Home / Artikel / Asterix Review Special (8): Asterix bei den Briten

Asterix Review Special (8): Asterix bei den Briten

Heute folgt bereits das achte Asterix-Review-Special, die ich nach dem Ende von Comic Hive nun hier fortführe. Und auch die alten Specials werden nicht im digitalen Nirwana verschwinden, sondern dürfen hier weiterleben. Aber nun geht es erstmal auf nach Britannien …

Noch während „Der Kampf der Häuptlinge“ in Pilote erschien, erfreuten René Goscinny und Albert Uderzo ihre Fans mit kleinen Geschichten und Zeichnungen aus dem stetig wachsenden Asterix-Universum. Hierzu gehörte auch ein Bild, welches zeigt, wie Asterix und Obelix am Kessel mit dem Zaubertrank herumturnen. Aus diesem kleinen Bild entstand dann wiederum über 20 Jahre später die Idee zu dem Band „Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist“.

Auch als kleine Buben waren Asterix und Obelix unzertrennlich.

Im gleichen Jahr erhielt Pilote statt „Das Magazin für die Jugend des Jahres 2000“ einen neuen Untertitel. Ab Ausgabe 300 zierte der Spruch „Le journal d´asterix et d´obelix“ (Das Journal von Asterix und Obelix) das Cover. Nur 6 Ausgaben später kündigte sich dann auch bereits das nächste neue Abenteuer an. Hierfür erschufen Goscinny und Uderzo einen ganzseitigen Comicstrip mit dem einfachen Titel „Lectio omnibus“ in dem der französische Fernsehmoderator Pierre Desgraupes die beiden Gallier zum Interview bittet und auch gleich zum neuen Abenteuer ausfragt. Doch Asterix hält sich sehr zurück und erwähnt nur, dass es zu den Briten geht. Es wird Zwischenfälle und Prügeleien geben, und man wird sich den Bräuchen der Briten ein wenig annehmen.

Asterix im TV-Interview

Zu dieser Zeit, Mitte der 60er Jahre, erfreute sich Asterix immer weiter steigender Beliebtheit. So schaffte es der Gallier unter anderem auf das Titelbild der 796. Ausgabe der Zeitschrift L´Express, welches sich dem „Phänomen Asterix“ annahm. Doch auch die New York Times widmete sich dem Comic-Helden, der die Herzen der Franzosen eroberte. Außerdem gab es regelmäßige Hörspieladaptionen bei France-Inter und auch der erste französische Satellit mit dem Namen Code A1 wurde von seinen Konstrukteuren auf Asterix umgetauft.

Asterix in der gesamten Presse, weltweit. Anerkennung für die beiden Gallier.

Wie schon einige Abenteuer zuvor wurde auch dieser Band mit einer Verfilmung bedacht. Doch anders, als viele anderen Umsetzungen diente für den gleichnamigen Animationsfilm nur dieses eine Abenteuer als Vorlage. Dies zeigt deutlich, wie dicht, atmosphärisch und gut aufgebaut die Reise nach Britannien doch ist. Und diese Meinung vertreten nicht nur viele Asterix-Fans, sondern auch Uderzo selbst. 1999 nach seinem Lieblingsabenteuer befragt, antwortete er zuerst „Mein Lieblingsalbum ist das nächste, das noch nicht geschrieben ist.“ Doch dann gibt er zu, dass gerade Asterix bei den Briten einen besonderen Stellenwert besitzt, da Goscinny hier sehr gelungen mit den Eigenheiten der Briten spielt.

Asterix Review Special 07 Bild 000Asterix bei den Briten
[Ehapa, 1971]

Nachdem Julius Cäsar erfolgreich Gallien erobert hat, schickt er sich nun an die britische Insel dem römischen Reich einzuverleiben. Die Eigenheiten der Briten jeden Nachmittag um 5 Uhr eine Pause einzulegen, um heißes Wasser zu trinken, sowie nach fünf Tagen zwei Tage lang „Wochenende“ zu haben erleichtert ihm seinen Feldzug. Schnell ist Britannien erobert, aber auch hier gibt es ein kleines Dorf, welches Widerstand leistet. Wie lange aber noch. Um die Chancen zu verbessern, macht sich Teefax auf die reise zu seinem Vetter Asterix nach Gallien, um dort um Hilfe zu bitten. Gemeinsam mit einem Fass voll Zaubertrank machen sich dann Asterix, Obelix und Teefax auf in die britische Heimat, wo ihnen die Römer einen Stein nach dem anderen in den Weg legen. Das Trio lässt sich aber nicht so leicht ausbremsen und muss dabei einmal mehr ihrem Mut unter Beweis stellen …

Bloß nicht zu sehr schütteln, die Briten.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt und das zeigt zwei Eigenheiten. Denn obwohl der eigentliche Hergang schnell geschildert ist, bietet dieses Album noch so viel mehr, was zum Entdecken einlädt. Kleinigkeiten in der Handlung, wie ein betrunkener Obelix oder der immer wieder schnell aufgetauchte Nebel sind genauso relevant wie das ungewöhnliche Trank- und Speisenangebot auf der Insel. Dieses stößt vor allem Obelix sauer auf, der sein Wildschwein so gar nicht in Pfefferminzsoße gekocht mag. Doch Goscinny lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, den damals sehr populären Beatles seine Aufwartung zu machen und sie innerhalb von Asterix zu verewigen. An Humor und Charme hat dieses Abenteuer generell einiges anzubieten und hebt sich dadurch aus der Masse der Abenteuer ein wenig ab. Einen Großteil machen jedoch die kleinen humorvollen und manchmal überzogen dargestellten Eigenheiten der Briten aus. Dies schafft Goscinny jedoch ohne Beleidigungen, sondern vielmehr mit sehr viel Hochachtung und einem kleinen Augenzwinkern.

Wie können die Briten das den armen Wildschweinen bloß antun?

Das Artwork von Uderzo zeigt, wie auch schon bei den vorangegangenen Bänden eine leichte Steigerung. Seine Bilder werden fröhlicher, die Bewegungen der Figuren frecher. Besonders auffällig ist dies bei Obelix, der hier des öfteren seinen Emotionen freien Lauf lässt. So schüttelt er unter anderem Teefax auf seinen eigenen Wunsch hin kräftig durch und heult jämmerlich, als er volltrunken glaubt, dass sein Freund Asterix ihn nicht mehr liebt.
Trotz dieser Entwicklung vergisst Uderzo nicht, seine Bilder mit vielen kleinen Details zu versehen, die erst beim mehrmaligen Durchblättern und Lesen ins Auge fallen. Gerade dies macht einen großen Reiz der Asterix-Bände aus. Trotzdem man die Geschichte bereits kennt, gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Ein Talent, was nicht viele Zeichner besitzen.

Obelix ist verzweifelt. Und betrunken.

FAZIT:

Thomas Muelbradt AvatarAsterix bei den Briten ist zu recht ein Meilenstein und Klassiker der Comicliteratur. Eine dichte und witzige Erzählweise mit frechen und detaillierten Bildern zeugen auch heute noch von der großen Erzählkunst und viel Liebe und Hingabe zu den beiden Galliern. Und auch wenn ein inzwischen sehr wichtiger Nebencharakter über weite Teile des Abenteuers fehlt, macht es auch nach über 45 Jahren noch sehr viel Spaß und Freude. An diesem Album kommt kein echter Asterix-Fan vorbei.
(Thomas Mülbradt)

Die Formationen der Römer sind sehr flexibel und eindrucksvoll. Meistens zumindest.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1966-2013 Les Éditions Albert/René / Egmont Ehapa