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200 Games, die du gespielt haben musst! (92) – Journey

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel. Dieser Spruch verfolgt uns ein Leben lang, von unterschiedlichen Personen wiederholt. Und immer wieder fragen wir uns: was will man uns damit eigentlich sagen? Die Softwareschmiede thatgamecompany hat uns 2012 spielerisch darauf eine Antwort geben, die sehr viel Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen lässt.

Kleine schwarze Männchen

Den Beginn setzt das Spiel in einer kargen Wüstenlandschaft – am Horizont eine aufgehende Sonne und ein ferner Berggipfel, der der Sonne beinahe ebenbürtig strahlt. Die einzige Auswahlmöglichkeit: New Journey. Viel aufgeräumter kann man ein Menü nicht mehr gestalten. Auf einen Druck auf die Starttaste folgt die erste Bewegung mit eurem Alter Ego, das eine kleine, in eine rote Robe gewandete Figur ist. Viel mehr gibt es nicht zu erkennen, da das Gesicht an eine einfache venezianische Karnevalsmaske erinnert – blank ebenholzschwarz, mit einem Goldring als Verzierung. Schnell wird klar – der leuchtende Berg ist das Ziel dieser Reise. Im Laufe des Spiels lernt diese an einen pilgernden Mönch erinnernde Gestalt zwei Fähigkeiten. Mit der einen könnt ihr (so euer Energievorrat reicht, der an einem Schal dargestellt wird) springen und für kurze Zeit schweben, mit der anderen könnt ihr bestimmte Objekte in eurer Umgebung zu einer Reaktion anregen. Das war´s, mehr wirkliche Spielelemente kommen in diesem Downloadgame nicht vor. Diese reichen aber auch für diverse Rätsel, die allesamt kurzweilig und zum Teil auch fordernd sind. Doch soll man Journey wirklich nach den Kriterien eines Spiels betrachten?

Philosophiestunde

Das wirklich Interessante an Journey ist nicht zwingend das Spiel an sich. Vielmehr bekommt man hier eine riesige Projektionsfläche für eigene Interpretationen und Deutungen, wer oder was der Reisende eigentlich ist oder was sein ultimatives Ziel abgesehen vom Berg ist. Man streift durch verlassene Ruinen aus längst vergangenen Zeiten, trifft auf Freunde (zum Leben erwachte Teppichhunde) und auch Feinde, und doch muss die Reise immer weiter gehen, ob nun mit oder ohne Begleiter. Man muss die Vergangenheit hinter sich lassen, um in die Zukunft des Pilgers zu schreiten. Begleitet wird man dabei auf Schritt und Tritt von einem der passendsten Soundtracks, die ich je in einem Spiel gehört habe – ätherisch, erhaben, nie aufdringlich und gerade manchmal durch Abwesenheit Akzente setzend, die einem die Gänsehaut auf den Körper zaubern. Das in Kombination mit der wirklich hübschen Cel-Shading-Grafik, die sowohl Wüsten als auch Eisfelder glaubhaft und verträumt auf´s Bild zaubert, erweckt einen Gesamteindruck, der für mich derzeit seinesgleichen sucht.

Und was ist´s jetzt?

Journey ist vor allem eins: anders. Auch wenn ich das Wort selten verwende und eigentlich nicht mag – ich bin mir nicht sicher, ob hier nicht Kunst auf Spiel trifft. Hier wird ohne Worte eine Story erzählt, die man ohne Weiteres als Parabel über das Leben an sich, über religiöse Ideen wie Wiedergeburt als auch als Geschichte eines alten Maya-Volkes interpretieren kann. Der spielerische Teil von Journey ist an sich schon  unterhaltsam – der emotional-erzählerische Teil, der euch auf eine Achterbahnfahrt mitnimmt, ist grandios.

Das Erlebnis von Journey hat uns lange nicht losgelassen. In etwas über vier Stunden wurde ich mehr hin- und hergebeutelt von der Geschichte um einen Charakter, der völlig meiner Interpretation überlassen war, als von vielen AAA-Titeln der letzten Jahre. Nebenbei ist das Spiel auch noch unglaublich schön und funktioniert auch gut als Unterhaltungstitel. Meine Meinung: jeder Besitzer einer PlayStation 3 oder 4 sollte dieses Spiel gespielt haben.

System: PlayStation 3 (4)
Entwickler: Thatgamecompany
Jahr: 2012

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