ArtikelHighlightVideogame-PreviewVideogames

Detroit: Become Human im Hands-On

I, Robot

Nachdem wir bereits im letzten Herbst auf der Game City sowohl die kurze Geiseldemo mit Connor spielen, als auch für den SHOCK2 Podcast ein Interview mit Guillaume de Fondaumière von Quantic Dream führen konnten, führte uns Detroit: Become Human nun kurz vor dem Release im Mai nach Berlin. Im modernen Science Center Ottobock fand in Blickweite des Reichstagsgebäudes das Preview-Event statt. Neben der Möglichkeit, das fast fertige Spiel ausführlich anzuspielen, gab es auch die Gelegenheit, mit KI-Experten über die Hintergründe des Spiels in der heutigen Realität zu sprechen.

Über die gespielten neuen Sequenzen des Spiels zu schreiben, fällt nicht leicht. Groß ist die Gefahr, etwas zu spoilern oder noch viel schlimmer euch mit unseren Erfahrungen bei euren Entscheidungen im Spiel zu beeinflussen. Schnell wird klar: Detroit: Become Human kann nicht nur auf eine Art und Weise erlebt werden. Das fängt schon damit an, dass ihr dem Spiel zu Beginn sagen könnt, ob ihr es mehr als interaktiven Film erleben oder lieber mehr herausfordernde Videospiel-Elemente meistern möchtet. Habt ihr euch für ersteres Entschieden, steht euch das Spiel im vollen Umfang offen, es ist nur deutlich leichter und ihr werdet seltener einen der Hauptcharaktere durch dessen Tod verlieren.

Interaktiver Film, aber richtig!

Das Spiel splittet sich in unzählige Szenen mit den drei Hauptcharakteren Kara, Markus und Connor auf. Auch wenn ihr die Aufgabe einer Szene nicht schafft, läuft das Spiel weiter, es verzweigt sich nur wieder anders, jede Entscheidung, jeder Erfolg und jedes Scheitern hat Konsequenzen auf das weiterführende Spiel. Schon nach den recht kurzen 180 Minuten, die wir gespielt haben, haben wir im Gespräch mit anderen anwesenden Journalisten herausgefunden, dass sie teilweise ein anderes Spiel gespielt haben, weil sie eben andere Entscheidungen getroffen haben. Dabei startet das Spiel mit der bereits oben erwähnten Geiselsequenz, schon hier gibt es diverse Enden. Wird der Androide Conor das Mädchen retten? Stirbt dabei der Androide, der das Mädchen in seine Gewalt gebracht hat? Überlebt Conor? In den nächsten Szenen lernen wir Kara und Markus besser kennen. Markus arbeitet als Betreuer eines gealterten und an den Rollstuhl gefesselten berühmten Künstlers, dieser wird wunderbar verkörpert durch Lance Henriksen, der wohl vor allem seine Darstellung des Androiden Bishop in den Alien-Filmen bekannt wurde. So nützlich er ist und so gut er sich mit seinem Besitzer versteht, bei einem Dienstgang in die Stadt bekommt er es mit dem Hass eines Teils der Bevölkerung gegen die Androiden zu tun. Denn so schön und realistisch die von Quantic Dream gezeichnete Welt der nahen Zukunft auch ist, sie beschäftigt sich vor allem auch mit ihren Schattenseiten. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, denn die Androiden werden in vielen Jobs und Lebensbereichen eingesetzt. So hat auch der Besitzer von Kara einen sozialen Abstieg durchgemacht. Arbeitslos und drogensüchtig lebt er zusammen mit seiner Tochter in einem heruntergekommenen Vorbezirk von Detroit. So Muss Kara erstmal das komplette Haus aufräumen und der Familie etwas zu essen kochen. Als der Vater im Rausch die Hand gegen die unschuldige Tochter erheben will, erlangt Kara, die gerade aus der Reparatur kommt, weil sie verprügelt wurde, ihren eigenen Willen. Die direkte Steuerung erinnert stark an die bisherigen Quantic Dream-Adventures und nutzt den PS4-Controller inkl. Bewegungssteuerung und Touchpad sehr gut aus.

Auch Lance Henriksen konnte für eine Rolle gewonnen werden.

Viel mehr möchte ich über die konkrete Handlung wirklich nicht verraten, um euch den Spaß an der wirklich fesselnden Story nicht zu verderben. Das Spiel ist ganz klar so inszeniert, dass man sich gerne auf die Seite der Androiden stellt, wir sind gespannt, ob sich dies bis zum Ende des Spiels durchziehen wird, denn wo Glanz ist da ist auch Schatten und die eine oder andere Zwickmühle zeichnete sich schon ab. Um das Spiel einmal komplett durchspielen zu können, werdet ihr im ersten Durchgang etwa 10-12 Stunden benötigen, angesichts der vielen Verzweigungen und Enden habt ihr allerdings dann erst einen Teil des Spiels gesehen, zu entdecken gibt es noch vieles mehr.

