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Hands-on: Assassin’s Creed: Valhalla + Neues Gameplay

Die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh...

Die Assassin’s Creed-Reihe bleibt wandlungsfähig. Nachdem wir zuletzt das antike Ägypten und das klassische Griechenland bereist haben, machen wir nun einen Zeit- und Ortssprung ins 9. Jahrhundert an einen deutlich kälteren Ort: Norwegen und England zur Zeit der Wikinger-Expansion. Wir durften bereits ein paar Stunden mit Assassin’s Creed: Valhalla verbringen und haben unseren Reisebericht aus der Welt der Nordmänner (und natürlich -frauen) mitgebracht.

Willkommen in Ostanglien

Wir starten in unsere erste Begegnung mit Eivor (der Name ist sowohl bei der männlichen als auch der weiblichen Version der Hauptfigur gleich; wir haben uns beim Spielen für die weibliche Version entschieden und werden im Laufe des Berichts deshalb auch feminine Pronomen verwenden) allerdings nicht am Beginn der Story, sondern in einem etwas späteren Kapitel der Handlung. Als wir zum ersten Mal in die Spielwelt eintauchen, sind wir bereits aus Norwegen nach Ostanglien gekommen und versuchen, ein genügend großes Heer zusammenzubekommen, um diesen Bereich Englands vom Clan Rued zu befreien und Oswald von Elmenhelm zu rächen. Leider haben die Aktivitäten des verfeindeten Clans die Einwohner auch unseren Nordmännern gegenüber skeptisch gemacht. Eivor muss also zunächst einiges an Überzeugungsarbeit leisten, die all ihre Künste und die Unterstützung ihres Clans brauchen wird – ganz zu schweigen von Waffengewalt, um ein drastisches Zeichen zu setzen.

Raid ohne Multiplayer

Gleich zu Beginn unserer Demo-Session steht deshalb ein Raid an – ein Begriff, der allerdings nicht MMO-Assoziationen erwecken sollte. Hierbei geht es nicht um Multiplayer-Kämpfe mit zahlreichen echten Mitspielern, sondern um einen klassischen Beutezug, bei dem wir mit unserer Mannschaft den Einfluss der Feinde in einem Gebiet brechen und uns die dortigen Ressourcen aneignen wollen. Unser Ziel ist das nahegelegene King’s Bury, das Clan Rued vor kurzem eingenommen hat und wir nun zurückerobern wollen. Wir rufen also unser Langschiff und machen uns via Fluss auf den Weg dorthin. Unser Gefährt ist dabei vor allem ein effektives, schnelles Transportmittel, das aber auch gleich das Wikingerflair vertieft: Nordmänner an den Rudern (oder auch Segeln) und optional Wikingergesänge oder -erzählungen sorgen für eine atmosphärische und auch kurzweilige Fahrt. Kaum angekommen machen wir uns für ein Gemetzel bereit: Wir schicken unseren Raben Synin aus, um uns einen Überblick zu verschaffen, und nutzen die Odin’s SIght, die der klassischen Eagle Vision der Serie entspricht, um Gegner durch die Mauern zu erspähen. So vorbereitet können wir dann unseren Angriff starten.

Gras essen, um nicht ins Gras zu beißen

Das gibt uns gleich die Gelegenheit, erste Kampferfahrung zu sammeln. Die Kampfsteuerung an sich wird jedem vertraut sein, der bereits Odyssey oder Origins gespielt hat, dennoch gibt es einige neue Ideen, durch die sich die Gefechte in Details oder auch größeren Punkten anders anfühlen. Zum Beispiel kann Eivor gleich zwei Waffen einsetzen, die allesamt ihre Eigenheiten mit sich bringen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch rasch, wie sehr man seinen Kampfstil an die diversen Gegnertypen anpassen muss, denn was bei dem einen funktioniert, geht beim nächsten schmerzhaft schief. Das führt uns auch gleich zur vielleicht gefühlt wichtigsten Änderung: Unsere Protagonistin heilt sich nicht mehr automatisch, sobald wir das Gefecht verlassen. Stattdessen müssen wir auf gesammelte Rationen zurückgreifen oder Essen in unserer Umgebung einsammeln. Das sorgt für Spannung, da die Gesundheit samt Rationen nun für die gesamte Mission ausreichen muss, einfach dazwischen verstecken bringt nichts mehr. Zugegebenermaßen kann es allerdings ein wenig seltsam sein, in einer brenzligen Situation zu ein paar Wiesenkräutern, einem Beerenbusch oder Suppentopf zu laufen und sie zwischen Schlägen zu essen, aber oft genug ist das auch unsere letzte Rettung. Es empfiehlt sich also grundsätzlich, zwischen euren Abenteuern die Umgebung gründlich abzusuchen und Proviant zu sammeln, bevor man sich in die nächste Aufgabe stürzt.

