HighlightNewsVideogame-ReviewVideogames

Angespielt: Google Stadia im Anwender Check

Seit dem 19.November 18:00 Uhr kann man zumindest in Deutschland den neuen Spiele Streamingdienst Google Stadia nutzen. Voraussetzung war nicht nur die frühzeitige Bestellung der Founder´s beziehungsweise Premiere Edition, in denen neben einem drei monatigen Pro-Abo, auch ein Chromecast Ultra und der Stadia Controller enthalten sind, sondern auch die Zusendung eines Freischaltcodes von Google, mit dem man erst Zugang zum Service und zum Einrichten seines Benutzernamens erhält. Ein vorzeitiges sichern des Spielernamens ist leider nicht möglich. Ich hatte die Founder´s Edition schon frühzeitig bestellt, so dass mein Freischaltcode in der Nacht zum 20.November in meinem E-Mailaccount auftauchte.

Die Stadia App

Das Einrichten des Profils ist nur mit der Stadia-App auf einem Handy oder Tablet unter Android oder iOS möglich. Für das iPad ist keine eigene App erschienen, dort muss auf die iPhone-App zurückgegriffen werden. Diese App ist auch Dreh- und Angelpunkt rund um Stadia. Als erstes muss man sein Googlekonto mit der App verbinden und den erhaltenen Freischaltcode eingeben. Ein nachträgliches Wechseln des Kontos ist nicht möglich. Danach werden einem noch ein paar Fragen über Freundschaftsanfragen und Profilinformationen gestellt und kurz darauf ist man schon auf der Stadiaübersichtsseite. Im Store können die beiden Gratisspiele Activisions „Anthem 2“ und „Samurai Shodown“ von SNK kostenlos freigeschaltet werden. Weitere 20 Spiele stehen zum Kauf bereit.

Assassin’s Creed: Odyssey – Ubisoft
Attack on Titan: Final Battle 2 – Koei
Baldur’s Gate 3 – Interplay Entertainment
Final Fantasy 15 – Square Enix
Football Manager 2020 – Sports Interactive
GYLT – Tequila Works
Just Dance 2020 – Ubisoft
Kine – Gwen Frey
Landwirtschafts-Simulator 19 – Astragon
Metro Exodus – 4A Games
Mortal Kombat 11 – Warner Bros.
NBA 2K20 – 2K
Rage 2 – Bethesda
Red Dead Redemption 2 – Rockstar
Thumper – Drool
Tomb Raider: Definitive Edition – Square Enix
Rise of the Tomb Raider – Square Enix
Shadow of the Tomb Raider – Square Enix
Trials Rising – Ubisoft
Wolfenstein: Youngblood – Bethesda

Die meisten Vollpreisspiele kosten ähnlich der Download-Stores von Sony und Microsoft. Wer Stadia Pro benutzt, zurzeit sind das alle normalen Nutzer, da der Freeaccount, welcher nur mit Full-HD und Stereo-Ton funktioniert, erst nächstes Jahr eingeführt werden soll, erhält für insgesamt sechs Spiele einen Rabatt von bis zu 50%. So kostet zum Beispiel Metro Exodus 20€ und ist im Vergleich zu den beiden anderen Stores recht günstig (Stand 21.11.) gewesen.

Google Stadia einrichten

Hat man erst mal sein Konto mittels der Stadia App eingerichtet, kann Google Stadia auch über Google Chrome ab Version 75, auf einem Smartphone von Google (Pixel 2, 3, 3a oder 4 mit Android 10) oder am Fernseher mit einem Chromecast Ultra genutzt werden. Apple Smartphones und nicht Google-Geräte sollen schnellstmöglich hinzugefügt werden, genauso wie die Unterstützung der Chromecast Ultras, welche nicht dem Stadia-Paket beilagen. Stadia unterstützt nicht nur den Stadia Controller, sondern auch Controller von Microsoft, den Nintendo Switch Pro Controller oder Sonys Playstation 4 Controller. Die Einrichtung des Chromecast Ultra geht relativ einfach, solange man sich an die beigefügte Anleitung hält. Notwendig ist dafür unter Android zusätzlich die Google Home App, bei iOS reicht die Stadia App aus. W-LAN einrichten, Firmware Update abwarten und den Stadia-Controller verbinden, schon kann es losgehen.

Das Spielen

Da es sich hier um einen Streaming Service handelt, werden die Spiele nicht lokal gespeichert und ausgeführt, sondern auf der Serverfarm von Google berechnet. Der Spieler erhält einen Stream, der je nach Qualität des Streams einen stabilen Internetzugang mit bis zu 35 Mbit/s benötigt. Die Qualität kann in den Einstellungen von Stadia in drei Stufen geregelt werden. Von höchster Qualität in 4k, über „Ausgeglichen“, wobei Stadia die Auflösung anhand der Internetgeschwindigkeit festlegt, oder der Stream wird auf 720p beschränkt, auch HDR (High Dynamic Range/ Hochkontrastbild) kann ein- oder ausgeschaltet werden. Der Vorteil daran ist, dass auch relativ schwache Hardware den Spielestream ausführen kann, da es fast nur auf die Internetverbindung ankommt. Möchte man am Fernseher spielen, können die Spiele nur über die Stadia App am Smartphone oder Tablet gestartet werden, während man an einem Rechner auf den Chrome-Browser angewiesen ist.

