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Asterix Review Special (2) Die goldene Sichel

In diesem Review-Special stelle ich euch das zweite Abenteuer der beiden Gallier vor. So manch einer wird sich vielleicht wundern, denn nach offizieller Albenreihenfolge werden einige vermutlich den Band „Asterix und Kleopatra“ erwarten. Doch dies ist ein Fehler. Denn bei dem angesprochenen Band handelt es sich im Original um das sechste Abenteuer. Dies wurde damals in Deutschland nur wegen des zeitnah im Kino laufenden Animationsfilmes vorgezogen.

Grundsätzlich hatte es Ehapa bei den ersten sieben Bänden mit der Reihenfolge nicht so genau genommen. Doch dies soll nicht der eigentliche Schwerpunkt dieser kleinen Einleitung sein.

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Am 11. August 1962 mit der 42 Ausgabe von Pilote offenbarte sich mit dem Titelschriftzug „Astérix et la Serpe d´Or“ den Lesern das nächste Abenteuer des pfiffigenGalliers. Noch war nicht abzusehen, welche Wellen René Goscinny und Albert Uderzomit ihren zwei Helden auslösen würden. Doch bereits in diesem Abenteuer begannen sie Dinge zu etablieren, die sich zu festen Institutionen und auch Running Gags entwickeln würden. Sei es die Tatsache, dass einfach keine Tür Obelix lange standhalten kann, oder die stetigen Begegnungen mit römischen Patrouillen, deren Ausgang ebenfalls fast immer gleich verläuft. Damals wussten Goscinny und Uderzonoch nicht, was für Erfolge die Gallier und deren Abenteuer feiern würden. Dennoch sagte Uderzo selbst in einem TV-Interview, dass sie etwas schaffen wollten, worauf sie mit Stolz zurückblicken konnten. Und mit „Die goldene Sichel“ machten sie sich zielstrebig auf den Weg dahin.

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Goscinny und Uderzo waren damals viel beschäftigte Männer. Goscinny der nebenAsterix als Autor/Texter für Nicolas (im Pilote), Umpah-PahSpaghetti und Strapontin (inTintin), Lucky Luke (in Spirou) und Gaudéamus (in Jours de France) arbeitete, bezeichnete seine Arbeit dennoch mehr als Passion. In seiner Biografie beschrieb schrieb er dazu: „Ich kam zum Humor, weil ich es als kleines Kind geliebt habe, schreckliche Grimassen zu schneiden, die in meiner eigenen Familie mit einem Stoßseufzer quittiert wurden, von allen anderen aber mit einem Lachen. Seit da ist es für mich zur Passion geworden, jemanden zum Lachen zu bringen. Ich liebe das, und allein das zählt für mich. Ich sage das mit vollem Ernst.“

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Uderzo war aber ebenfalls nicht faul. Er zeichnete nicht nur Asterix, sondern auch nochUmpah-Pah (für Tintin) und Michel Tanguy (für Pilote). Und dann gab es da noch die ein oder andere „Kleckserei“. Eine dieser Klecksereien ist ein zweiseitiger Aprilscherz für die 75. Ausgabe von Pilote. Dort lässt er neben Asterix und Obelix auch noch Michel Tanguy und seinen Partner Laverdure auftreten, sowie Barbe Rouge (Der rote Korsar) und Baba. Damals war noch nicht anzusehen, das eben die beiden Letztgenannten noch eine immer wiederkehrende und nicht unwichtige Rolle in den Abenteuern vonAsterix und Obelix haben würden.

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Wenn euch dies Appetit auf den Band gemacht hat, dann viel Spaß mit der Review zum nächsten Abenteuer mit Asterix, Obelix und Miraculix sowie einem hoffentlich versöhnlichen Ende!

Asterix_02_Bild_000Die goldene Sichel
[Egmont Ehapa Verlag, Dezember 1970]

Ausgerechnet jetzt geht die Sichel kaputt.

Ausgerechnet jetzt geht die Sichel kaputt.

Das jährliche Druidentreffen im Karnutenwald steht bevor und ausgerechnet jetzt zerbricht die goldene Sichel des Druiden Miraculix. Und nicht nur das. Ohne die goldene Sichel haben die Misteln keine Zauberkraft. Denn diese entwickelt sich nur, wenn die Misteln mit einer goldenen Sichel geschnitten werden. Also bleibt Asterix undObelix nichts anderes übrig, als nach Lutetia aufzubrechen, um dort bei Obelix‘ VetterTalentix eine neue goldene Sichel zu besorgen.
Doch in Lutetia gibt es weitaus größere Probleme. Dank eines geheimen Sichelschieberringes sind nicht nur die Preise für goldene Sicheln ins Unermessliche gestiegen, auch Talentix ist spurlos verschwunden, und den beiden tapferen Galliern steht ein aufregendes Abenteuer bevor …

Alleine der Weg nach Lutetia ist mit Abenteuern gespickt. Inklusive dem 24-Stunden-Wagenrennen von Suindinum, was dem heutigen Le Mans entspricht.