Auf jeden Fall beeindruckt hat uns die facettenreiche Spielwelt, das Detroit im Jahr 2038 wirkt unglaublich realistisch. Damit meine ich hier gar nicht die Grafikpracht, sondern viele Kleinigkeiten, wie Kinoplakate, Schlagzeilen in der Zeitung, automatische Autobusse und so vieles mehr. Auf die Frage, warum man sich ausgerechnet für Detroit entschieden hat, hat Quantic Dream eine schlüssige Antwort:

„Wir haben uns für Detroit entschieden, weil es einst die Hauptstadt der Automobilindustrie und Ford Motors war. Während der ersten industriellen Revolution in Amerika wurde Detroit eine der größten Städte des Landes, da die meisten Autos dort gebaut wurden“, erzählt Lead-Autor Adam Williams. „Nachdem die Autoindustrie global wurde, verließen viele Autokonzerne Detroit, und die Stadt schrumpfte wegen ihr, mit riesigen Bereichen leer werdend, wo diese Fabriken sind. Wir nahmen das in unser Spiel auf, und darin wählte Cyber-Life, das Unternehmen, das die Androiden herstellt, Detroit, um sich einzuleben. Und genau wie in der Automobilindustrie in der Vergangenheit, wurde Detroit in unserem Universum wieder zum Mittelpunkt die zweite industrielle Revolution in den USA und der Welt.“

Doch wie realistisch ist Detroit: Become Human nun wirklich?

„50 Prozent aller an künstlicher Intelligenz arbeitenden Wissenschaftler, mit denen wir gesprochen haben, glauben, dass es um 2040 herum menschenähnliche Androiden gibt“, sagt Guillaume de Fondaumière. „Weshalb wir uns für das Jahr 2038 entschieden haben.“ Auch er sagt, dass die dort gezeigte Zukunft nicht weit entfernt ist: „Alles, was wir in „Detroit“ zeigen, gibt es bereits.“ Wenn auch nicht in so ausgereifter Form: Drohnen, selbstfahrende Autos, vernetzte Haushaltsmaschinen. Der Anfang ist schon lange gemacht. Das bestätigt uns auch der KI-Experte Fabian Westerheide: „Jedes Mal, wenn man in ein Flugzeug steigt, vertraut man einer künstlichen Intelligenz. Piloten sind nur noch als Backup an Bord. Routenplaner wie Google Maps nutzen künstliche Intelligenz, um aus einer Vielzahl von Parametern die schnellste Strecke zu errechnen, nicht unbedingt die kürzeste. Jetzt ist die Zeit zum Handeln“. Westerheide weist darauf hin, dass aktuell die Grundlagen für die zukünftige künstliche Intelligenz gelegt werden, schließlich ist KI das Ergebnis eines Prozesses. Die Computerprogramme – denn um solche handelt es sich, auch wenn sie in menschenähnliche Puppen gesteckt werden – entstehen nicht von selbst. Sie werden geschrieben, gefüttert von Menschen. Am wichtigsten dabei: „Sie übernehmen natürlich die Moralvorstellungen ihrer Entwickler“

In die künstliche Haut dieser Charaktere schlüpft ihr

Über drei dieser sich in verschiedenen Szenarien von ihren einprogrammierten Schranken befreienden Androiden darf (ironischerweise) die Kontrolle übernommen werden. Ihr schlüpft in die künstliche Haut des in Massen produzierten Hausmädchens Kara, des Polizisten Connor und des Revolutionärs Markus. Während Connor und Markus hierbei zu Beginn des Spiels, klar gegensätzliche Fronten abstecken, wird Kara mehr oder minder als Kollateralschaden in den Konflikt gezogen, wodurch auch alle Blickwinkel der Geschichte gut ausgeleuchtet werden dürften.

Kara

Kara war bereits 2012 in der ersten Tech-Demo des Spiels zu sehen. Sie ist ein Hausmädchen-Androide, der zum Putzen, Kochen, Aufziehen der Kinder und der Befriedigung sonstiger Bedürfnisse seiner Besitzer erschaffen wurde. Beeindruckend von The Following-Star Valorie Curry verkörpert, wird diese in einen zerrütteten Haushalt in den verkommenen Vororten von Detroid geschickt. Dort soll sie den Haushalt eines labilen und drogenabhängigen Vaters und seiner Tochter schmeißen. Bald wird die Aufgabe, die Sicherheit beider Schutzbefohlenen zu garantieren und gleichzeitig gehorsam zu bleiben, jedoch zu einem Widerspruch in sich. Auch das Schicksal eurer Vorgängerin stellt hierbei ein zu lösendes Mysterium dar und als zeitgleich eine Revolution der Androiden in der Stadt ausbricht, verdichten sich die Ereignisse.