Zusammen sind wir mehr

Eivor mag eine formidable Kämpferin sein, aber allein hat sie gegen größere Gegneransammlungen nur selten eine Chance. Deshalb ist unsere Mannschaft eine wichtige Unterstützung beim Raid, denn als wir zunächst blindlings in das Hauptgebäude stürmen und uns drei starken Feinden gleichzeitig gegenübersehen, endet der Kampf rasch tödlich. Erst nachdem wir unsere Mannen gerufen und mit ihnen den Rest von King’s Bury ausgeräumt hatten, begleiteten sie uns in die Haupthalle. Wir mögen sie während der Mission nicht kommandieren können und sie sind vielleicht in Sachen Schaden nicht die optimale Unterstützung, aber als Ablenkung sind sie unbezahlbar, da sie uns erlauben, einen Gegner nach dem anderen zu bekämpfen, statt von drei auf einmal drangsaliert zu werden. Schon bald darauf ist der Raid beendet und wir können das Horn auf dem Dach von King’s Bury erschallen lassen. Ob das wohl die Getreuen von Oswald herbeirufen und uns eine Chance gegen Rued geben wird?

Blut und Leichtigkeit

Im Anschluss an den Raid könnten wir direkt zum Heereslager reiten, wo der Angriff auf Burgh Castle vorbereitet wird, und sehen, ob die versprochene und erhoffte Unterstützung tatsächlich eingetroffen ist. Wir entschließen uns aber dazu, erst ein wenig die Gegend zu erkunden und erleben sowohl klassische Assassin‘s-Momente (zum Beispiel das Hinaufklettern auf hohe Sichtpunkte zwecks Synchronisierung samt anschließenden Leap of Faith ins Heu), als auch ein wenig leichtere Abwechslung, wenn wir mit den Bewohnern von Städten und Ansiedlungen plaudern oder uns diversen Nebenaufgaben stellen, bei denen wir unter anderem auch neue Mitglieder für unsere Mannschaft anwerben können – und wenn es nur eine alte Schiffskatze ist, die uns vielleicht in Zukunft die Mäuse fernhält. Das alles lässt uns auch gleich ein wenig die Mythologie der Wikinger und ihren Lebensstil erahnen. Nordmann-Flair ist hier definitiv zu spüren – dafür sorgt auch die durchaus atmosphärische Musik.

Zum Angriff!

Der Höhepunkt unserer Demo-Session ist aber natürlich der Angriff auf das schon erwähnte Burgh Castle, der ein sogenannter „Assault“ ist. In diesem Fall dringen wir zuerst per Langschiff von der Seeseite zur Festung vor, während ein anderer Trupp von der Landseite angreift (mit dem wir allerdings gameplaytechnisch nichts zu tun haben). Erwartet euch allerdings keinen großen Seekampf – das würde der Zeit auch gar nicht entsprechen. Stattdessen ist unsere Aufgabe vor allem das Ziel zu erreichen und uns gegen die Pfeilhagel zu schützen, sobald wir der Festung nahekommen. Endlich gelandet ist der Plan, mit einem mitgebrachten Rammbock uns den Weg ins Innere zu bahnen. Eivor ist hier eigentlich nur ein Rädchen von vielen und kann sich auf viele Arten nützlich machen: Sie kann ihren Platz am Rammbock einnehmen und ihn gemeinsam mit den anderen kräftig gegen die Tore stoßen, ist dabei aber (bis auf ein Schild gegen Pfeile) relativ wehrlos, was spätestens dann schwierig wird, wenn die Feinde auf Öl und Feuerpfeile zurückgreifen; sie kann sich aber natürlich auch ins Schlachtgetümmel stürzen und den Rammbock gegen die Kämpfer verteidigen; oder aber sie hält sich soweit es geht im Hintergrund und versucht mit gezielten Manövern die Situation für unsere Mitstreiter zu verbessern, indem sie zum Beispiel via Pfeil und Bogen Schützen (gern auch unter Ausnutzung der Umgebung) ausschaltet oder die Burgmauern erklimmt, um die Ölangriffe einzudämmen. Hier herauszufinden, wann welche Aktion uns am besten weiterbringt, ließ uns ein paar Mal scheitern – was in diesem Fall leider bedeutete, den Angriff von vorne zu starten. Die Rücksetzpunkte sollen allerdings noch verbessert werden, wurde uns versprochen. Endlich durch alle Tore hindurch, werden wir sowohl mit einer großen Überraschung (die wir nicht spoilern wollen) als auch einem Bosskampf konfrontiert. Einmal mehr muss Eivor all ihre Künste einsetzen, die sie erworben hat – Blocken, Ausweichen, Angreifen und Sonderfähigkeiten einsetzen –, bevor das Gemetzel ein Ende findet und wir als Sieger aus der Schlacht hervorgehen.

