospielen zu tun. Atari möchte in das Geschäft mit den Kryptowährungen einsteigen und die Währung „Atari Token“ einführen. Da beim Wort „Krypto“ die Investoren sofort hellhörig werden, schoss die Aktie auch gleich mal um 60 Prozent in die Höhe (wobei eine Aktie aktuell nur 0,76 Euro kostet).

Ohne zu sehr auf das Thema Kryptowährung einzugehen, Atari Token dürfte in der Zukunft kaum eine große Rolle in diesem (höchst volatilen) Markt spielen. Atari sieht hier die Chance den wichtigsten Wertgegenstand des gesamten Unternehmens – den Namen Atari – mit den aktuell sehr beliebten Kryptowährungen zu vereinen. Ob sich das Unternehmen groß Gedanken um dieses Geschäftsfeld gemacht hat und was eigentlich der Plan für Atari Token genau ist, darf hinterfragt werden.

Das Startup mit dem goldenen Namen

Wenn Atari-CEO Fred Chesnais „We’re back in the hardware business“ sagt, sollte man sich ganz genau bewusst sein, was das „We“ in diesem Satz eigentlich bedeutet. Das Atari von 2018 hat absolut gar nichts mit dem Atari der Vergangenheit zu tun. Der Pionier des Videospielgeschäfts, der mit Pong den Grundstein für die Kommerzialisierung des Mediums Videospiel legte, ist tot. Das Atari von 2018 ähnelt vielmehr einem Startup, das sich einen goldenen Namen erkaufen konnte und diesen erwartungsgemäß mit aller Möglichkeit ausschlachtet.

CEO Fred Chesnais hat das Unternehmen nach mehreren Umstrukturierungen gekauft, aus den tiefroten Zahlen gezogen und Atari seitdem profitabel gemacht. Mit Mobile-Games, dem eigenen Online-Casino, der Atari-Lizenz (Beispiele hierfür sind Blade Runner 2049 oder Atari Cap für über 100 Euro) und nun wohl auch Videospielen und einer eigenen Kryptowährung. Man kann gerne gespannt auf die Projekte dieses Unternehmens sein und auf ein gutes RollerCoaster Tycoon für Switch hoffen. Doch sollte man sich stets bewusst sein, was Atari im Jahr 2018 ist. Und was es nie wieder sein wird.

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