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Brettspiel-Review: My City

Das Leben ist Veränderung

Schon seit einigen Jahren hat ein neuer Trend bei Brettspielen Einzug gehalten. In sogenannten Legacy-Spielen werden mehrere Partien verknüpft, oft auch storytechnisch verbunden durch eine Kampagne, wobei sich über den Verlauf der gespielten Spiele Regeln ändern, hinzugefügt oder entfernt werden, neue Charaktere, Materialien und Spielmechaniken dazu kommen und sich so das Spiel teilweise massiv ändern kann. Oftmals waren diese Legacy-Spiele ziemliche Brocken und somit eher für Vielspieler geeignet. Mit My City von Rainer Knizia, die Illustrationen stammen von Michael Menzel, hat Kosmos aber ein einsteigerfreundliches Familienspiel veröffentlicht, dass nicht nur aufgrund seiner Legacy-Elemente mit einer Nominierung zum Spiel des Jahres 2020 belohnt wurde.

viel Spielspaß trotz einfachem Material

Ablauf

In My City erhalten die 2-4 Spieler*innen jeweils 24 verschiedenartig, an Tetris erinnernde, geformte Gebäude, jeweils 8 in den Farben blau (Gewerbe), rot (Öffentliche Gebäude) und gelb (Wohngebäude), die dann auf dem Spielplan verbaut werden müssen. Um herauszufinden welches Gebäude als nächstes gebaut werden muss, hebt man von einem gemeinsamen Kartenstapel ab, dann legen alle Spieler*innen gleichzeitig das jeweilige Gebäude auf den Spielplan. Hierfür gibt es ein paar einfache Regeln, wie zum Beispiel, dass neue Gebäude an bereits existierende angelegt werden müssen, auf Gebirgen und Wäldern nicht gebaut werden darf und ein Gebäude den Fluss nicht überspannen darf. Hält man all diese Regeln ein, gilt es seine Gebäude noch taktisch gut zu bauen, da stehen gelassen Bäume am Ende der Runde jeweils einen Punkt einbringen, nicht verdeckte Steine und leere grüne Felder jedoch Minuspunkte einbringen. Kann oder will man ein bestimmtes Gebäude nicht mehr bauen kann man passen, was wiederum einen Minuspunkt einbringt, aber im richtigen Moment auch sehr hilfreich sein kann und sich vielleicht nichts für künftige Züge zu verbauen. Am Ende der Runde wird abgerechnet, die meisten Punkten bescheren der Spieler*in sogenannte Fortschrittspunkte, die anderen Spieler*inne bekommen aber gemäß einfacher Spezialregeln je Runde etwas aus den Kuverts, aber dazu gleich mehr. Nach insgesamt 24 Spielrunden, wobei eine Runde ca. 20-30 Minuten dauert wird geschaut wer die meisten Fortschrittspunkte hat und somit als Sieger*in feststeht.

Halt, war da nicht noch was mit Legacy? Für jeweils 3 Runden gibt es ein entsprechendes Kuvert, das neben einem kleinen Regelblatt und einer Übersicht über die Rundenziele und -belohnungen auch noch zusätzliches Spielmaterial bereithält. Diese Material sind meist Sticker die das Spielfeld verändern oder Karten, die dem gemeinsamen Stapel hinzugefügt werden. Es gibt noch anderes Zeug, aber wir wollen ja nichts Spoilern.

Easy to learn,….. bla bla

Bevor es um’s eigentliche Gameplay geht, wie immer ein paar Worte zum Material: Wie man es von KOSMOS erwartet ist dieses sehr solide, ausreichend dicke Gebäudeplättchen, die Spielpläne von guter Qualität, Symbolik, Grafiken und Karten sehr schön und leicht erkennbar und das geheime Material in den Kuverts steht dem um nichts nach.

My City schenkt sich auch beim Gameplay nichts. Durch das leicht verständlich geschriebene Regelwerk kann man wirklich sehr schnell los spielen und die ersten Partien gehen leicht von der Hand und das puzzeln im Stile von Tetris und ähnlichen Spielen macht viel Spaß. Ist der Schwierigkeitsgrad zu Beginn noch recht einfach, zieht dieser mit dem Öffnen weiterer Kuverts alle 3 Runden schnell an. Es müssen einfach immer mehr Regeln beachtet werden und es gibt immer mehr Möglichkeiten zu punkten, da kann man schon ein wenig die Übersicht verlieren und das Planen der perfekten Stadt wird dann immer kniffliger. So nebenbei wird beim Öffnen der Kuverts und dem Einführen neuer Mechaniken auch die Geschichte der Stadt erzählt, wodurch der Kampagnencharakter des Spiels noch mehr gefördert wird.

Für viele Spieler*innen könnte es aber ein Manko sein, dass man wirklich 24 Partien spielen muss um alle Inhalte von My City zu erleben. Die Runden sind zwar schnell gespielt, aber ich persönlich habe aktuell nicht viele Spiele die ich 24 mal gespielt habe, was an der Masse an Neuheiten und meiner FOMO liegt. Ist man mit seiner Gruppe erstmal im Spiel und hat vielleicht schon ein paar Runden intus, ist es auch nicht allzu leicht neue Spieler*innen in die Gruppe zu holen. Die Spielpläne sind bereits nach 3, 4, 5 Runden nicht mehr so wie zu Beginn, nach 10+ Partien wird es nicht leichter. Die Spielgruppe sollte sich also so gut es geht nicht ändern.

Hat man irgendwann mal alle 24 Partien gespielt, die Story somit beendet und das neue Material aus den Kuverts „verbraucht“, kann man „Das ewige Spiel“ spielen, ein Modus der regeltechnisch in etwa dort angesiedelt ist, wo man nach 10 Runden mit den Legacy-Mechaniken liegt. Dazu wird einfach der Spielplan umgedreht. Wie oft man das Spiel nach 24 Partien noch spielt ist eine andere Frage. Die Kampagne noch einmal zu spielen ist nicht möglich.

Aufgrund der sehr einfachen Mechaniken, dem angenehm ansteigenden Schwierigkeitsgrad sowie der sich ständig ändernden taktischen Anforderungen kann ich die Nominierung zum Spiel des Jahres 2020 absolut nachempfinden und My City für Familien sicher

Pros and Cons

+ schneller Einstieg, einfacher Legemechanismus
+ Legacy-Mechaniken sehr spannend und motivierend
+ Zunahme des Schwierigkeitsgrads genau richtig

– 24 Partien um Kampagne zu beenden
– Kampagne nur einmal spielbar
– Wenig Wiederspielreiz nach Beenden der Kampagne

Fazit

Wertung

Einfacher Städtebau mit Langzeitmotivation

Hat man sich erstmal damit arrangiert, das Spiel 24 mal spielen zu müssen um alle Aspekte kennenzulernen, erhält man mit My City ein wirklich schönes und einsteigerfreundliches Legespiel für fast die ganze Familie. Der Legacy Aspekt macht richtig Spaß, die neuen Regeln fordern und das Öffnen der Kuverts und die Spannung was da als nächstes auf einen zukommt motiviert zusätzlich. Und so sind auch die 24 Runden viel zu schnell vorbei.

User Rating: Be the first one !
Genre: Legespiel
Verlag: Kosmos
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 24 x 20-30min
Preis: UVP 34,99

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