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Asterix Review Special (21): Das Geschenk Cäsars

Im Oktober 1973 gibt Albert Uderzo ein paar Einblicke in das neue kommende Asterix-Abenteuer mit dem Originaltitel „Le Cadeau de César“. Dabei beschreibt er dessen Inhalt mit folgenden Worten: „Cäsar schenkt seinen Legionären Ländereien in den Kolonien. Um sich an einem Trunkenbold von Legionär zu rächen, gibt Cäsar ihm ein gallisches Dorf. Welches, das können Sie sich vorstellen … Im Rausch wechselt der Legionär bei einem Gastwirt seine Besitzerplakette gegen Wein ein. Der Wirt, seine Frau und ihre Tochter kommen darauf ins gallische Dorf, wo sich jeder über sie lustig macht, nachdem sie von ihrem Anliegen erfahren haben. In der Folge kommt es dann zu zahlreichen deftigen Überraschungen. An dieser Stelle höre ich aber besser auf, da ich ein schlechter Erzähler bin und riskiere, die ausgezeichnete Geschichte von Goscinny zu verderben.“

Ein paar Figurenskizzen zu „Das Geschenk Cäsars“ von Uderzo

Doch soviel kann Uderzo überhaupt nicht verraten. Denn genau genommen nutzt Goscinny einige Elemente aus früheren Abenteuern, um mit „Das Geschenk Cäsars“ eine neue Geschichte zu kreieren. Wie in „Kampf der Häuptlinge“ bekommt es Majestix mit einem Kontrahenten zu tun, gegen den er sich zur Wehr setzen muss. Und wie in „Streit um Asterix“ kommt es erneut zu einer Teilung des Dorfes, als sich dessen Bewohner zwischen Majestix und seinem Herausforderer entscheiden sollen. Dabei sind an dem Konflikt weniger Majestix und sein Herausforderer Orthopädix schuld, sondern vielmehr deren Frauen Gutemine und Gelatine. Die können sich nämlich von Anfang an nicht riechen. Und riechen ist hierbei wieder einmal eine tolle Überleitung zum allgemeinen Dorfkritikpunkt. Ich sage nur „Fische“. Doch Goscinny nutzt dieses wilde Durcheinander um ein Psychogramm der Dorfbewohner zu erstellen, mit denen er allerlei Spielchen treibt.

MV Comix 3 bis 13 aus dem Jahr 1975

Doch ich möchte auch hier, wie Uderzo damals schon, nicht zu viel von der eigentlichen Handlung verraten. Neun Monate nach Uderzos kurzem Einblick, ab dem 11. Juli 1974, wurde das Abenteuer als Vorabdruck in Le Monde veröffentlicht. Nachdem sich Uderzo und Goscinny von Pilote trennten, war es Le Monde, wo der tapfere Gallier ein neues Zuhause fand. Noch im Herbst des gleichen Jahres erschien das von Dargaud veröffentlichte Album zum Abenteuer. Ein halbes Jahr später, in den Ausgaben 3 bis 13 von MV Comix kam „Das Geschenk Cäsars“ auch in Deutschland zum Vorabdruck und ab dem 9. März 1975 kommen auch die deutschen Leser in den Genuss der gesammelten Geschichte als 21. Großer Asterix Band.

Das Geschenk Cäsars
[Egmont, März 1975]

Wenn die Legionäre Cäsars ihre 20 Jahre in dessen Dienst abgeleistet haben, so erhalten sie als Dank von Cäsar ein paar Parzellen Land als Prämie. Hier dürfen sich die Legionäre niederlassen, um ihren Lebensabend zu genießen. Auch der ewig betrunkene Keinentschlus soll ein Stück Land erhalten. Doch Cäsar will ihn damit keinesfalls belohnen. Den Keinentschlus erhält ein kleines bekanntes gallisches Widerstandsdorf. Aber die Besitzplakette hierfür tauscht er bei dem Wirt Orthopädix gegen Wein ein. Orthopädix glaubt nun im Besitz eines ganzen gallischen Dorfes zu sein, ohne zu wissen, was er sich damit aufgeladen hat. Das wird ihm erst bewusst, als er mit seiner Frau Gelatine und Tochter Zechine dort auftaucht und von allen seinen Bewohnern ausgelacht wird. Aber Majestix und Orthopädix verstehen sich sehr gut, und so bietet er ihm an im Dorf zu bleiben, und dort eine neue Taverne aufzumachen. So lassen sie sich gleich neben dem Fischhändler Verleihnix nieder und geben auch gleich eine Party, bei der reichlich Alkohol fließt und auch die Fetzen fliegen. Daraufhin kommt es zum Disput zwischen Gutemine und Gelatine, woraufhin sich ein Wettkampf um den Posten als Häuptling entwickelt …

Während Majestix und Orthopädix sich ganz gut verstehen, herrscht zwischen Gutemine und Gelatine Eiseskälte.

