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Asterix Review Special (5): Tour de France

In der deutschen Fassung dieses Bandes ist die Anspielung direkt im Namen zu erkennen. Für das fünfte Abenteuer der beiden Gallier in Frankreich wurde wenig subtiler, mit der immer noch sehr erfolgreichen Tour de France-Anspielung, geworben. Im Original lautet das Abenteuer Tour de Gaule, aber alleine durch die Routenplanung wird deutlich, dass dies eine Reminiszenz an das wohl schwerste und erfolgreichste Etappenrennen der Welt ist.

Asterix‘ Reiseroute sieht der Tour de France zum Verwechseln ähnlich.

Wie inzwischen üblich, so gibt es auch diesmal wieder einiges in dem neuen Abenteuer zu entdecken. So taucht in diesem Band erneut ein kleiner Hund auf, der die beiden Gallier den Rest des Abenteuers begleitet. Goscinny hatte diesen Hund ganz bewusst in seinem Drehbuch vorgemerkt und Uderzo tat gut daran, dies umzusetzen. Denn der kleine Straßenköter erhielt soviel Zuspruch von den Lesern, dass kurz darauf das Maskottchen Idefix eingeführt wurde. Den Namen erhielt der kleine und treue Begleiter von Obelix im Übrigen durch einen Leserwettbewerb in der Zeitschrift Pilote. Und das der Name Idefix, für den kleinen Hund mit den fixen Ideen mehr als passend ist, sollten die folgenden Abenteuer mehr als ein Mal eindringlich beweisen.

Idefix bei seinem ersten Auftritt (links) und am Ende des Bandes (rechts)

Aber es gibt noch weitere Anspielungen, die sich aber nur den erfahreneren Lesern so richtig erschließen. Denn wie bereits in früheren Ausgaben, ließ Uderzo bekannte Persönlichkeiten der damaligen Zeit und seiner Jugend als Karikaturen in den Band mit einfließen. So gibt es zum Beispiel während der Reise von Asterix und Obelix eine Taverne in dem Etappenziel Massilia, welche inklusive der auftretenden Figuren eine Anspielung auf die in den 1930er Jahren bekannten französischen Filmkomödien Marius (1931), Fanny (1932) und César (1936) von Marcel Pagnol darstellt. Wie in den Filmen sind auch hier drei Karten spielende Herren vertreten, die den französischen Schauspielern Paul Dullac, Fernand Charpin und Robert Vattier äußerst ähnlich sind, die auch allesamt in der bereits erwähnten Filmtrilogie von Marcel Pagnol mitspielten. Aber es gibt auch jemanden, der hier bereits seinen zweiten Auftritt verzeichnen durfte. Denn nach „Die goldene Sichel“, ließ Uderzo den erfolgreichen Schauspieler Jules Muraire Raimu wieder auftreten. Diesmal als Kneipier Cäsar Kneipix.

Paul Dullac, Fernand Charpin und Robert Vattier

Doch neben Schauspielern werden auch immer gewisse Eigenschaften, Vorlieben und Eigenheiten der jeweiligen Regionen Frankreichs dargestellt. So sieht man Cäsar Kneipix und seine drei Freunde bei dem, auch als französischen Nationalspiel Boule bekannten, Spiel Pétang. Auch was an Getränken auf den Tisch kommt, ist typisch für Massilia. So wird der dort bekannt mit Wasser verdünnte Anislikör serviert, der auf den Namen Pastis hört. Diese Anspielungen, die dargestellten Schauspieler und das gesamte Ambiente der kleinen Schiffertaverne in Massilia sind eine eindeutige Anspielung an die Werke des Cineasten Pagnol, der selbst zu Recht dazu meinte: „Jetzt ist mein Werk unsterblich. Es wird in Asterix zitiert.“

Keine leichte Frage, bei so einem überzeugenden Gegner.

Neben all den Anspielungen, gib es aber auch wieder einen inzwischen liebgewonnenen Running-Gag, der hier seinen Ursprung hatte. Denn in diesem Abenteuer wurde Obelix erstmal mit seinem Figurproblem konfrontiert. Wer erinnert sich nicht an Obelix‘ impulsiven Ausspruch: „Dick? Wer ist hier Dick?“ Auch wenn es hier noch ein wenig weiter getrieben wird, und Obelix sogar als dickes Monstrum bezeichnet. Und es gibt erneut ein Aufeinandertreffen mit den Piraten. Diesmal ist sogar Baba, der dunkelhäutige Späher im Krähennest des Piratenschiffes anwesend. Wie das ausgeht, kann man sich allerdings denken …

Asterix und Obelix haben einen weit reichenden Ruf, der Gegner schnell erschaudern lässt.