Wer kämpft, soll auch feiern

An dieser Stelle gibt es eine recht interessante Veränderung der Atmosphäre: Eivor wird auf eine Hochzeit eingeladen, die uns die ausgelassenere Seite des Wikingerlebens zeigt: Launige Gespräche mit den anderen, (Trink-)Spiele, vielleicht auch eine kleine Affäre am Rande der Feier. Im ersten Moment erscheint dieser starke Schwenk der Stimmung fast zu plötzlich oder gar deplatziert, aber er zeigt, dass Wikinger in diesem Spiel auch noch andere Dinge tun, als ihren Feinden den Schädel einzuschlagen und mit ihren Langschiffen herumzufahren. Dieser Moment gibt uns auch Gelegenheit, Gespräche mit unseren Gefährten zu führen und neue Mitglieder für unsere Mannschaft zu rekrutieren. Auch das Multiple-Choice-Dialog-System, das wie schon in Odyssey uns Kontrolle über die Gespräche gibt, kommt hier zum Einsatz. Die Entwickler versprechen, dass unterschiedliche Entscheidungen auch spielerische Auswirkungen haben werden, doch das konnten wir nicht weiter testen, da unser Story-Progress an dieser Stelle endete.

Die restliche Zeit mit der Demo waren dem freien Erkunden der Umgebung gewidmet – wir folgten seltsamen Fußspuren, kämpften gegen mystische Kreaturen und sogar eine Frau, die mysteriöse Fähigkeiten gegen uns einsetzte. Es darf also als gesichert gelten, dass Assassin’s Creed ähnlich wie in Odyssey nicht ausschließlich „Geschichte“ präsentieren will, sondern auch einen ordentlichen Schuss Mystik hineinmischen wird. Auch mit verschiedenen Waffen und dem diesmal recht umfangreichen Skill-Tree konnten wir ein wenig rumexperimentieren. Dennoch war die verbleibende Zeit leider recht kurz beziehungsweise wir auch auf nur einen Kartenbereich beschränkt, sodass wir einige weitere interessante Features nicht mehr testen konnten, wie unsere eigene Siedlung, das Rap-Battle-artige „Flyting“  oder auch die Geschichte außerhalb des Animus mit Layla. Dafür werden wir also auf wahlweise eine weitere Demo-Version oder auf unser Testmuster warten müssen.

Ersteindruck

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Wären wir zu normalen Zeiten zu einem Event angereist, auf dem das Spiel in perfektem Qualitätssetting präsentiert wird, kam das Event diesmal per Streaming zu uns. Das hat natürlich den Vorteil, dass man sich nicht einen ganzen Tag freischaufeln muss, um kurz in ein Spiel hineinzusehen, bringt aber seine ganz eigenen Probleme mit sich. Dass Game-Streaming nach wie vor mit einigen Problemen kämpft, ist ja nicht neu – schwankende Bildqualität kann den Eindruck von der Spielewelt trüben und wenn der Input-Lag zuschlägt, fragt man sich dann zuerst doch, ob man als Spieler so unfähig ist oder warum man jetzt an einem eigentlich simplen Rhtyhmus-Minispiel scheitert (Beweise: Siehe Videos). Dennoch: Der Ausflug in die Wikinger-Welt hat Spaß gemacht und Valhalla scheint eine logische, aber jetzt keine bahnbrechend neue Evolutionsstufe der Assassin’s Creed-Reihe zu werden. Schon jetzt passen Stimmung und Wikinger-Flair, und die meisten Kritikpunkte (Schwierigkeitsgrad, Rücksetzpunkte) könnten auch mit dem Streaming-Erlebnis zu tun haben. Einzig bei der Heilung bin ich noch etwas skeptisch – allzu oft musste ich, statt mich ins nächste Abenteuer zu stürzen, erst mal auf Nahrungssuche gehen, was das Spiel ein wenig ausbremste; und wie logisch es ist, während der Kämpfe Kräuter zu essen um nicht ins Gras zu beißen, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch: Wer die jüngsten AC-Abenteuer genießen konnte und mit der Welt der Wikinger etwas anfangen kann, wird hier eindeutig seinen Spaß haben; wer hingegen mit den modernen Assassinen und der Ubisoft-Formel seine Schwierigkeiten hat, sollte sein Langschiff eher in andere Gewässer steuern. Tipp: Das SHOCK2 Audio-Preview zu Assassin’s Creed: Valhalla erwartet euch im kommenden Wochenstart-Special zur Ubisoft Forward! 

Assassin’s Creed: Valhalla wird am 17. November 2020 für PlayStation 4, Xbox One und PC erscheinen. 

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Florian Scherz

Bereits früh entwickelte Florian zwei große Leidenschaften: Videospiele und Theater. Ersteres brachte ihn zu einem Informatikstudium und zu Jobs bei consol.MEDIA und Cliffhanger Productions; zweiteres lässt ihn heute (unter anderem) als Schauspieler, Regisseur, Komponist und Lichtdesigner arbeiten. Wenn er gerade keine Musicals inszeniert, spielt oder schreibt, vermisst er auf Shock2 Videospiele von anno dazumal in seiner Blog-Reihe "Spiele, die ich vermisse".

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