Markus

Verkörpert und Vertont von Jesse Williams, der bereits in The Cabin in the Woods und Grey’s Anatomy zu sehen war, ist Markus einer der ersten Androiden, die ungewollt Bewusstsein erlangen. Von der Art, wie Androiden behandelt werden angeekelt, startet er eine Revolution und versucht das Bewusstsein in so vielen seiner Kollegen wie möglich zu entfachen. Ob diese jedoch zivilisiert und pazifistisch oder gewalttätig und mit jeder Menge Kollateralschaden abläuft, liegt in eurer Hand.

Connor

Inspiriert von Blade Runner Rick Deckard, ist Connor ein außer Kontrolle geraden Androiden jagender Androide. Spezifisch solche, die eine der drei einprogrammierten Grundprinzipien jedes Androiden gebrochen, also einen Menschen verletzt, Emotionen gezeigt oder eine Waffe in die Hand genommen haben. Hierbei muss Connor vor allem Geiselsituationen möglichst positiv auflösen, was sich bei Androiden, die sich plötzlich ihrer Austauschbarkeit bewusstwerden, als ziemlich harter Job herausstellt. Der wahre Zwiespalt dürfte aber bei dem Aufeinandertreffen des Androiden-Jägers mit Revoluzzer Markus eintreten. Bryan Dechart, der bereits eine Rolle in True Blood belegt hat, spendiert Connor Aussehen, Animation und Stimme.

Technisch beeindruckt Detroit: Become Human mit einer unglaublich realistischen Grafikpracht, die sicherlich zum Besten gehört, das ihr auf der PS4 zu Gesicht bekommen werdet. Über 300 Schauspieler waren an diesem Projekt beteiligt, darunter einige bekannte TV- und Filmschauspieler. Bestätigt sind hier neben Lance Henriksen auch Clancy Brown (Thor: Tag der Entscheidung, Warcraft: The Beginning) und Minka Kelly (Jane the Virgin). Diese fangen mithilfe modernster Motion-Capture-Verfahren nicht nur realistische Bewegung für Spiel- und Zwischensequenzen ein, vor allem die Emotionen der Chartere werden unglaublich gut vermittelt. Immer wieder reißt euch das Spiel regelrecht mit und stellt bei euren Entscheidungen euer Gewissen auf die Probe. Doch das Spiel sieht nicht nur unglaublich gut aus, es hört sich mindestens genauso gut an. Ihr könnt zwischen mehreren Sprachen und Untertiteln auch während des Spiels wechseln. Die deutsche Tonspur kann mit Profi-Synchronsprechern überzeugen, jedoch bekommt ihr natürlich im englischen Original nicht nur die meisten Originalstimmen der Schauspieler, sondern vor allem auch den Ton, der während der Motion-Capture-Szenen aufgenommen wurde. Das klingt noch einmal deutlich besser und kann auf Wunsch auch mit deutschen Untertiteln unterlegt werden.

Ein enormer Aufwand wurde auch beim Soundtrack des Spiels betrieben. Damit die Geschichten der Protagonisten auch durch den Soundtrack spürbar werden, wurden gleich drei Komponisten für die musikalische Untermalung engagiert, die jedem Charakter eine ganz eigene Note verleihen. So werden die kalten, mechanischen Verhaltenszüge von Connor von Nima Fakhrara (The Signal) mit vornehmlich elektronischen Klängen hervorgehoben, während Karas Suche nach Identität, Liebe und Empathie von emotionaler Musik aus der Feder von Cellist Philip Sheppard (Bridget Jones, The X-Files) begleitet wird. Episch klingt es bei Markus, dessen Abenteuer von John Paesano vertont wurde, der bereits auch bei der Netflix Serie Daredevil oder den Maze Runner-Filmen überzeugen konnte. Was bisher wur Wenige wissen und uns im Interview mit Guillaume de Fondaumière verraten wurde: Eine Menge Musikaufnahmen sind in Wien entstanden, wo gerade in den letzten Jahren auch wieder vermehrt Hollywood-Soundtracks produziert werden.

Der 25. Mai kann kommen!

Waren schon Heavy Rain und Beyond: Two Souls auf der PS4 beeindruckende Erlebnisse, die versuchten, die Mauer aus klassischem Adventure-Spiel und interaktivem Film komplett zu durchbrechen, so stellt Detroit: Become Human seine Vorgänger in so ziemlich jedem Bereich in den Schatten. Abgesehen von den enormen technischen Verbesserungen und Aufwand, der bei der Entwicklung betrieben wurde, ist es auf alle Fälle die Thematik und die Art und Weise wie uns die Geschichte präsentiert wurde, dass ich nach rund zweieinhalb Stunden Anspielzeit kaum vom Joypad lassen konnten. Mir gefällt, dass dieses Spiel ganz offensichtlich den Spieler immer wieder dazu bringt, über seine Handlungen, Entscheidungen und vor allem seine eigenen Einstellung gegenüber der Thematik zu reflektieren.

Detroit: Become Human erscheint am 25. Mai für PlayStation 4.

Tags

Related Articles