Asterix Special 005 Bild 000Asterix: Tour de France
[Ehapa, 1970]

Die Römer, allen voran der Gesandte von Julius Cäsar, Generalinspektor Lucius Nichtsalsverdrus, können es nicht akzeptieren, dass sämtliche Gallier den Römern unterworfen sind und nur das kleine Dorf von Asterix und Obelix, den Eroberern Widerstand leistet. Und da die Gallier sich auch nicht einfach ergeben wollen, beschließt Lucius das Dorf durch einen Palisadenzaun von der restlichen Umwelt abzuschotten. Doch das können Asterix und seine Freunde nicht auf sich sitzen lassen. Sie schließen eine Wette ab, nach derer sie wieder frei sein dürfen, wenn sie es schaffen Spezialitäten aus ganz Gallien zu besorgen und dem Generalinspektor vorzulegen. Siegessicher willigt Lucius Nichtsalsverdrus ein. Doch kaum haben sich Asterix und Obelix auf den Weg gemacht, alarmiert er seine Landsleute, damit diese den beiden Galliern ihre Mission erschweren und sie gefangen nehmen. Aber Asterix ist gewitzt, und auch wenn ein Großteil der Gallier, in ganz Gallien, sich den Römern ergeben haben, so sind sie doch Landsleute und helfen sich untereinander, wenn es darauf ankommt. Aber es gibt auch schwarze Schafe …

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.“, oder so ähnlich. Es ist schon erstaunlich wie gut Uderzo auf die damaligen Weltereignisse reagierte und das alles mit einem Augenzwinkern.

Mit Tour de Gaule liefern Goscinny und Uderzo nicht nur eine gelungene Hommage an die Tour de France ab, sondern präsentieren dem Leser auch die wunderbaren Landschaften und Eigenheiten ihrer Heimat. Einmal quer durch ganz Frankreich führt die Route, es gibt Leckereien, wie Wurst, Käse, Wein und Backwaren, allen voran die leckeren Backpfeiffen (die gibt es wirklich und es sind ausnahmsweise nicht die bekannten Klapse gegen die Römer gemeint) und noch vieles mehr. Aber es gibt natürlich auch wieder einige humorvolle Seitenhiebe auf die aktuellen Verkehrsverhältnisse. So sind gerade die Straßen zu den größeren Städten und auch in den Großstädten, wie Lutetia, mit Ochsenkarren, Pferdewagen und vielem anderen verstopft. Asterix und Obelix werden gekonnt von einem „Gebrauchtwagenhändler“ über den Tisch gezogen und müssen dann auf einen Abschleppdienst warten. Hier haben die beiden geistigen Väter wieder gehörig ihren Sinn für Humor spielen lassen. Genau wie die spätere Situation, in der Asterix und Obelix von den Römern in Ketten gelegt werden sollen, und sie sich immer wieder durch Kleinigkeiten befreien, bis der römische Schmied dem Nervenzusammenbruch nahe ist. Dies sind Running-Gags die sich in den Abenteuern von Asterix und Obelix immer wieder finden lassen.

Nur hier. Die Originalen Backpfeiffen. Nur die Römer können nicht wählen. Die bekommen nur die eine Sorte.

Visuell hat sich Uderzo mächtig ins Zeug gelegt, um die Etappen der Reise so abwechslungsreich wie nur möglich zu gestalten. Während Städte, wie Lutetia, wie ein Wimmelbild aussehen, und dementsprechend Hektik und Unruhe suggerieren, sind kleine Dörfer und Hafenstädte sehr ruhig und malerisch gestaltet. Eine Eigenheit, die mir persönlich in diesem Band besonders aufgefallen ist, sind die wesentlich dynamischeren Zeichnungen. Sowohl die Figuren als auch die Tiere und Landschaften strahlen einen unglaublichen Bewegungsdrang aus. Einfach alles scheint förmlich vom Papier springen zu wollen.

Wehe dem, der beim Boule-Spiel stört.

FAZIT:

Thomas Muelbradt AvatarTour de France ist trotz der ganzen Hektik innerhalb und der vielen Etappen, ein eher ruhigeres Abenteuer. Zwar kommen Asterix und Obelix viel und weit herum, dennoch strahlen sie eine gewisse Ruhe und Besonnenheit aus. Fast könnte man von Siegessicherheit sprechen. So folgt mal den beiden Galliern gemächlich auf den Fersen, ertappt sich dabei die detaillierten Bilder nach kleinen Gags am Rande abzusuchen und erfreut sich an dem Humor, der einem von jeder Seite entgegenspringt.
(Thomas Mülbradt)

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