Wieder einmal ist Cäsar der Ausgangspunkt für ein Abenteuer mit allerlei Verwicklungen. Doch neben der Tatsache, dass Cäsar hier Ländereien verschenkt, die ihm überhaupt nicht gehören, ist vor allem der Kleinkrieg im Dorf ein zentrales Element. Sei es die Offenlegung verschiedener persönlicher und psychologischer Eigenheiten der Dorfbewohner, oder den ständig (sowohl geistig als auch körperlich) unterlegenen Römern. Jedoch bedient sich Goscinny nicht nur bei „Streit um Asterix“ und „Der Kampf der Häuptlinge“, sondern baut auch weitere Spitzen ein. So gibt es ein Gespräch zwischen Orthopädix und seiner Frau, welche ihn auf deren Schwester anspricht, die Potzblitz geheiratet hat. Ein ähnliches Problem hatte auch Majestix mit seinem Schwager Homöopathix in „Die Lorbeeren des Cäsar“. Hierbei sie auch gleich angemerkt, dass der Wirt Orthopädix eine Karikatur des französischen Schauspielers André Alerme ist, der neben dem ebenfalls sehr oft karikierten Raimu in vielen Filmen der 30er Jahre mitspielte. Und noch ein weiterer, aber visuell weitaus weniger bekannterer Kopf hat in diesem Band seinen bist dato dritten Auftritt (zwei weitere folgen in späteren Abenteuern). Gemeint ist hier der persönliche Freund von Uderzo und Goscinny, Pierre Tchernia, der vor allem als Fernsehjournalist und Moderator bekannt war. Allerdings hat er auch für vier Asterixfilme („Asterix und Kleopatra“, „Asterix erobert Rom“, „Asterix bei den Briten“ und „Sieg über Cäsar“) das Drehbuch verfasst. In diesem Band taucht er als ausgedienter Legionär auf, der sein Dankesgeschenk von Cäsar erwartet.

Links: Orthopädix nach dem Vorbild von André Alerme
Rechts: Pierre Tchernia als Legionär a.D.

Wie auch schon im vorangegangenen Band fällt auch diesmal wieder die oftmals spärliche Hintergrundgestaltung auf. Erneut scheint der Zeitfaktor ein Grund für weniger detaillierte Hintergründe zu sein, wohingegen die Mimiken der Figuren erneut über jegliche Kritik erhaben sind. Egal welche Figur, egal ob im Vorder oder Hintergrund, jedem verleiht Albert Uderzo den zur Situation passenden Gesichtsausdruck. Dadurch wirkt keine Figur austauschbar. Aber auch die visuellen Späße kommen wieder nicht zu kurz. Immerhin bietet Goscinnys Story genug Möglichkeiten sich hier zeichnerisch auszutoben, was Uderzo in vollem Maße nutzt. Seien es die Szenen mit dem verliebten Obelix, der mal wieder sein Herz verloren hat, in diesem Fall die kleine Zechine, oder die Momente in denen sich Asterix und Obelix nach einem Streit wieder vertragen. Es mögen nur immer ein paar Panels sein, doch im Großen und Ganzen ergeben sie ein tolles Gesamtbild, einer sehr witzigen Geschichte.

Asterix und Obelix vertragen sich wieder.

„Das Geschenk Cäsars“ ist kein Highlight wie andere Abenteuer, aber dennoch ein grundsolides und verdammt witziges Durcheinander. Vor allem das Zusammenspiel zwischen den Figuren, die kleinen witzigen Anspielungen, hier sei nur kurz Zorro erwähnt, und die wirklich tolle Mimik und Gestik, die Uderzo zu Papier gebracht hat, sind eine kongeniale Mischung an Aberwitzigkeiten. Dennoch gibt es genug psychologischen Spielraum und die verschiedensten Erkenntnisse zum Verhalten von Menschen in Extremsituationen, die Goscinny jedoch alles andere als auf einem Silbertablett serviert. Der Band lädt gerade hierdurch ein Ihn mehrfach zu lesen, da es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Vor allem dann, wenn man sich ein wenig mit den verschiedenen Hintergründen etwas näher befasst.

Feiern wie die Gallier.
Man beachte das Namensschild von Orthopädix‘ neuer Taverne direkt neben Verleihnix‘ Fischhandel, „Gasthaus zur frischen Brise“

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