Alleine der Weg nach Lutetia ist mit Abenteuern gespickt. Inklusive dem 24-Stunden-Wagenrennen von Suindinum, was dem heutigen Le Mans entspricht.

Das offizielle zweite Abenteuer verschlägt Asterix und Obelix nach Lutetia, dem heutigen Paris. Und das Team Goscinny/Uderzo schafft es sehr gut, die Stadt bereits in ihrer frühen Form darzustellen. Eine große Stadt, viele Bewohner und dadurch enge und belebte Straßen. Volle Marktplätze unter anderem mit den schönsten Leckereien für einen französischen Gourmet. Und das aufregende Nachtleben mit Kneipen und Revue-Theatern in der frühen Form des Moulin Rouge. Für die beiden Gallier eine unwillkommene, weil chaotische und hektische, Lebensweise.
Ebenfalls eine Erwähnung wert ist der spätere typische, sich hier aber gerade entwickelnde Humor des Duos. Immer wieder baut René Goscinny Situationen der damals aktuellen Weltpolitik ein, und transferiert sie in die bunte und gelegentlich chaotische Welt der Gallier. Dennoch wirkt Asterix auch heute noch so aktuell wie damals, als es im besagten französischen Jugendmagazin erschien. Denn vieles, von dem was Uderzo und Goscinny in Asterix einfließen ließen, kann man auch auf heutige Ereignisse und weltpolitische Änderungen übertragen.

Obelix' charmante Art Türen zu öffnen hat hier seinen Ursprung.

Obelix‘ charmante Art Türen zu öffnen hat hier seinen Ursprung.

Aber auch Albert Uderzo hat so seine Möglichkeiten, damals Zeitaktuelles in Asterix‘Abenteuer einzubauen. Dies schafft er durch Karikaturen damals bekannter Persönlichkeiten. So hat der, leider namenlose neue Wirt des Gasthauses „Zur Sonne von Massalia“ das Konterfei und die Statur des französischen Schauspielers Jules Muraire Raimu („Spiel der Erinnerung“ [1937], „Der ewige Gatte“ [1946]). Auch der Präfekt von Lutetia ist an einen bekannten Schauspieler angelehnt. Hier stand der Amerikaner Charles Laughton („Meuterei auf der Bounty“ [1935], „Spartacus“ [1960]) Pate.
Außerdem gibt es bereits einige Hinweise auf Eigenheiten, Orte und Ereignisse, die sich im Verlauf der späteren Abenteurer zu festen Größen innerhalb des Asterix-Kosmos etablieren werden. So hat beispielsweise der gallische Hahn, der allmorgendlich seinen Weckruf ertönen lässt, hier seinen ersten Auftritt, und in Lutetia begegnet Obelix auch einem kleinen Schwarz/Weißen Hund. Ähnlichkeiten sind hier natürlich noch rein zufällig, aber möglicherweise reifte bereits hier die Idee, Obelix einen tierischen Begleiter an die Seite zu stellen.
Es gibt aber noch eine merkwürdige Eigenheit dieses Bandes. Denn ab Seite 32 ändert sich das Seitenlayout. Statt dem ursprünglichen Raster wechselte Uderzo zu dem ebenfalls sehr bekannten Comicstrip-Format. Er selber begründete dies damit, das er damals neben Asterix so viel zu tun gehabt hätte, und es deshalb zu diesem Fehler gekommen war. Denn neben Asterix lieferte er auch die bereits im Vorwort erwähnten Serien ab. Dementsprechend fiel auch seine Entschuldigung aus: „Mea culpa, mea maxima culpa!“

Und noch etwas beginnt am Ende mit diesem Abenteuer. Auch wenn er hier noch sitzen darf und nicht am Ast baumelt.

Und noch etwas beginnt am Ende mit diesem Abenteuer.
Auch wenn er hier noch sitzen darf und nicht am Ast baumelt.

FAZIT:

Thomas Muelbradt AvatarWar der erste Band „Asterix der Gallier“ noch ein wenig grob, sowohl von der Charakterisierung als auch von den Zeichnungen, so ist „Die goldene Sichel“ schon ein ganzes Stück weiter. Es werden Running Gags begonnen, Eigenheiten etabliert und neue Ideen, wie der bereits erwähnte Hund, angedeutet. Zusammen mit dem sich langsam aufbauenden Goscinny/Uderzo Humor zeigt sich dieser Band von einer sehr guten Seite und gehört noch immer zu den zeitlosen Klassikern der Reihe. (Thomas Mülbradt)

 

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