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Asterix Review Special (18): Die Lorbeeren des Cäsar

Asterix ist nicht erfreut über seine bevorstehende Aufgabe.

„Asterix kehrt zurück, um die Lorbeeren von Cäsar zu ernten“. So kündigt sich das neueste Abenteuer des kleinen cleveren Galliers auf der 621. Ausgabe der Jugendzeitschrift Pilote vom 30. September 1971 an. Schon das Titelbild jener besagten Ausgabe zeigt einen grimmigen Asterix, vor einer Zeichnung des antiken Roms aus der Luft. Warum und weshalb Asterix jedoch so wütend ist, dazu später mehr.

Luftbildaufnahmen der beiden “Haupt”-Städte.

Wie schon bei „Die Trabantenstadt“ beginnt das Abenteuer mit zwei halbseitigen Stadtbildern. Doch wieso wiederholen Goscinny und Uderzo sich hier? Dies hat zwei Gründe. Zum einen handelt es sich um die beiden Städte Rom und Lutetia (das heutige Paris) welche beide schon damals behaupteten „die erstaunlichste Stadt des Universums“ zu sein. Ein anderer Grund ist, dass beide Städte wichtig für die Geschichte sind. Während das Abenteuer in Lutetia startet, sprich der Ausgangspunkt für die Handlung darstellt, ist der Hauptschauplatz die zentrale Stadt des Römischen Reiches, Rom mit dem Sitz Julius Cäsars. Um den Leser auch stilgerecht in das Abenteuer einzuführen, bedienen sich die beiden geistigen Väter eines alten Filmtricks. Schon auf Seite zwei sieht der Leser den aufgebrachten Asterix an der Seite seines Freundes Obelix, wie er gegen einen Stein kickt, der kurz darauf wegfliegt. Hier setzen Goscinny und Uderzo mit ihrem Kniff an und drehen einfach die Zeit zurück, wodurch Asterix’ Tritt gegen den Stein quasi rückgängig gemacht wird, um den Leser kurz zu erklären, weshalb die beiden in Rom sind und was sie dort vorhaben, bevor die Story nach diesem Intermezzo genau an dieser Stelle wieder einsetzt.

Stilmmittel Rückblende. Goscinny und Uderzo arbeiten mit allen Mitteln.

Wie so oft wurden auch diesmal wieder neben dem typischen Humor, den vielen inzwischen klassischen Gags (inklusive Obelix’ Ausspruchs „Latürnich! Recht hat er, der Dingsbums“) viele historisch korrekte Fakten. Das betrifft unter anderem die akkurate Darstellung der Architektur, inklusive der vielen kleinen Brunnen, von denen es zur Blütezeit des antiken Roms ganze 1352 Stück gab, wenn man alle Brunnen und Becken zusammenzählt, sowie die detailgenaue Innenausstattung der Villa von Claudius Überflus, bei dem Asterix und Obelix für kurze Zeit unterkommen. Weitaus faszinierender sind jedoch Uderzos kleine Hommages an die Kunstwelt, welche er mit sehr humorvollen Parodien auf bekannte Statuen abliefert. Uderzo zeigt einen von Tfius Sklaven in mehreren weltbkannten Posen. Darunter Auguste Rodins Der Denker (entstanden zwischen 1880 und 1900), Der Diskobol des griechischen Bildhauers Myron von Eleutherai (entstanden um 450 vor Christus), oder auch die Laokoon Gruppe, deren Bronzeoriginal um 140 vor Christus entstand. Leider existiert dieses Original bereits nicht mehr, aber eine um 30 vor Christus entstandene Marmor-Kopie wurde 1506 von Felice de Fredis nahe den Ruinen von Neros Goldenen Hauses in dessen Weinbergen gefunden.

Uderzos Interpretationen und die Originale im Vergleich.

Während die Veröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte in den Pilote-Ausgaben von Nummer 621 bis 642 vom 24. Februar 1972 erfolgte und eine Albumausgabe noch im selben Jahr erfolgte, kamen die deutschen Leser in den Ausgaben 6 bis 20 der Comicanthologiereihe MV Comix des Ehapa-Verlages auch 1972 in den ersten Genuss dieses Abenteuer. Doch eine Albumveröffentlichung erfolgte erst ganze zwei Jahre später, im Jahr 1974, als großer Asterix-Band Nummer 18.