Leider hat Google noch leichte Probleme beim Starten von Streams, so dass man schon mal drei-, viermal ein Spiel starten muss. Ist das Spiel geladen, was leider kaum schneller geht als auf PC/ Konsole, kann man bis auf Helligkeit nicht mehr viel an den Grafikeinstellungen ändern. Speichern und laden funktionieren wie an PC oder Konsole. Bei der Steuerung werden nicht nur Controller unterstützt, sondern häufig auch Maus und Tastatur. Der Stream läuft flüssig mit seltenen Rucklern, die bisher aber nicht gestört haben. Beim Versuch 4K Bildmaterial über ein 54 Mbit W-LAN Verbindung zu nutzen, kam es doch zu einigen Aussetzern, wobei das Spielen dann teilweise kaum möglich war. Sowohl der Stadia Controller, welcher ebenfalls im W-LAN mit dem Internet verbunden ist, als auch mit einem Microsoft Elite Controller, merkt man beim Spielen keine nennenswerte Eingabeverzögerung. Laut PC Gamer kann der Stadia-Dienst bei der Latenz allerdings noch nicht mit PC Hardware mithalten. So besitzt Destiny 2 auf einem lokal installierten PC eine Latenz von 83 Millisekunden bei Full HD-Auflösung. Die Latenz bei Stadia über Chrome beträgt 150 Millisekunden und über den Chromecast Ultra sogar 163 Millisekunden Latenz. Laut Google soll die Latenz durch „Machine learning“ irgendwann mal unter der PC-Latenz fallen. Das Wechseln vom PC auf den Chromecast Ultra funktionierte meistens einwandfrei. Startete man Stadia auf dem jeweils anderem Gerät, konnte man Nahtlos weiterspielen. Manchmal musste ich allerdings zuerst auf dem einen Gerät Stadia beenden, damit ich das Spiel auf dem anderen Fortsetzen konnte. Sollte aus irgendeinem Grund mal nicht das sofortige Weiterspielen möglich sein, werden die Daten für 15 Minuten in der Cloud zwischengespeichert, um dort weiterzumachen, wo man aufgehört hat.

Der Controller

Der Stadia-Controller, welcher dem PlayStation 4 Controller nachempfunden wurde, verfügt weder über Gyro- noch über Neigungssensoren und liegt gut in der Hand. Die Tasten klappern etwas, funktionieren aber einwandfrei. Der Akku hält ähnlich lange durch, wie bei der Konkurrenz. Zusätzlich besitzt der Controller noch einen Klinkenanschluss für Kopfhörer und eine USB-Typ-C-Buchse zum Aufladen und Anschluss an die Geräte.

In Österreich ist Stadia noch nicht erhältlich, der Dienst dürfte aber im Laufe des nächsten Jahr (2020) verfügbar sein.

Fazit

Stadia, vorausgesetzt man hat eine schnelle Internetleitung, am besten mit Glasfaseranschluss, ist in meinen Augen schon jetzt ein guter Service, der leider etwas zu früh auf den Markt gekommen ist. Wer sich wundert, dass im Bericht keine zusätzlichen Features von Stadia aufgeführt werden, es gibt diese bisher einfach nicht. Es können zurzeit nur die 22 Spiele gekauft und gespielt werden. Keine der versprochenen Services, wie YouTube-Einbindung oder Spielerhilfe, funktionieren. Das soll alles noch kommen. Stadia ist wie eine neue Konsole auf der bisher nur Umsetzungen erschienen sind, Gylt mal außen vorgelassen. Lohnt es sich daher jetzt schon nur auf Stadia zu setzen. Ich denke nicht. Wird Google zukünftig ein Wörtchen mitreden können? Auf jeden Fall! Spätestens mit der Einführung der kostenlosen Version. Der Service an sich läuft stabil und für mich verzögerungsfrei. Ich glaube auch nicht, dass Google den Service schnell wieder aufgeben wird, da sie zum Beispiel mit Google Play Music schon einen Service über längere Zeit anbieten und weiterführen. Sollte zukünftig 5G-Mobilfunk relativ kostengünstig und ohne Limits zur Verfügung stehen, hat Google ebenfalls eine Plattform die immer und überall gespielt werden kann und sie bis dahin auch einiges an Erfahrung sammeln konnten. Der frühe Start, diente wahrscheinlich eher dazu, Konkurrenten, wie Microsofts Project XCloud, zuvorzukommen und ein Teil des Marktes frühzeitig zu beanspruchen. Auch der Einstieg ist gegenüber einer neuen Konsole recht günstig. Sollten bei Stadia ähnlich viele Spiele, wie bei der Konkurrenz erscheinen, entfällt auf jeden Fall schon mal der hohe Anschaffungspreis für eine neue Konsolengeneration. Dafür kann man dann bei Stadia Spiele kaufen oder einen eventuellen zukünftigen „Ultimate Pass“ bestellen. Da alles auf einer Serverfarm läuft, kann auch relativ problemlos die Leistung angepasst werden und man könnte immer, ohne weitere kosten, „up to date“ zu sein.
Tags

Related Articles

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close