Die Lorbeeren des Cäsar
(Egmont, Oktober 1974)

Nach einem Streit zwischen Majestix und dessen Schwager Homöopatix finden sich Asterix und Obelix in Rom wieder, um dort die Lorbeeren des Cäsar zu stehlen. Das nur, weil Majestix volltrunken und in Wut seinem erfolgreicherem Schwager eines auswischen möchte, indem er ihm etwas Besseresy zu Essen serviert, als dieser es in Lutetia von Homöopatix und seiner Frau Galantine vorgesetzt bekommen hat. Ein Ragout gewürzt mit den Lorbeeren von Cäsars Lorbeerkranz. Während Asterix und Gutemine dies für eine sehr dumme Idee halten, pflichtet der ebenfalls angetrunkene Obelix seinem Chef bei. Doch es ist nicht einfach an Cäsars Lorbeeren zu kommen und dies müssen Asterix und Obelix sehr schnell feststellen. Cäsars Palast ist nicht frei zugänglich und so müssen sie sich erst als Sklaven verkaufen lassen, um eventuell Zutritt zu bekommen. Als wenn dies aber so einfach wäre. Schnell finden sich die beiden tapferen Gallier stattdessen im Verlies wieder und sehen sich den wilden Tieren im Circus gegenüber …

Wie kommt man jetzt am Besten in den Palast hinein.

Eigentlich ist die Handlung schnell erzählt und wenig aufsehenerregend. Doch die Art und Weise, wie Goscinny und Uderzo sie erzählen, macht daraus ein großartiges Theaterstück. Mit allerlei bekannten Hilfsmitten, bereits etablierten Running Gags (Obelix’ Art Türen zu öffnen, um nur ein Beispiel zu nennen), dafür aber ohne Obelix’ kleinen Begleiter Idefix, schlagen sich die beiden Gallier förmlich die halbe Stadt Rom. Von Cäsars Palast geht es zum Sklavenmarkt, von dort aus dann zum Theater und der Villa von Claudius Überflus, wo sie jedoch nicht lange bleiben und alsbald wieder vor Cäsars Palast stehen. Hier finden sie aber diesmal Einlass, der direkt in dessen Verlies führt, von wo aus sie vor Gericht geführt in das Circus-Verlies gesperrt und in die Circus-Arena entlassen werden. Nur um kurz darauf erneut durch die Stadt zu streifen und die Katakomben Roms kennenlernen, die sie dann schlussendlich wieder zum Palast Cäsars führen. Man sieht, dass selbst mit wenig Handlung eine aberwitzige Irrfahrt, quer durch eine einzige Stadt möglich ist, wenn man denn die richtigen Leute ranlässt, um diese zu erzählen.

Endlich im Palast heißt es leise sein.

„Latürnich“ lässt auch Uderzo erneut seine grafischen Muskeln spielen und setzt Goscinnys Geschichte in ebenso detailreichen wie lebendigen Bildern um. Waren Hintergründe in den ersten Abenteuern noch minimalistisch gehalten und nur durch verschiedene Farbabstufungen eingeteilt, entwickelte sich bereits in den letzten Bänden ein detailreicher Hintergrund, der sich meistens jedoch auf Landschaften außerhalb von Gebäuden begrenzte. Hier jedoch zeigt Uderzo, dass er sich auch mit der Innenraumgestaltung des antiken Roms sehr gut auskennt. Auch sein bereits in früheren Bänden dargestelltes Spiel mit Licht und Schatten hat sich weiterentwickelt. In diesem Band wechselt Uderzo den Stil nicht mehr um Licht und Schatten stimmungsvoll darzustellen, sondern bleibt dem Gesamtstil des Abenteuers treu. Wie immer baut Uderzo auch in „Die Lorbeeren des Cäsar“ eine zeitgenössische Karikatur ein. Als genervter und frustrierter Dompteur ist der bekannte französische Zirkusdirektor Jean Richard verewigt worden.

Wer zu spät kommt, den fressen zumindest schonmal nicht die Löwen.

FAZIT:

Der achtzehnte Asterix-Band ist rein inhaltlich kein Highlight, kann dafür aber mit einer liebevollen und außergewöhnlichen Umsetzung punkten. Um ehrlich zu sein, braucht es hier auch nicht viel Handlung, denn dieses Abenteuer lebt von seinen vielen Anspielungen, detailverliebten Bildern und den diesmal außergewöhnlich häufig verwendeten lateinischen Ausdrücken, mit denen fast schon umhergeworfen wurde, die aber niemals störend wirken.

Ende gut, alles gut?

Copyright aller verwendeten Bilder © 1972-2014 Les Edition Albert/René Goscinny/Uderzo / Egmont